Niedrigere Preise bleiben eine Illusion

von Redaktion

Seit Anfang des Jahres gilt für Speisen in der Gastronomie wieder der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Das soll die Betriebe entlasten, die mit gestiegenen Kosten kämpfen. Für die Gäste bedeutet das aber nicht zwangsläufig, dass der Restaurantbesuch günstiger wird, wie Wirte aus der Region erklären.

Mühldorf/Burghausen – Der Frühling steht vor der Tür, und mit ihm belebt sich wieder der Mühldorfer Stadtplatz. Auch in Burghausen laden Cafés, Eisdielen, Wirtshäuser und Imbisse zum Verweilen ein. Doch steigende Preise versalzen vielen Gästen das Essen. Auch die Energie- und Lebensmittelkosten klettern in die Höhe: Da überlegt man als Verbraucher mittlerweile genau, was man sich noch leisten kann oder will – und was nicht. Das erschwert die Lage für die Gastrobranche.

Da viele Wirtshäuser, Restaurants oder Cafés ums Überleben kämpfen, hat die Bundesregierung eingelenkt: mit dem Beschluss, die Mehrwertsteuer auf Speisen wieder, so wie während der Pandemie, auf sieben Prozent zu senken. Ist das Schnitzel oder der Schweinebraten nun günstiger?

Zwischen Existenzangst
und Aufbruchstimmung

Zu Beginn dieses Jahres konnten die Wirtsleute also wieder aufatmen. „Nach jahrelanger Hängepartie werden Betriebe nun entlastet und können verlässlich planen. Der ermäßigte einheitliche Steuersatz ist von zentraler Bedeutung für die Branche“, betont nach dem Beschluss Dehoga-Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer in einer Pressemitteilung.

Doch der Kreisvorsitzende der Dehoga, Holger Nagl, sagt bedauernd: „Der Beschluss kam für viele Wirte im Landkreis zu spät.“ Das Wirtshaussterben könne durch die erneute Senkung der Mehrwertsteuer nicht mehr aufgehalten werden. Er verstehe aber auch die Befürchtung der Kunden, dass Restaurantbesuche immer teurer werden.

Manuel Fuchs, Wirt des Augustiner Brückenwirts in Burghausen, freut die Mehrwertsteuersenkung. Sie sei schon in der Pandemie eine „spürbare Entlastung“ gewesen. Doch seither hätten sich die Preise für Lebensmittel im Einkauf verdreifacht. „Gleichzeitig sind die Mindestlöhne um knapp 40 Prozent gestiegen.“

Es gehe deshalb primär nicht darum, die Preise nun zu senken – sondern darum, „einfach weitermachen zu können“. Somit sei es eine Illusion, dass das Essen günstiger werde. Ziel sei vielmehr die Preisstabilität. Und: „Ich konnte meinen besten Mitarbeitern zum Anfang des Jahres den Lohn erhöhen. Die guadn Leid muas ma nämlich hoitn.“

Ähnlich nimmt Wirt Georg Mosser vom Jettenbacher Hof in Mühldorf Stellung. Er werde noch dauern, bis man die Auswirkungen der Mehrwertsteuersenkung im Betrieb spüren könne. Eine Erleichterung für die Wirtschaften sei es auf jeden Fall: „Trotz steigender Betriebskosten haben wir die Preise gleich gelassen.“ Eine gute Nachricht für begeisterte Wirtshausgänger.

Auch die Imbisse haben zu kämpfen, um ihre Preise zu halten. In München zahlen Kunden teils bis zu zehn Euro. Am Mühldorfer Stadtplatz liegt der Preis aktuell noch bei rund 6,50 Euro. „Wir versuchen, ihn so lange wie möglich stabil zu halten“, sagt die Betreiberin des Dönerhauses. Doch auch sie klagt über steigende Kosten für Personal, Energie und Lebensmittel, die den Betrieb zunehmend unter Druck setzen würden. Die aktuelle Lage bewertet die Betreiberin kritisch: „Gastronomie macht keinen Spaß mehr.“ Trotz Mehrwertsteuersenkung seien Preissenkungen nicht drin – langfristig könnten Erhöhungen kaum vermieden werden.

Für Georg Fuchs ist es dennoch wichtig, so lange wie möglich den Getränkepreis im Gleichgewicht zu halten. „Nicht, dass eine Halbe Bier wie in München eines Tages über fünf Euro kostet“, beteuert der Burghausener Wirt.

Den Menschen ist laut dem Kreisvorsitzenden Nagl die Gastronomie nämlich durchaus wichtig. Vor allem in Bayern: „Das ist eine sozialrelevante Branche. In der Corona-Zeit haben wir alle gespürt, wie wichtig es ist, sich beim Wirt zu treffen, gemeinsam zu sitzen, einen schönen Moment zu genießen. Ich persönlich fühle mich berufen, unseren Gästen ein Gefühl von Geborgenheit zu schenken.“

„Endlich bekommen wir aus der Politik ein Zeichen der Wertschätzung – jetzt liegt es an uns, also macht‘s was draus!“ Man müsse im Hier und Jetzt leben und versuchen, das Beste daraus zu machen – für den Erhalt der Gastronomie und für die Kundschaft.

„Wie ein Befreiungsschlag“, empfand Fuchs die einhergehende politische Entscheidung. Holger Nagl motiviert, die Botschaft klar: Es sei ein Signal an die Branche, wieder aufzubrechen. „Wir wollen fleißig sein, arbeiten und unsere Betriebe voranbringen.“

Neuwahlen bei der Dehoga

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