Heldenstein – Urig gefeiert wurde beim Heldensteiner Starkbierfest in der Turnhalle. Ein dreifach starkes Fest: Starkbier, Blasmusik und starke Sprüche. Das Starkbierfest des Musikvereins ist seit Jahrzehnten ein fester Termin im Veranstaltungskalender. Geselliges Beisammensein bei feinem Essen und guter Blasmusik.
Den musikalischen Anfang machten auch dieses Jahr wieder die beiden Jugendgruppen „Let’s Fetz“ und „Jugendkapelle“, seit diesem Unterrichtsjahr angeführt von Norbert Kreipl. Ab 20 Uhr übernahm dann die siebenköpfige Brassband „Innblech“ mit ihren ausgefeilten Arrangements die musikalische Gestaltung des Festes. Stets eine Ohrenweide für die Freunde anspruchsvoller Blasmusik.
Bürgermeisterin zapfte ihr
erstes Fass vor Publikum
Vorsitzender Andreas Hartmetz holte gleich die alte und neue Bürgermeisterin Antonia Hansmeier auf die Bühne, damit sie das erste Fass anzapfen konnte. Dabei gestand Hansmeier, dass es das erste Mal für sie sei, Bier vor Publikum anzustechen. Und obwohl ein gehöriger Bierstrahl Richtung Besucher spritzte, brauchte sie nur drei Schläge für einen tadellosen Anstich.
Nach ein paar Musikstücken kam die Einlage der beiden Brüder Andreas und Georg Hartmetz, die nach technischen Schwierigkeiten eine Fastenrede zum Besten gaben, die kaum eine unerhörte, freche oder peinliche Begebenheit des vergangenen Gemeindejahres unerwähnt ließ; neben einigen sanften Seitenhieben auch mit launigen und lustigen Details aus dem Dorfleben. Die letzte Fastenrede gab es in Heldenstein beim Starkbierfest 2019, damals noch mit großem Erfolg gehalten von Antonia Hansmeier, seit 2020 Bürgermeisterin und daher für die diesjährige Derblecken denkbar ungeeignet. Die Rede war ein offener Ratsch zweier Klosterbrüder, die von den Äbten ihrer Mutterklöster in Gars und Neumarkt-St. Veit losgeschickt wurden, um in Heldenstein die Qualität des Starkbiers zu prüfen. Schon bei der Anreise ist ihnen allerhand aufgefallen in der Gemeinde Heldenstein. Und so bekamen neben der Kommunalpolitik auch die Ortsvereine und die Ortsteile auf humoristische Weise ihr Fett weg.
Hier ein paar Kostproben der Rede: Das Jahrhundertbauwerk, die neue Turnhalle, habe nach langwierigen Planungsvorbereitungen bereits den schwierigsten Bauabschnitt hinter sich, denn die große Linde auf dem Bauhof sei schon gefällt. Und auch wenn ein neues Familien- und Gesundheitszentrum gebaut werde, sei damit ja immer noch kein Arzt am Ort. Vermutlich bleibt der Vorschlag ungehört, nicht auf dem Glatzberg Windräder aufzustellen, sondern neben dem Rathaus, weil die Bürgermeisterin Hansmeier „dort sehr viel mehr Wind macht, als auf dem Glatzberg herrscht“. Es bestehe sogar die Gefahr, dass sie jetzt als hauptamtliche Bürgermeisterin zum Orkan mutiere. Die weitere Ortsentwicklung verschiebe sich immer mehr Richtung Kirchbrunn, sodass die dortige Wallfahrtskirche zur Pfarrkirche ernannt werden sollte, weil sie viel zentraler liege als die Pfarrkirche. Groß genug sei sie für die geringe Zahl an Kirchenbesucher.
Besucher genossen das
gesellige Beisammensein
Und nichts Negatives, was nicht auch etwas Gutes hätte: Solange die Bahnstrecke nach München eingleisig bleibe, brauche man auch keine Entscheidung über eine Bahnüber- oder -unterführung in Weidenbach.
Wenn die Menschen nicht mehr in die Kirche gehen, kommt die Kirche zu den Menschen, denn in Haigerloh rutsche der Hang, auf dem die Kirche steht, Richtung Wirtshaus. Nach dieser Rede blieben die Gäste noch für ein paar Stunden am Biertisch oder an der Bar gesellig beisammen und ließen das Fest mit der Musik von „Innblech“ fröhlich ausklingen. Das Starkbier gab es direkt aus der Nachbarschaft: Die Brauerei Stierberg präsentierte ihr bewährtes „Hochprozentiges“.