Waldkraiburg – Im ersten Wahlgang votierten am Sonntag, 8. März, 39,2 Prozent für Emil Kirchmeier (CSU) als Bürgermeister; 37,8 Prozent der Wähler gaben Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) ihre Stimme. Die OVB-Heimatzeitungen haben beide Kandidaten getrennt schriftlich zur Stichwahl befragt. Sie hatten die gleichen Fragen und insgesamt für ihre Antworten maximal 2400 Zeichen Platz.
Wie bewerten Sie mit einer Woche Abstand Ihr Wahlergebnis vom 8. März? Was war am 8. März entscheidend für Ihr Wahlergebnis?
Emil Kirchmeier: Auf das Vertrauen, das mir viele Bürgerinnen und Bürger entgegengebracht haben, blicke ich dankbar zurück. Das Wahlergebnis zeigt für mich, dass sich viele Menschen in Waldkraiburg eine verlässliche, transparente und bürgernahe Politik wünschen.
Entscheidend war vor allem der persönliche Austausch. In den vergangenen Wochen habe ich viele Gespräche geführt – auf Veranstaltungen, an der Haustür oder direkt auf der Straße. Dabei ging es um konkrete Alltagsanliegen: eine saubere und sichere Stadt, mehr Transparenz, eine lebendige Innenstadt sowie eine verlässliche ärztliche Versorgung.
Ich habe deutlich gespürt, dass sich zahlreiche Bürger nach zwölf Jahren einen Wechsel an der Rathausspitze wünschen. Der Drang nach neuen Impulsen und einem neuen Stil in der Stadtpolitik war unüberhörbar. Gleichzeitig ist klar: Die endgültige Entscheidung fällt erst in der Stichwahl. Deshalb bitte ich Sie: Gehen Sie noch einmal zur Wahl und entscheiden Sie mit über die Zukunft unserer Stadt.
Robert Pötzsch: Die Wahlbeteiligung war mit 45,1 Prozent sehr niedrig. Es ist sehr schade, dass mehr als die Hälfte unserer Bürger keinen Anlass sieht, ihre persönliche politische Mitbestimmung durch eine Wahlteilnahme wahrzunehmen. Wer hier Wählergruppen zur Wahl animieren kann, hat einen unbestreitbaren Vorteil.
Christoph Arz hat einen guten und fairen Wahlkampf abgeliefert, der gerade junge Wähler angesprochen hat, ohne die klassische Klientel der Grünen abzuhängen. Er hat sich als Newcomer nicht gescheut, Dinge beim Namen zu nennen und sich in seiner ersten Amtszeit als Stadtrat der politischen Diskussion gestellt.
In der UWG haben wir mit sehr engagierten und neuen Kandidaten auf eine gute Ergänzung zu den erfahrenen politischen Vertretern gesetzt. Hier hat aus meiner Sicht noch das notwendige Vertrauen der Wählerschaft gefehlt. Dies hat sich leider auch in meinem Wahlergebnis gezeigt.
Ich selbst muss mir auch eingestehen, dass bei Informationen über Entwicklungen und Entscheidungen Nachholbedarf besteht, was zur Unzufriedenheit der Bürger geführt hat.
Auf was kommt es jetzt an, damit Sie am 22. März gewählt werden? Welche Themen sind jetzt entscheidend?
Kirchmeier: Es gilt weiterhin, das Gespräch zu suchen und zu verdeutlichen, wofür ich stehe: Stabilität, Verlässlichkeit und eine konstruktive Zusammenarbeit – sowohl im Stadtrat als auch mit der Verwaltung.
Ein wichtiger Faktor ist das neue Kräfteverhältnis: Während die CSU zulegen konnte und nun mit zehn Stadträten die größte Fraktion stellt, hat die UWG mit nur noch fünf Sitzen deutlich an Unterstützung verloren. Für einen Bürgermeister ist eine stabile Mehrheit im Stadtrat entscheidend, um Projekte effizient umsetzen zu können. Das Wahlergebnis spiegelt den Wunsch nach einer neuen politischen Balance wider. Die Menschen wollen keine leeren Versprechen, sondern pragmatische Lösungen, die unsere Stadt Schritt für Schritt voranbringen.
Pötzsch: Am wichtigsten ist mir, dass wir nun deutlich mehr Wähler motivieren. In den zwölf Jahren meiner Amtszeit haben wir uns sortiert, neu orientiert und gemeinsam Lösungen erarbeitet. Diese sind politisch und öffentlich bekannt.
Nun gilt es, diese Themen mit Mut und Entschlossenheit weiter voranzutreiben, jedoch ohne die Bürger noch mehr zu belasten oder gar zu verärgern.
Städtische Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Stadtfest, müssen wir wiederbeleben und attraktiver machen. Da haben wir in der Vergangenheit zu sehr auf das Sparen geachtet. Der Spargedanke darf nicht über dem Bürgerwohl stehen.
Warum sollten sich die Wähler am 22. März für Sie entscheiden?
Kirchmeier: Waldkraiburg ist meine Heimat. Ich bin hier aufgewachsen und kenne unsere Stadt seit meiner Kindheit – ihre Menschen, ihre Vereine, ihre kulturelle Vielfalt und die Strukturen, die unser Zusammenleben prägen.
Der Zusammenhalt unserer Familie in der Landwirtschaft hat mich schon als kleines Kind geprägt: Verantwortung übernehmen, zuverlässig arbeiten und Entscheidungen mit Blick auf die Zukunft treffen. Diese Werte – Bodenständigkeit, Verlässlichkeit und Einsatz für die Gemeinschaft – sind das Fundament meines politischen Handelns.
Als Bürgermeister möchte ich ein verlässlicher Ansprechpartner für alle sein – unabhängig von Alter, Herkunft oder politischer Einstellung. Wer sich am 22. März für mich entscheidet, wählt Bodenständigkeit, Bürgernähe und eine klare Zukunftsperspektive für Waldkraiburg.
Pötzsch: Ich habe es die letzten Jahre geschafft – über alle Parteigrenzen hinweg – ein konstruktives Miteinander im Rat herzustellen, mögliche Lösungen anzubieten und umzusetzen. Waldkraiburg steht nicht so schlecht da, wie es immer publiziert wird. Die Bürger haben mir das klare Signal gegeben: Wir wollen auf bestimmte Dinge nicht so einfach verzichten und wir wünschen uns mehr Information und Transparenz seitens der Stadtführung. Diese Botschaft habe ich verstanden und werde sie beherzigen. Ich habe die Erfahrung und die Bürgernähe, die gerade in herausfordernden Zeiten enorm wichtig sind, sowie die nötige Ruhe, um gemeinsam mit dem neu gewählten Stadtrat IHRE Interessen zu vertreten. Mit meiner Erfahrung und Ihrem Vertrauen gestalten wir unsere Zukunft.