Traunstein/Mühldorf/Oberbayern – Zwei Männer aus Moldau suchten bei ihren Beutezügen ab dem Jahr 2021 Firmen in mehreren süddeutschen Landkreisen heim, darunter auch im Landkreis Mühldorf. Sie hatten es auf Bargeld oder aber Werkzeug abgesehen und hinterließen einen enormen Sachschaden.
Die Neunte Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Barbara Miller verhängte gegen einen 60-jährigen Angeklagten vier Jahre acht Monate Haft. Sein Mittäter (44) kam mit einem Jahr weniger davon. Ein unbekannter dritter Täter ist bislang nicht gefasst. Bei dem älteren Moldawier sah das Gericht einen Wohnungsdiebstahl und zehn weitere Diebstähle, jeweils gepaart mit Sachbeschädigung, als nachgewiesen an. Der Jüngere wurde wegen sechs Diebstählen plus Sachbeschädigung für schuldig befunden und im Rest freigesprochen. Das deckte sich mit dem Schlussantrag von Oberstaatsanwalt Markus Andrä, der für beide Angeklagte jeweils einen Monat Haft mehr als im Urteil gefordert hatte. Verteidiger Martin Lämmlein hatte für den 60-Jährigen auf vier Jahre fünf Monate Freiheitsstrafe plädiert, Verteidigerin Ines Hovden aus Traunstein für den Mittäter auf dreieinhalb Jahre Haft.
Bei der Einbruchsserie in den Landkreisen Aichach-Friedberg, Neuburg-Schrobenhausen, Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen und zuletzt bei mehreren Firmen im Landkreis Mühldorf summierte sich der Wert der Beute auf gut 100.000 Euro, der Sachschaden auf etwa die Hälfte davon. Den Wertersatz fixierte die Kammer gemeinschaftlich für beide Angeklagte auf mehr als 62.000 Euro. Der 60-Jährige muss zusammen mit dem unbekannten dritten Täter für nochmals mehr als 46.000 Euro Wertersatz aufkommen. Auf die Spur der Einbrecher gelangte die Polizei durch die Mitteilung eines Zeugen, der am 1. Juni 2025 gegen 2 Uhr in einem Industriegebiet in Rattenkirchen zwei verdächtige Personen vor seinem Haus entdeckte. Sie rissen ein Gitter ab, brachen die Aktion aber ab. Der Hauseigentümer verständigte die Polizei Mühldorf. Zwei Streifenbeamte konnten die beiden Angeklagten anschließend auf dem Nachbargrundstück auf frischer Tat ertappen.
Sie führten im Gepäck neben Bargeld, Autoschlüsseln und Handy auch Einbruchswerkzeuge wie Brecheisen, Flexzubehör, Seitenschneider und Schraubenschlüssel mit. Kurze Zeit später stieß ein anderer Zeuge auf ein verlassenes Auto mit ausländischen Kennzeichen am Rand eines Waldstücks, das etwa zwei Kilometer von dem Industriegebiet entfernt lag. Die Schlüssel aus dem Rucksack eines Täters passten zu dem Fahrzeug, wie eine Polizeisachbearbeiterin in dem Prozess informierte. Im Landkreis Mühldorf konnten durch die vorläufige Festnahme der Angeklagten eine weitere Tat in Rattenkirchen und ein Einbruch in Heldenstein Ende Mai/Anfang Juni 2025 aufgeklärt werden.
Die Angeklagten räumten in der Hauptverhandlung alle Vorwürfe von Oberstaatsanwalt Markus Andrä ein. Die Serie startete im September 2021 mit drei Einbrüchen in der Gemeinde Pöttmes, Landkreis Aichach-Friedberg, gefolgt von Taten im März 2022 in Weichering, im Mai 2023 in Holzheim und im Mai 2024 in Türkheim, alles im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Im November 2024 waren Unternehmen in vier Hallen eines Industriegebiets in Eschenlohe im Landkreis Garmisch-Partenkirchen an der Reihe. Hier machten die Moldawier außergewöhnlich hohe Beute – 25.000 Euro aus einem Möbeltresor, aus einem anderen Tresor nochmals 8.000 Euro und ein Sparbuch sowie 1.000 Euro aus Büroschränken. Eine weitere Tat in einem anderen Betrieb ging schief – weil die Aktivitäten der Einbrecher aufgrund der starken Rauch- und Hitzeentwicklung die Brandmeldeanlage auslösten. Dreimal schlugen die Täter im Dezember 2024 in Wolfratshausen, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, zu. Die Angeklagten zeigten sich schon am ersten Prozesstag geständig und bedauerten ihr kriminelles Verhalten. Der jüngere Mann beteuerte, nicht bei allen angeklagten Fällen dabei gewesen zu sein. kd