Mühldorf – „Des is a Freud, dass die Ehrlichkeit gewonnen hat“, so kommentierte Altbürgermeister Günther Knoblauch (SPD) im Haberkasten das deutliche Ergebnis für Claudia Hungerhuber (SPD). Da hatte sich die Anspannung des vergangenen Jahres schon gelöst.
Hungerhuber verfolgte die Auszählung im Kreise ihrer Anhänger im Büro in der Huterergasse. Sie war aufgeregt, nervös und angespannt. Immer wieder lehnte sie bei den Zwischenmeldungen erste Glückwünsche ab. Sie wollte warten, sie musste warten. Kurz vor 19 Uhr stand dann fest: Sie hat gewonnen! Nicht knapp, sondern mit rund 60 zu 40 Prozent – sowohl an der Urne als auch bei der Briefwahl.
Riesiger Jubel brandete im Büro und in der Huterergasse auf. Es gab Freude, Unglaube, Tränen und viele, viele, lange Umarmungen. Die Spannung, die sich die vergangenen zwei Wochen noch einmal aufgebaut hatte, löste sich in der kühlen Nachtluft.
Zwei Wochen zuvor – am 8. März – hatten die Kommunalwahlen in Mühldorf kein eindeutiges Ergebnis gebracht. Hungerhuber (SPD) lag mit 35,1 Prozent und 88 Stimmen vor Bürgermeister Michael Hetzl (UM, 34,2 Prozent). Es brauchte eine Stichwahl, um das neue Stadtoberhaupt zu küren.
Und wieder lag die Frage in der Luft: Kann der Bürgermeister die Stimmung und die Wahl in diesen zwei Wochen noch mal drehen? Die CSU und die Grünen unterstützten jetzt Hungerhuber. Aber: Reicht das? „Es war offen bis zum Schluss“, sagte Hungerhuber. Am Ende reichte es, deutlich: 61,1 Prozent für die Herausforderin, 38,9 Prozent für den Amtsinhaber. Der Vorsprung zeichnete sich früh ab und blieb stabil. Stimmbezirk um Stimmbezirk meldete sein Ergebnis. Und Stimmbezirk um Stimmbezirk verzeichnete eine Mehrheit für die Herausforderin, auch die Stimmbezirke, die vor zwei Wochen noch mehrheitlich für Hetzl votiert hatten.
Im Haberkasten warteten die Anhänger gespannt auf die Gewinnerin – unter ihnen waren auch Altbürgermeister Knoblauch sowie eine gelöste Marianne Zollner. Auch CSU-Granden wie Ilse Preisinger-Sontag, Stefan Lasner und Ulrich Niederschweiberer gratulierten; ebenso Grünen-Bürgermeisterkandidat Christoph Schützenhofer.
Die erste Runde am 8. März hatte Hungerhuber knapp für sich entschieden. Sie holte 88 Stimmen mehr als der amtierende Bürgermeister. CSU-Kandidat Stefan Lasner bekam 2339 Stimmen (23,7 Prozent) und Christoph Schützenhofer (Grüne) 686 Stimmen (7,0 Prozent).
Lasner betonte, er sei „froh und stolz“. Er freue sich auf den Wechsel, „damit wir Mühldorf wieder gemeinsam voranbringen und gemeinsam was bewegen können.“ Er habe ein deutliches Ergebnis erwartet. Schon der erste Wahlgang sei eine „Abwahl der Unabhängigen Mühldorfer“ gewesen. Die vergangenen zwei Wochen waren noch mal anstrengend, „weil der Wahlkampf unter der Gürtellinie abgelaufen ist, was für mich ein No-Go war. Ich bin jetzt froh, dass wir wieder aufrecht zusammenarbeiten können, und ich freue mich schon darauf.“
Hungerhuber hat dieses Ergebnis so nicht erwartet: „Aber ich freue mich unwahrscheinlich über dieses klare Votum und das Vertrauen.“ Der Wahlkampf sei sehr lang gewesen, der Einsatz habe sich gelohnt. Zuletzt sei es noch sehr hart gewesen, „aber wir sind unserer Linie treu geblieben. Ich glaube, diesen sachlichen Wahlkampf hat der Wähler honoriert.“
Die Gewinnerin ließ keine Gelegenheit aus, um ihrer Familie und dem Team Hungerhuber für den einjährigen Wahlkampf zu danken: „Die haben sich die Hacken abgelaufen. Es war gigantisch. Es war eine Wahnsinns-Teamleistung.“ Sie dankte auch Lasner und Schützenhofer für den fairen Wahlkampf und ihre Unterstützung. Sowie den Wählern, „die mir ihr Vertrauen geschenkt haben. Das kann ich nicht hoch genug schätzen.“
Auch der Landtagsabgeordnete Sascha Schnürer (CSU) gratulierte im Haberkasten: „Mühldorf ist jetzt sehr gut aufgestellt.“ Das sei wichtig, denn Mühldorf sei die Drehachse im Landkreis. „Ich bin sicher, dass wir mit Claudia Hungerhuber und Stefan Lasner jetzt ein Duo haben, das die Stadt in die Zukunft führen kann.“
„Es ist Demokratie. Das Ergebnis ist hinzunehmen“, kommentierte Bürgermeister Hetzl den Wahlausgang am Telefon. „Ich gratuliere Claudia Hungerhuber.“ Hetzl sah am Ergebnis des gestrigen Wahlabends einen allgemeinen Trend, viele Amtsinhaber seien abgewählt worden. „Das hat mich in vielen Rathäusern überrascht.“ Es sei wohl ein Trend, dass es „keine Wertschätzung für die Amtsinhaber“ gebe. „Wenn ich alleine verloren hätte, hätte ich es anders bewertet.“ Er werde in den kommenden Tagen seinen lange geplanten Urlaub antreten und danach sein Leben neu sortieren. „Denn ab 1. Mai bin ich arbeitslos.“ Ganz andere Stimmung in der Zwischenzeit im Haberkasten. Dort hatte Hungerhauber erklärt: „Jetzt feiern wir erst mal richtig.“ 17.029 Mühldorfer waren laut Stadtsprecher Werner Kurzlechner aufgerufen, sich für das Stadtoberhaupt zu entscheiden. 9106 haben ihre Stimme abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,5 Prozent; im ersten Wahlgang hatte sie 58,4 Prozent erreicht.