Staatsschutz ermittelt nach Anschlag bei Mühldorf

von Redaktion

Weiter große Probleme an der Bahnstrecke – Reparaturarbeiten dauern an – Starke Auswirkungen auf Zugverkehr

Mühldorf – Am Dienstagnachmittag, 17. März, wurden an der Bahnstrecke Mühldorf – München verschmorte Kabel entdeckt. Die Folge von mehreren Anschlägen. Gegen 17.15 Uhr hat die Bundespolizei Mühldorf eine „Feststellung entlang der Gleise der Bahnstrecke“ gemeldet, teilt das Polizeipräsidium Oberbayern Süd aus Rosenheim mit.

Auslöser war ein Fehler im elektrischen Leitungssystem. Bei der Ursachenforschung dann die Entdeckung: Entlang der Bahnstrecke seien an mehreren Stellen Kabel in den Trogtrassen verschmort beziehungsweise verschmolzen. „Offensichtlich wurden die Schäden mutwillig herbeigeführt“, heißt es in der Polizeimeldung.

Täterwissen als Grund –
Polizei hält sich zurück

Zur genauen Anzahl der betroffenen Stellen erklärt Polizeisprecher Michael Spessa auf Nachfrage: „Es war mehr als eine.“ Detailliertere Informationen würden nicht veröffentlicht, da es sich dabei um Täterwissen handele. Auch die Orte, an denen die Kabel verschmort waren, wollte er nicht nennen. Nur so viel: „Es war im Landkreis Mühldorf.“ Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen hält sich auch die Deutsche Bahn „zu Hergang oder zu den Schadendetails“ bedeckt, teilt eine Sprecherin der Bahn auf Nachfrage mit.

Durch die Schäden sind Signalanlagen ausgefallen, zwischenzeitlich musste der Personenverkehr – auch wegen der Reparaturen – mehrfach eingestellt werden: so auch am gestrigen Donnerstagvormittag, wie der aktuellen Betriebslage der Südostbayernbahn zu entnehmen war. Betroffen waren die kompletten Strecken Mühldorf – Burghausen, Mühldorf – Traunstein/Traunreut und Mühldorf – Freilassing.

Verzögerungen und
Schienenersatzverkehr

„Es findet in dieser Zeit kein Zugverkehr statt. Ersatzverkehr ist eingerichtet.“ Wegen Reparaturarbeiten waren für Donnerstag verschiedene Verzögerungen und Ersatzverkehre angekündigt. „Seitens der Südostbayernbahn wurden Ersatzkabel organisiert und alle notwendigen Maßnahmen zur Behebung eingeleitet“, versichert die Bahn-Sprecherin. Die benötigten Kabel waren vorrätig, „sodass zeitnah mit der Instandsetzung begonnen werden kann“. Die Schadenshöhe kann derzeit noch nicht beziffert werden.

Kurz vor Redaktionsschluss wird dann klar: Für Bahnreisende dauern die Behinderungen an, denn die Reparaturen dauern länger als gedacht. Das teilte eine Sprecherin der Deutschen Bahn am späten Nachmittag mit. „Am heutigen Morgen war es notwendig, aufgrund der Reparatur eines beschädigten LWL-Kabels (Lichtwellenleiter) den Zugverkehr zwischen Mühldorf und Tüßling vollständig einzustellen.“ Die Betriebspause war ursprünglich zwischen 9.30 und 10.30 Uhr geplant, sie musste jedoch „aufgrund des Schadensumfangs bis etwa 13.30 Uhr verlängert werden“. In dieser Zeit durfte sich kein Zug auf freier Strecke befinden. Die Bahnsprecherin weiter: „Derzeit erfolgt die Instandsetzung von drei betroffenen Kabeln. Nach aktuellem Kenntnisstand werden diese Arbeiten voraussichtlich noch bis in die Nacht andauern. Bis zum Betriebsende ist daher weiterhin mit Einschränkungen im Zugverkehr auf den Strecken Mühldorf – Freilassing/ Traunstein/Burghausen zu rechnen.

Bereits am 2. Oktober 2023 hatte es entlang der Bahnstrecke sowie bei der Geothermie in Polling Brandanschläge gegeben. Damals wurde ein politischer Hintergrund vermutet und die Experten von der Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) der Generalstaatsanwaltschaft München hatten die Ermittlungen übernommen. „Die Professionalität und die Vielzahl der Anschläge sowie die Höhe des Schadens“ ließen einen extremistischen Hintergrund nicht ausschließen, hatte damals Dr. Klaus Ruhland, Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft München, erklärt.

Zusammenhang mit den
Anschlägen von 2023?

Besteht hier ein Zusammenhang? War es jetzt wieder ein Anschlag mit einem politischen Hintergrund? „Ein Zusammenhang wird geprüft“, erklärt Polizei-Sprecher Spessa. Die ersten polizeilichen Maßnahmen hatte die Bundespolizei Mühldorf durchgeführt. Anschließend übernahm der Kriminaldauerdienst der Kripo Traunstein. Am Mittwochnachmittag teilte das Polizeipräsidium dann mit: „Die Ermittlungen führt, unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Traunstein, der kriminalpolizeiliche Staatsschutz fort.“ Der Staatsschutz ermittelt dann, wenn ein politischer Hintergrund vermutet wird.

Generalstaatsanwalt
blickt auf den Fall

Auch die Generalstaatsanwaltschaft schaut sich den Vorfall an. Das teilte die stellvertretende Pressesprecherin Dr. Mayer auf Anfrage mit: Die Generalstaatsanwaltschaft München, Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET), prüfe „die Übernahme des Verfahrens“. Es werde auch ein „etwaiger Zusammenhang mit dem Brandanschlag von Oktober 2023, bei dem kein Täter ermittelt werden konnte, geprüft“.

Polizei sucht
dringend Zeugen

Unabhängig davon sucht die Polizei Zeugen: Wer hat insbesondere am Dienstagnachmittag, 17. März, oder im Vorfeld, im Bereich der Bahnstrecke Mühldorf – Freilassing verdächtige Wahrnehmungen gemacht, die mit der Tat in Verbindung stehen könnten? Wem sind bereits vor dem Dienstag verdächtige Personen oder Fahrzeuge in dem Bereich aufgefallen? Wer kann der Kriminalpolizei sonstige Hinweise in dem Fall geben? Zeugen können sich unter der Telefonnummer 0861/98730 bei der Kriminalpolizeiinspektion Traunstein oder bei jeder anderen Polizeidienststelle melden.

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