Eine Stimme für den ländlichen Raum

von Redaktion

Interview Der Schwindegger Gust Obermeier senior vertritt den Landkreis im KLB-Vorstand der Diözese

Schwindegg – Gust Obermeier senior wurde bei der Diözesanversammlung in Tuntenhausen in den Vorstand der KLB Mühldorf berufen sowie in den KLB-Vorstand der Diözese München-Freising gewählt. Als einziger Vertreter des Landkreises Mühldorf vertritt er die Belange in München.

Die Katholische Landvolkbewegung der Erzdiözese München und Freising wurde 1954 gegründet. Nach dem Ausscheiden aus der Landjugend konnten engagierte Persönlichkeiten darin eine neue Heimat unter Gleichgesinnten finden. Sie setzen sich dafür ein, dass es den Menschen gut geht. Die Mitglieder der KLB wissen sich im Glauben an Jesus verbunden: „Keine Angst vor dem Leben, keine Angst vor dem Tod“.

Die KLB vertritt die Anliegen der Menschen im ländlichen Raum. Als katholischer Verband ist sie Teil der Kirche. Bildungsangebote, Gemeinschaft, Bildungsreisen sowie die Partnerschaft mit Ecuador zählen zu ihren Aktivitäten. Landwirtschaft und ländlicher Raum, Kirche und Glaube, Solidarität und Familie sowie die Bewahrung der Schöpfung sind ihre Kernthemen.

Die OVB-Heimatzeitungen haben mit Gust Obermeier senior über sein Engagement bei der KLB gesprochen.

Herr Obermeier, wo sind Sie beheimatet?

Gust Obermeier: „Ich komme aus Schwindegg, bin verheiratet und habe drei erwachsene Kinder.“

Was machen Sie beruflich?

Obermeier: „Ich bin Müllermeister, Maschinenbaumeister, Mühlenbaumeister, CAD-Fachkraft sowie Landwirt und selbstständig. Zusammen mit unserem Sohn bin ich Geschäftsführer der Obermeier Anlagenbau.“

Und was machen Sie

in Ihrer Freizeit?

Obermeier: „Ich bin ehrenamtlicher Kirchenpfleger der Pfarrkuratie Mariä Himmelfahrt Schwindegg. Das Ofenbauprojekt für Ecuador wurde teilweise bei uns umgesetzt. Die Ukrainehilfe des Pfarrverbandes Buchbach-Obertaufkirchen-Schwindegg wird von der Fischmühle aus betreut. Mittlerweile wurden 16 Transporte durchgeführt. All das ist nur möglich durch den Rückhalt meiner Familie, die Nutzung technischer Möglichkeiten sowie ein straffes Zeitmanagement. Außerdem singe ich im Kirchenchor Obertaufkirchen-Schwindegg und im Kirchenchor Walkersaich.“

Welche Vorbilder

haben Sie?

Obermeier: „Neben meinen Eltern ist Friedrich Wilhelm Raiffeisen mein Vorbild. Beim Militär verlor er einen Teil seines Augenlichtes. Um 1850 wurde er Bürgermeister in einem kleinen Ort im Westerwald. Es herrschten große Not und Hunger.

Der Tod eines armen Mädchens, das durchnässt zur Schule kam, wo es an Heizmaterial fehlte, bewegte ihn sehr. Raiffeisen organisierte Hilfe, gründete einen Brotverein gegen den Hunger und setzte auf Hilfe zur Selbsthilfe.

Daraus entstanden die ersten Genossenschaften und Darlehenskassen. Jahrzehnte später gab es hunderte Genossenschaften nach seinem Vorbild. Er setzte sich selbstlos für die Menschen auf dem Land ein.“

Was ist Ihr Lieblingsfilm?

Obermeier: „Der Brandner Kaspar und das ewige Leben.“

Und Ihr Lieblingsessen?

Obermeier: „Frische Weißwürste, resche Brezen und eine Halbe Weißbier dazu. Die gibt es ja auch im Himmel – wenn wir uns auf Erden einigermaßen anständig benehmen“, lacht er.

Haben Sie ein Zitat,

das Ihnen gefällt?

Obermeier: „Bauernarbeit schützt vor Armut und Reichtum“, von Peter Rosegger.

Was schmerzt Sie?

Obermeier: „Die vielen Kirchenaustritte in der Pfarrei. Häufig werde der sexuelle Missbrauch als Grund genannt. Uns tut im Herzen weh, was Kindern und Jugendlichen angetan wurde. Gleichzeitig müssten soziale Projekte in der Diözese durch sinkende Kirchensteuereinnahmen gekürzt oder eingestellt werden. Auch störe ihn, wenn das „C“ christlicher Parteien lächerlich gemacht werde. Viele sind – so wie ich – nicht mit allem einverstanden, was in Kirche und Politik geschieht. Aber das Leben besteht aus Kompromissen. In unserer Demokratie kann sich jeder einbringen, um Dinge besser zu machen.“

Ein guter Rat für

die jüngere Generation?

Obermeier: „Egal, was man tut: Es soll von Herzen kommen. Und nicht zu vergessen: mit Humor und Gottvertrauen.“

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Wer Mitglied in der Katholischen Landvolkbewegung werden möchte, findet Infos unter www.klb-muenchen.de.

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