Mühldorf – Vor 20 Jahren feierte „Die Mühldorfer Hex“ im Haberkasten-Innenhof Premiere. Zu diesem Jubiläum bringt der Kulturschupp‘n Mühldorf das Stück heuer im Juli erneut auf die Bühne. Premiere ist am Freitag, 31. Juli, um 19.30 Uhr.
Mehr Pepp und
Lebendigkeit
„Ein bisschen aggressiver!“, „Du bist in dieser Szene frech!“, „Zeig mit dem Finger auf ihn, wenn du das sagst!“ – Christopher Luber hat ein genaues Bild davon, wie am Ende alles auf der Bühne wirken soll, wenn die „Mühldorfer Hex“ – das Stück, das er gemeinsam mit seiner Ehefrau Silvia Menzel geschrieben hat – erneut zur Aufführung kommt. Und so gibt der Regisseur bei den Proben zusammen mit Co-Regisseur Mike Sobotka den Schauspielern genaue Anweisungen.
Gemeinsam setzen sich alle Darsteller mit den Rollen auseinander, fragen sich, was, wie und warum gesagt und getan wird, um sich dann voll und ganz in ihre Figuren einzufühlen. Denn eines ist klar: Auch in der fünften Version soll das Stück um den historischen Hexenprozess gegen die 16-jährige Maria Pauer die Zuschauer begeistern. Und noch mehr: „Wir wollen dem Ganzen dieses Mal ein wenig mehr Pepp und Lebendigkeit verleihen“, verrät Christopher Luber. Mike Sobotka ergänzt: „Die grausame Geschichte wird mit Humor unterbrochen, das ist ein besseres Abbild der Wirklichkeit, denn bei jeder Tragödie ist auch Humor dabei.“
Die grausame Geschichte, das ist die der 16-jährigen Dienstmagd Maria Pauer, die im Jahr 1750 in Salzburg als Hexe hingerichtet und verbrannt wurde. Nachdem Zeugen von unheimlichen Spukerscheinungen rund um das Mädchen berichtet hatten, wurde sie am 27. Januar 1749 verhaftet. Drei Monate lang wurde sie in die Hexenkammer des Mühldorfer Rathauses gesperrt – ein dunkler, kalter Raum, in dem sie aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse und übler Kost in einen wahnhaften Zustand verfiel.
Stück von
zeitloser Aktualität
Nach einem monatelangen Verhör vor dem Mühldorfer Stadtgericht wurde sie nach Salzburg überführt, wo sie nach weiteren Vernehmungen und unter schrecklichen Haftbedingungen schließlich ein Geständnis ablegte und zum Tod verurteilt wurde. Das Stück „Die Mühldorfer Hex“ basiert auf den originalen Prozessakten und wechselt zwischen Alltagsszenen, die zeigen, wie es zur Verhaftung des Mädchens kam, und Gerichtsszenen, in denen Maria verhört wird. Schon fünfmal hat der Kulturschupp’n seit 2006 diese Geschichte um Aberglaube, falsche Anschuldigungen und Wahnsinn eindrucksvoll auf die Bühne gebracht. „Das Stück hat nie an Aktualität verloren“, meint Vorsitzende Marianne Zollner. „Der Aberglaube von damals ist vergleichbar mit Fake News und Mobbing im Internet. Und Massenhysterie und Brutalität begegnen uns leider auch in unserer Zeit.“
Frische Besetzung und
über 50 Mitwirkende
„Die Mühldorfer Hex“ soll zum Nachdenken anregen. „Es ist schön, wenn die Zuschauer sich darüber austauschen“, so Sobotka.
In der aktuellen Inszenierung übernehmen die Schauspieler mehrheitlich für sie neue Rollen, auch die Hauptrolle der Maria Pauer ist mit Anita Wisgalla frisch besetzt. Nach Sarah Wagner und Sarah Ebenbichler ist sie die dritte Mühldorfer Hex. „Die Rolle macht Spaß“, so die 29-Jährige, „aber der Wechsel zwischen lustigen, unbeschwerten Szenen und schwerem Wahn ist sehr anspruchsvoll.“ Über 50 Mitwirkende sind an der Aufführung beteiligt – die Jüngste ist neun Jahre alt, der Älteste 91. „Da ist es nicht immer leicht, organisatorisch alles zusammenzubringen“, sagt Mike Sobotka lachend. Musikalisch werden die Schauspieler von einer kleinen Band und drei Sängerinnen begleitet. „Als drei Waschweiber werden sie vom Balkon aus bei den Bühnenwechseln die Situation teilweise derb und spöttisch ausrichten“, erklärt Christopher Luber.
Das Glanzstück des Kulturschupp’ns verspricht also auch in der fünften Auflage ein voller Erfolg zu werden. „Es ist auch für die sehenswert, die es schon kennen“, betont Marianne Zollner. „Weil das Stück so eng mit der Stadtgeschichte verwoben ist, wird es parallel zu den Vorstellungen Begleitführungen durch die Stadt geben, bei denen man die Schauplätze der Geschichte besuchen kann.“
Nach der Premiere am Freitag, 31. Juli, finden weitere Aufführungen der Mühldorfer Hex am Samstag, 1. August, Sonntag, 2. August, Donnerstag, 6. August, Freitag, 7. August und Samstag, 8. August, jeweils um 19.30 Uhr im Haberkasten-Innenhof statt.
Karten gibt es beim Kulturamt Mühldorf unter Telefon 08631/612612.