Nicht schön aber notwendig

von Redaktion

Batteriespeicher für Mühldorf soll nun in die Tegernau

Mühldorf – Mit einem neuen Standortvorschlag für einen Batteriespeicher ging die Stadtverwaltung in die jüngste Bauausschusssitzung. Die Cell Mind GmbH aus Kraftisried hatte schon Ende 2025 einen Antrag für den Bau eines Großbatteriespeichers im Altmühldorfer Tal gestellt. Ein solcher Speicher wurde als sinnvoll erachtet, der Standort aber vom Bauausschuss abgelehnt. Die Verwaltung sollte mit der Firma Alternativen ausloten.

Hohe Pacht für
Standort zu erzielen

Nun wurde die Tegernau bei Annabrunn für den Speicher mit einer Leistung von 80 Megawatt vorgeschlagen. Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner trug die Vorteile vor: Das ausgewählte Grundstück mit der Flurnummer 986 liegt direkt an der 110 kV-Leitung; die nächsten Gebäude sind rund 100 Meter entfernt; es ist nicht so einsehbar wie das in Altmühldorf; es gehört der Heilig-Geist-Spital-Stiftung; an die Stiftung würde der Betreiber für den Standort des Batteriespeichers und die dazugehörige Ausgleichsfläche – insgesamt 12.000 Quadratmeter – nicht die sonst übliche, sondern 20 Jahre lang „eine sehr interessante Pacht“ bezahlen; über einen städtebaulichen Vertrag wäre der Betreiber zum rückstandslosen Rückbau der Anlage verpflichtet, finanziell abgesichert durch eine Bankbürgschaft.

Die Firma Cell Mind benötigt die Zustimmung der Stadt zum „Sondergebiet Batteriespeicher“, um den Netzanschluss des Speichers beim Bayernwerk beantragen zu können, so Weichselgartner. Nur wenn das Bayernwerk das Projekt als netzdienlich einstuft und die verbindliche Netzzusage erteilt, könne der Pachtvertrag abgeschlossen und weiter geplant werden.

Tegernau ist
landschaftlich wertvoll

In der Aussprache meldete sich Dr. Reinhard Wanka (UM) zu Wort. Er stufte die Tegernau als ebenso landschaftlich wertvoll ein, wie das Tal in Altmühldorf. Es sei zwar nicht ganz so einsehbar und die Pacht verspreche gute Einnahmen. Trotzdem bleibe er bei seinem Vorschlag, den Batteriespeicher an der Nord-Tangente anzusiedeln.

Stephan Schinko (Grüne) pflichtete Wanka bei: „So viel schönes Stadtgebiet haben wir nicht! Dort unten in der Tegernau tut einem das weh!“ Selbst eine Eingrünung der Anlage wäre erst nach rund zehn Jahren wirksam. Zwar wäre die Pacht für Heilig Geist eine tolle Einnahmequelle, Pachten für Batteriespeicher würden derzeit vergoldet. Dennoch wäre der Mühldorfer Norden der passendere Standort. Adolf Spirkl (UM) schlug ein Grundstück westlich des Umspannwerks in Altmühldorf vor.

Bürgermeister Michael Hetzl (UM) und die Stadtbaumeisterin wunderten sich über die Ablehnung. „Ich dachte, der Blick ins Tal war bei Altmühldorf der Grund“, meinte Weichselgartner. „Und das Hochwasser“, ergänzte Hetzl. Dass das Gremium nur einen Standort im Norden unterstütze, „haben wir so nicht verstanden“, so der Bürgermeister. „Wir dachten, wir sollen suchen.“ Er betonte, dass die Stadt, besser gesagt, die Heilig-Geist-Stiftung, in der Tegernau mit Eigentum und Pachteinnahmen den „Vollzugriff hätte“.

Als „nicht schön, aber immerhin etwas abgelegener“, bewertete Ulrich Niederschweiberer (CSU) den neu gewählten Standort. Schön wäre die Pacht, aber die sei nur ein Nebeneffekt und sollte bei der Entscheidung nicht im Vordergrund stehen. Die Stadt brauche einen Batteriespeicher für die Netzstabilisierung, um den mittags zu viel produzierten Strom „wegzubringen“. Er würde den Antrag befürworten, Hauptsache weg von der Wohnbebauung.

Niederschweiberer wollte wissen, ob die Stadt mit einem Aufstellungsbeschluss „im Verfahren drin“ sei oder ob auch danach „noch ein Rückzieher möglich“ sei. Die Stadt habe zwar die gemeindliche Planungshoheit, aber: „Das ist ein Haltungsthema“, antwortete Hetzl. „Eher nein, aber erst mal ja“, sei nicht das richtige Signal an den Antragsteller. „Wir sollten schon gewillt sein, das Projekt zu vollenden.“

Der Grüne Dr. Georg Gafus erklärte, er habe den Antrag der Firma unterstützen wollen. Aber seine Vorredner hätten ihn zum Nachdenken gebracht. Man dürfe sich ein solches Projekt in unberührter Landschaft nicht von der Pacht vergolden lassen, könne von einem Batteriespeicher nicht abbeißen. Es solle woanders gebaut werden, aber „nicht da unten“. Ganz anders Oskar Stoiber (CSU). Er riet, sich auf den Standort Tegernau zu „stürzen“. Wenn nicht, dann werde das „Thema für Mühldorf gegessen“ sein und die Speicher andernorts gebaut werden.

Was ist mit
den Stadtwerken?

Wenn es so sein müsse, dann passe für ihn der Standort Tegernau, so Gottfried Kirmeier (SPD). Er stellte aber die Frage: „Warum machen das nicht die Stadtwerke?“

„Momentan herrscht bei Batteriespeichern Goldgräberstimmung“, gab Hetzl zu bedenken. Es sei aber ein Hochrisikogeschäft: Sollte das Netz stabilisiert sein, wäre das Geschäft mit den Batteriespeichern beendet. „Nein. Die Stadtwerke können das nicht machen. Das ist ein völlig anderes Geschäft.“

Schinko unterstützte Kirmeiers Idee. Beim Landkreiswerk habe sich Mühldorf nicht beteiligen wollen. Da habe es geheißen, die Stadtwerke könnten das alles selbst. Aber ein Batteriespeicher sei ein Thema für Stadtwerke und Netzbetreiber. „Andere machen’s“, so Schinko, der selbst seit Jahren in der Energiebranche tätig ist. Es wäre schade, „sich solche Themen aus der Hand nehmen zu lassen“.

„Wir entscheiden aus Sicht der Stadt, nicht der Stadtwerke“, mahnte Hetzl. Deren Geschäftsführer habe Batteriespeicher als hochspekulatives und hoch risikobehaftetes Geschäft bewertet. Man werde nicht federführend in Energiegeschäfte einsteigen, das sei hochriskant. Und nicht Thema in einem Bauausschuss, in dem es darum geht, ob man eine Baugenehmigung bekommt oder nicht.

Wenn’s so riskant wäre, „würde es doch auch kein Investor machen“, warf Kirmeier ein. Hetzl entgegnete: „Auch wenn’s eingeht, die Stadt hat kein Risiko!“ Nach einem Rückbau sehe alles wieder so aus wie vorher.

In der Abstimmung empfahl der Ausschuss dem Stadtrat einstimmig, sich für den Aufstellungsbeschluss für das „Sondergebiet Batteriespeicher Tegernau“ zu entscheiden.

Artikel 1 von 11