Vanessa Hein leitet die Nachmittagsbetreuung in Aschau. Foto Weinfurtner
Aschau – Die Gemeinde Aschau hebt die Kosten für die Nachmittagsbetreuung für Kinder an. Grund dafür ist der ab September geltende Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Ab dem Schuljahr 2026/2027 gilt der Anspruch erst für alle Erstklässler, bis er ab dem Schuljahr 2029/2030 auf alle vier Grundschuljahrgänge zutrifft.
Vanessa Hein, Leiterin der Nachmittagsbetreuung in Aschau, erklärte dazu, dass somit eine Betreuung von Montag bis Freitag bis mindestens 16 Uhr angeboten werden müsse. Auch in den Ferien müssen die Kinder bis zu dieser Uhrzeit beaufsichtigt werden. Insgesamt dürfe die Betreuung 20 Tage im Jahr schließen.
Mehr Aufwand durch
Ganztagsbetreuung
Die neuen Vorgaben „sind mit viel Mehraufwand und Organisation verbunden“, erklärte Hein. Deswegen müssen laut ihr die Beiträge erhöht werden. Schon im vergangenen Jahr konnte das Team der Nachmittagsbetreuung erweitert werden. Zudem haben sich zwei bestehende Mitarbeiter weitergebildet, „um die Qualität und Kapazität der Nachmittagsbetreuung zu stärken“, so Hein.
Um den genauen Bedarf ab dem kommenden Schuljahr zu ermitteln, soll noch im Zuge der Schuleinschreibung bei den ersten Klassen eine Abfrage an die Eltern geschickt werden. Wer bis 30. April einen Platz anmeldet, hat auch einen Anspruch darauf, erklärt die Leiterin. Während der Schulzeiten beginnt laut Hein die Betreuung gegen 11 Uhr. Derzeit zahlen Eltern für Kinder bis 14 Uhr, ohne Mittagsessen und nur zu Schulzeiten, 65 Euro im Monat. Bis 16.30 Uhr kostet es 95 Euro im Monat. Pro Essen werden Kosten in Höhe von fünf Euro fällig. Während der Ferien beginnt die Betreuungszeit bereits um 8 Uhr und kostet für Regelkinder der Nachmittagsbetreuung 70 Euro die Woche. Wer sein Kind bisher nur in den Ferien zur Betreuung schickt, zahlt 90 Euro pro Woche.
Ab dem Schuljahr 2026/ 2027 werden die Kosten für während der Schulzeit und in den Ferien zusammengefasst, erklärte Hein. Das wäre für die Abrechnung und auch für die Eltern einfacher, sagte sie. Demnach kostet ein Platz ohne Mittagessen, aber inklusive der Ferienzeit bis 14 Uhr 115 Euro und bis 16.30 Uhr 145 Euro im Monat. Auch die Kosten für ein Essen steigen auf 5,50 Euro. Für Kinder, die nur in den Ferien die Betreuung besuchen, steigt der Preis für eine Woche ohne Essen bis 14 Uhr auf 90 Euro und bis 16 Uhr auf 110 Euro. Zudem können auch einzelne Tage gebucht werden. Diese kosten 30 Euro (bis 14 Uhr) beziehungsweise 35 Euro bis 16 Uhr.
Dabei gilt laut Hein, dass Kinder, die nicht zur Nachmittagsbetreuung angemeldet sind, keinen Anspruch auf die Teilnahme an der Ferienbetreuung geltend machen können. Sie könnten somit abgelehnt werden, wenn es keinen Platz mehr gebe oder kein Personal zur Verfügung stehe, erklärte die Leiterin.
Barbara Bischoff (AWG) fand, dass „das eine ganz schön große Nummer ist, die sich der Staat hat einfallen lassen“. Ein Kindergarten habe wenigstens 30 Schließtage. Überhaupt findet Bischoff „einiges ungut“ an dem Ganztagsanspruch. „Kinder benötigen auch mal Ferien“, sagte sie. Zudem hielt sie fest, dass von 11 bis 14 Uhr nur drei Stunden Betreuungszeit seien, und fragte nach, ob der Staat hier etwas bezuschusse. Hein verneinte dies. Förderungen gingen lediglich über das Bürgergeld, das Jugendamt oder die Steuererklärung, so die Leiterin.
Andreas Kölbl (AWG) hielt fest: „Es ist schon eine massive Erhöhung.“ Zudem fand er es schade, dass Eltern, die die Betreuung während der Schulzeit selbstständig mit den Großeltern oder anderen Angehörigen organisieren würden, während der Ferien dann mehr zahlen müssten und so eigentlich benachteiligt würden. „Was ich auch nicht verstehe, ist, warum das Essensgeld erhöht wurde.“
Hein erklärte dazu, dass der Caterer auf 5,20 Euro hinaufgegangen sei und es für die Abrechnung einfacher sei, dann 5,50 Euro zu verlangen. Bischoff ergänzte hierzu, dass auch die Ferienbetreuung mal einen Salat selbst beisteuere. „Oder auch Eis“, sagte Hein. Zudem könnten die Kinder, wenn sie nicht aufessen, die restliche Portion mit nach Hause nehmen, ergänzte Bischoff.
Dritter Bürgermeister Ernst Doleschal (CSU) wollte wissen, ob das Personal reiche. „Derzeit ja“, antwortete Hein. Im Mai wisse sie dann mehr, wie viele ab dem neuen Schuljahr benötigt würden. „Von selbst finanziert sich die Nachmittagsbetreuung aber weiterhin nicht, oder?“, fragte Doleschal weiter nach. Bürgermeister Christian Weyrich antwortete: „Wir schießen von der Gemeinde viel dazu“, sagte er.
Geschäftsstellenleiter Stefan Kirchbuchner erklärte dazu auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen, dass die Gemeinde im Jahr 2025 das Defizit von 119.000 Euro übernommen habe. Aufgrund der wachsenden Anforderungen rechnet er 2026 mit einem „deutlich höheren Defizit“.
Zweiter Bürgermeister Christian Mayerhofer (AWG) kritisierte, dass Eltern durch die günstigeren Preise für mehr Tage motiviert würden, ihr Kind öfter in die Betreuung zu schicken. Er räumte aber auch ein, dass er verstehe, wieso die Preise so aufgebaut worden seien.
Positiv angetan von der
Nachmittagsbetreuung
Bischoff fand gegen Ende der Diskussion lobende Worte für die Nachmittagsbetreuung. Sie habe sich erst kürzlich selbst ein Bild davon gemacht und einen Tag dort verbracht. „Ich war positiv angetan“, sagte sie. Auch das Mittagessen laufe „erstaunlich zivilisiert“ ab. Hausaufgaben würden in unterschiedlichen Räumen erledigt. „Es läuft im Moment wirklich gut. Und das Essen war auch gut“, sagte sie.
Der Gemeinderat stimmte einstimmig dafür, die Kosten ab dem Schuljahr 2026/2027 für die Nachmittags- und Ferienbetreuung anzuheben.