Die Wildtierbiologin Dr. Martina Hudler
„Mettenheim – Der Wald der 1.695 Mitglieder der Waldbesitzervereinigung Mühldorf (WBV) ist 2025 vom Borkenkäfer relativ verschont geblieben und sie haben deshalb ein gutes Jahr hinter sich. Der Holzeinschlag verlief im Herbst zwar schleppend auch wegen schlechter Preise, doch die niedrigen Temperaturen im Winter waren gut für den Holzeinschlag. Mittlerweile werden wieder gute Preise erzielt. Diese Bilanz zog Lorenz Waldinger, Erster Vorsitzender des Zusammenschlusses privater und kommunaler Waldbesitzer, bei der Jahresversammlung im Kreuzerwirt. „Durch den guten Einschlag ist auch wieder viel Energieholz auf dem Markt“, erklärte Waldinger. „Hackschnitzel gibt es genug, daher sollten Stadt und Landkreis Mühldorf ihre Pläne für ein Heizkraftwerk wieder aus der Schublade holen und neu prüfen.“
Anlässlich des 75-jährigen Bestehens der 1951 in Neumarkt-St. Veit gegründeten WBV erinnerte Waldinger daran, dass früher vor allem Bauern etwas Holz gehabt hätten, während heute viele Waldbesitzer keinen Hof mehr hätten und daher die Unterstützung der WBV bei der Durchforstung und der Pflege gut gebrauchen könnten. „Der Wald ist zwar geduldig, aber ohne Hilfe und Arbeit gedeiht er nicht“, erklärte der Gastgeber. „Wir brauchen stabilere Mischwälder, die mit dem Klima von morgen zurechtkommen. Der Wald erinnert uns daran, langfristig zu denken“. Georg Huber, Vorsitzender der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Niederbayern, wies die Kommunalpolitiker darauf hin, dass Holz ein schöner Baustoff sei. Er klagte, dass bei Neuerungen oft nicht mit den Waldbesitzern gesprochen werde, und riet Waldbesitzern eindringlich dazu, mit Jägern und Förstern zu reden, denn durch bloße Konfrontation würden die Rehe nicht weniger.
Laut dem Geschäftsbericht von Geschäftsführer Matthias Huber hat die WBV im letzten Jahr 39 Neumitglieder bekommen. Für ihre 1.695 Mitglieder habe sie 44.055 Festmeter vermarktet und 96 Hektar über 20 Waldpflegeverträge betreut. Während des „entspannten“ Jahres habe sie 38.104 Festmeter vor allem von Nadelholz vermarktet, 433 Raummeter Industrieholz und 14.471 Schüttraummeter Hackschnitzel. Noch handle es sich um 89 Prozent Nadelholz und um neun Prozent Laubholz.
Der recht regnerische Sommer habe „den Käfer sauber eingebremst“ und zu einem „recht humanen Verlauf“ des Borkenkäfer-Befalls geführt. Im Januar habe die WBV mehr als die doppelte Holzmenge als im Januar 2025 bekommen, sodass die Sägewerke bei den Lagerflächen an ihre Grenzen gestoßen seien. Das erschwere momentan die Abfuhr.
Damit der Umbau zum widerstandsfähigen Mischwald klappt und Rehe nicht zu viele Triebspitzen abknabbern, müssen die Waldbesitzer die Jäger seit eh und je dazu anhalten, den Rehbestand im Zaum zu halten. Was dabei den meisten Erfolg verspricht, schilderte die Wildtierbiologin Dr. Martina Hudler. Sie unterrichtet an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf angehende Försterinnen und Förster. „Rehe sollten einen Jäger nicht mit Gefahr in Verbindung bringen“, erklärte die engagierte Lehrkraft. „Am meisten Rehe sieht man, wenn man mit dem Bulldog fährt.“ Ihn empfänden die schlauen Tiere als ebenso ungefährlich wie „Stockenten“. So nannte sie Menschen, die Nordic Walking betreiben.
Hudler betonte, der Winterverbiss sei ein Problem, nicht der Sommerverbiss. Man solle den Tieren im Winter daher Ruhe gönnen. Jagen solle man sie da, wo man sie nicht haben wolle, aber in der Regel werde auf freien Flächen gejagt, wo man damit einen Vergrämungseffekt erziele. Wer die Tiere vom Ansitz aus auf einer Wiese erlege, treffe widerstandsfähige, entspannte Tiere und es blieben die ängstlichen, die den Wald verbeißen.
Generell solle man besser frühmorgens auf die Pirsch gehen, wenn sich die Tiere noch in ihrer Ruhephase befänden. „Rehe lernen, dass die meisten Jäger am Wochenende kommen“, sagte die Wildtierbiologin. „Dienstags, mittwochs und donnerstags sieht man sie daher häufiger.“ Rehe seien standorttreu. Wenn man sie wegschieße, ziehe man andere Tiere aus Nachbarrevieren an, weshalb man Revier-übergreifend tätig werden müsse. Von eigens angelegten Wildäckern mit vielen Kräutern erwartet die Fachfrau keine große Entlastung, weil Rehe schon auf dem Weg dahin Knospen und Triebe naschen würden. Mit der Bemerkung, es werde in Bayern „immer noch gefüttert wie blöd“, obwohl das nur in Notlagen rechtlich zulässig sei, rief Hudler in der Fragerunde einen Kritiker auf den Plan, der sich beinahe zu einem Gegenreferat aufschwang. Da schaltete sich Sascha Schnürer ein, CSU-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der Kreisgruppe Mühldorf des Bayerischen Jagdverbands. Er lud die Referentin zu Fortbildungen seines Verbands ein und erklärte abschließend, das Wichtigste sei die Zusammenarbeit von Waldbesitzern, Jägern, Förstern und Landwirten und dass man auch wertschätze, was der andere tue.