Gesundheit zum Anfassen

von Redaktion

Gesundheitsamt lädt zum Tag der offenen Tür ein – Großer Besucherandrang

Mühldorf – Es ist 9 Uhr morgens. Der Tag hat gerade erst begonnen und man merkt, wie die Stadt langsam zum Leben erwacht. Es herrscht reger Verkehr auf den Straßen Mühldorfs, Berufsverkehr, typisch für diese Uhrzeit. Scheint ein ganz normaler Tag zu sein – aber nicht für die Mitarbeiter im Gesundheitsamt. „Tatsächlich ist der 19. März der ‚Tag des Gesundheitsamtes‘“, erzählt Birgit Franz. Sie ist Ärztin und zudem kommissarische Leiterin des Gesundheitsamtes.

Unter anderem sei das der Anlass, die Hallen des Landratsamtes für Besucher zu öffnen. Ein Tag der offenen Tür der besonderen Art – wo Gesundheit fassbar wird. „Der Tag bietet eine schöne Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen zu blicken und diese wichtige Arbeit kennenzulernen“, bekräftigt Landrat Max Heimerl.

Tasten, erkennen, lernen für die Gesundheit

Rennradl, E-Bikes – was haben die denn am Haupteingang des Landratsamts zu suchen? Mit einem Stand von „JobRad“ starten die Gäste sportlich in die Ausstellung.

In den Gängen des Hauses liegt ein leises Stimmengewirr in der Luft. Menschen bleiben stehen, schauen sich um, greifen zu Flyern oder treten neugierig an die ersten Stände heran.

„Meine Frau hat beginnende Demenz. Ich will verstehen, was sie denkt“, sagt ein älterer Mann, der anonym bleiben möchte. Gemeinsam geht das Ehepaar zum Demenz-Parcours. „Das ist kein Kognitivitätstest. Es geht darum, eine Sensibilisierung für Demenz zu schaffen“, erklärt Natalia Schweizer, Betreuerin vom Demenz Netzwerk und Sozialpädagogin. Eine Tür weiter – verschlossen. Daran hängt ein Schild: „Pssst! Bitte nicht stören!“ Hier können Menschen über 65 Jahren, ein Demenzscreening durchführen.

Am Gang tobt Gelächter: Ein junger Mann kurvt mit einem Bobbycar durch die Gegend. Er trägt eine Rauschbrille. Mit 0,8 Promille noch Autofahren? Eine Gefahr. Diese Station zeigt, wie gefährlich die Alltagsdroge Alkohol wirklich ist, wie schnell sie beim Fahren beeinträchtigt.

So informieren Fachkräfte unter anderem über die Ausbreitung der Tigermücke, zeigen die Risiken durch Legionellen auf und verweisen auf die Organspende. Die häufigste Todesursache in Deutschland ist eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems. Deshalb können bei einer Laienreanimationsschulung Interessierte üben, wie sie im Notfall richtig reagieren. Lernen – um Leben zu retten.

„Mein Freund hört schlecht, der muss dringend zum Hörtest!“ – ein junges Paar steht in der Schlange vom Hör- und Sehtest. Den macht man eigentlich bei kleinen Kindern vor der Einschulung – eine Pflichtuntersuchung, die vom Gesundheitsamt abgenommen werden muss.

Der große Sitzungssaal ist mittlerweile gefüllt, hier gibt es zahlreiche Vorträge. Neben Landrat Max Heimerl und anderen Kollegen sind 70 Pflegeschüler vom Berufsschulzentrum Mühldorf (BSZ) zu Gast.

Birgit Franz, kommissarische Leiterin, gibt einen Überblick über die Tätigkeitsbereiche des Gesundheitsamtes. Der weitaus größer ist, als man denkt. Die Kernthemen sind Kinder und Jugend, Heimaufsicht, Schwangerenberatung, Gesundheitsförderung und Prävention, Hygiene- und Infektionsschutz, Trink- und Badewasser sowie Gesundheitsrecht. Dr. Tim Büttner spricht über „Sepsis – die unterschätzte Gefahr“. Sie war vor wenigen Tagen die Ursache für den überraschenden und schnellen Tod eines 44-jährigen Familienvaters aus Zangberg.

Weiter klärt Judith Fajardo-Menchú, Ärztin am Gesundheitsamt, über das Thema HPV auf. Die Humanen Papillomviren (HPV) sind weitverbreitete Viren, die meist harmlos sind, aber in einigen Fällen Warzen oder sogar Krebs (etwa Gebärmutterhalskrebs) verursachen können. Für Personal im Lebensmittelbereich gab es die Möglichkeit einer Belehrung von Cigdem Günes.

Gesundheitsamt –
langweilig! Oder …?

Neben interaktiven Mitmach-Stationen und Infoständen bietet der Tag spannende Einblicke in die Arbeit des Gesundheitsamts. Die Bandbreite reicht von klassischer Beratung – etwa durch die Schwangerschaftsberatungsstelle – bis hin zur Aufklärung über aktuelle Themen des Infektionsschutzes. Besucher können ihren Impfpass überprüfen lassen, Körperwerte messen oder bei praktischen Aktionen wie dem richtigen Händewaschen ihr Wissen auffrischen.

„Mit so vielen Gästen haben wir nicht gerechnet. Eigentlich war das Ziel, intern die Mitarbeiter zu verknüpfen, um zu sehen: Was machen meine Kollegen eigentlich?“, sagt Franz. Dass die Außenwelt das auch interessiert, zeigt sich am Besucherandrang.

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