Die „heile Bergwelt“ im 19. Jahrhundert

von Redaktion

Kunsthistoriker Dr. Stefan Schmitt in der Sammlung Peter Schmidt – Ein wandelndes Lexikon, so Museumsleiter Andreas Seifinger

Waldkraiburg – „Es ist für uns kein Wagnis, den Kunsthistoriker, Philosophen und Experten für Geschichte zu einem Vortrag über die ‚heile Bergwelt‘ im 19. Jahrhundert einzuladen, denn er ist ein wandelndes Lexikon“, sagte Museumsleiter Andreas Seifinger in seiner Begrüßung.

Dabei hatte er bei der Vorstellung des Referenten noch untertrieben, denn Stefan Schmitt faszinierte in seinem freien Vortrag über 20 Gemälde aus der Sammlung Peter Schmidt durch sein umfangreiches Fachwissen mit Seitenblicken auf Bilder anderer Malschulen, Museen und Kunstkritiker, zeithistorische Vorlieben und Denkweisen – und das humorvoll und abwechslungsreich eineinhalb Stunden lang. Bereits bei Franz von Defreggers „Wallfahrt 1901“ veranschaulichte er Einzelheiten des Gemäldes durch geschicktes Zoomen und er erklärte den Begriff der Genre-Malerei auch als „bürgerliches Malen“. „Beim ‚Wettersteingebirge‘ richtete sich der Maler nach der Marktlage und er führte seine Bilder nach einer Technik aus, wie man sie heute noch in der Münchner Pinakothek sehen kann“, so Schmitt. Nach der „Dörflichen Harmonie“ mit zwei hübschen jungen Damen bewies Albert Müllers „Fröhliche Runde“, welche wichtige Rolle die Religion spielte, wie man es von Wilhelm Leibls „Drei Frauen in der Kirche“ kennt. „Auf der Alm“ wiederum zeigte humorvoll einen „kernigen Galan in einer kernigen Landschaft“, so Stefan Schmitt, „und gerade das Bild ‚Liebe macht blind‘ liebte Peter Schmidt besonders, die Details waren ihm wichtig, das Einfache, Aufrechte. Dies trifft auch bei Wilhelm Marcs‘ „Auf der Alm“ zu. Warum dieses Sehnen nach der heilen Bergwelt? Sie war und ist für viele ein Rückzugsort.“

Nach der „Verkündung des Gerichtsurteils“ folgte das „Schweineschlachten“ als Beweis für angestrebte Autarkie, die auch heutzutage beispielsweise mit dem Anlegen eines Gemüsegartens angestrebt wird. Dazu ringe man um Entschleunigung, suche in der Bergidylle ästhetischen Schutz.

Beim „Tanz vor dem Dorfwirtshaus“ zeige sich das Sehnen nach heiler Gemeinschaft und im Vergleich mit weltberühmter niederländischer Malerei lobte der Spezialist Franz Richters Bild „Mondschein“, das durch seine Brauntöne einen warmen Eindruck hinterlasse. „Und betrachten sie als Stadtbewohner die ‚Märchenstunde‘. Sie zeigt den Vorteil der Malerei gegenüber den Literaten: Dafür hätte Adalbert Stifter gut hundert Seiten gebraucht“, so der Referent. Um richtige Mannsbilder ging es bei zwei Gemälden, das eine „Der alpenländische Dorfkerl“, während beim nächsten die couragierte Haltung eines kleinen Jungen zum Schmunzeln verleitete. In großer Pose erzählte danach ein Jäger von seinen Jagderfolgen und auch ein Wilderer, der seine Freiheit der Berge verteidigt, wurde zum Volkshelden.

Dass das Gebirge auch Risiken birgt, zeigte ein Gemälde aus dem Jahr 1886 mit einem toten Bergkameraden.

„Je unübersichtlicher unsere Gegenwart wird, umso mehr beeindrucken uns die Bilder von der ‚heilen Bergwelt‘ in dieser einmaligen Sammlung Peter Schmidt“, beendete Dr. Stefan Schmitt seine Ausführungen. fis

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