Waldkraiburg – „Er ist das Juwel unserer Stadt“, findet Moritz Althammer, Leiter des Ordnungsamtes in Waldkraiburg. Der Waldfriedhof ist für viele nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch ein Platz zur Erholung. Auf dem rund zehn Hektar großen Areal versucht das Friedhofsteam, der Natur und dem Menschen gleichermaßen gerecht zu werden.
Waldfriedhof ist
wie ein Park
Der städtische Friedhof ähnelt einem Park. Wege führen an Teichen vorbei, wenige Meter weiter finden sich alte Gräber, an den Bäumen hängen kleine Vogelhäuser und weiter abseits gibt es auch einen Hügel für Igel. Die Vögel zwitschern und Eichhörnchen flitzen von einem Baum zum anderen.
Seit 1949 gibt es den Waldfriedhof. Das dazugehörige Ökosystem befindet sich auch hier jedoch im Wandel. Erst im Winter 2023 musste der Wald zurückstecken. Hunderte Bäume hielten dem Schnee nicht stand.
Auch der Klimawandel setzt den Waldfriedhof unter Druck. Gemeinsam mit einem Landschaftsplaner und dem Bund Naturschutz habe die Stadt ein Mischwaldkonzept ausgearbeitet, erklärt Althammer. So soll das Areal gegen lange Hitzeperioden oder starke Regenfälle gewappnet sein. „Birken, Fichten oder Kiefern kommen als Flachwurzler nicht mehr so gut zurecht und sind somit anfällig für den Borkenkäfer“, sagt der Ordnungsamtsleiter. Nachgepflanzt würden deswegen Buchen, Tannen, Linden oder Eichen, erklärt Marion Stenzel, verantwortlich für den Fachbereich Friedhof.
Große Pflanzenvielfalt
im Waldfriedhof
Auf dem Areal finden sich jedoch auch etliche andere Pflanzenarten. „Es gibt hier eine wahnsinnige Vielfalt von über 100 Baumarten“, sagt Althammer.
Die Pflege für das Areal übernimmt ein sechsköpfiges Team, das auch die Bäume auf Sicherheit kontrolliert. Friedhofsmitarbeiter Frank Böking kontrolliert laut eigenen Angaben die Bäume auf Bruchstellen und Befall.
Nicht nur der Wald hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, sondern auch das Friedhofsareal. Neben klassischen Erdgräbern, einem Kriegerdenkmal oder dem muslimischen Bereich gibt es seit etwa sechs Jahren naturnahe Bestattungen. Hinterbliebene können die Asche der Verstorbenen um einen Baum oder eine Rose pflanzen. „Hier gibt es großen Bedarf“, sagt Althammer. Mittlerweile würden mehr Urnenbestattungen als Erdgräber mit Sarg stattfinden, so der Ordnungsamtsleiter. Eine Ursache dafür vermutet Althammer in den geringeren Kosten bei einer Urnenbestattung. Einen großen Grabstein brauche es hier nicht. Die Urne sei auch günstiger als der Sarg. Ein weiterer Grund könnte fehlende Zeit für die Grabpflege sein, ergänzt Stenzel. „Oft wohnen die Angehörigen nicht im selben Ort“, sagt sie.
Auf diesen „Trend“ wollte die Stadt schon frühzeitig reagieren. Die naturnahen Gräber kämen gut an, erklären Althammer und Stenzel. Schon jetzt seien bereits 140 der insgesamt 149 verfügbaren Plätze im Rosengarten vergeben, sagt Böking. Auch bei den Familienbäumen sei der Großteil schon besetzt und auch die Gemeinschaftsbäume würden gut angenommen.
Auch bei den neueren Bestattungsformen bemüht sich das Friedhofsteam, auf die Natur Rücksicht zu nehmen. „Für den Waldboden ist die Asche weniger gut geeignet“, sagt Stenzel. Einem Wiesenboden würden die verbrannten Überreste nichts machen, erklärt sie. Böking ergänzte, dass die biologisch abbaubaren Urnen im Rosengarten 70 Zentimeter unter der Pflanze begraben würden.
Bei einer Baumbestattung werde die Urne 50 Zentimeter vom Stamm entfernt in die Erde gelassen.