Waldkraiburg – Emil Kirchmeier ist neuer Bürgermeister von Waldkraiburg. Unmittelbar nach seinem Wahlsieg spricht er im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen über seine Pläne. Er ist überzeugt: Die Stadt kann mehr. Nun will er eine Wende schaffen, die Verwaltung und Bürger mitnimmt und auf eine offenere Kommunikation setzt.
Mit 60,2 Prozent sind Sie in der Stichwahl zum neuen Bürgermeister gewählt worden: Was geht am Morgen danach in Ihnen vor?
Emil Kirchmeier: Ich bin meinem Team für die letzten Wochen so dankbar, auch denjenigen, die es nicht in den Stadtrat geschafft haben. Diese Unterstützung war nicht selbstverständlich. Alle haben einen überragenden Job gemacht und unsere Ideen den Wählern überzeugend vermittelt. Das ist die Grundlage für diesen Erfolg.
Wo sehen Sie Ihre ersten Aufgaben ab Mai?
Kirchmeier: Zuerst möchte ich die Verwaltung kennenlernen, mich einarbeiten und die Hintergründe verstehen. Bei vielen Projekten bin ich bislang nicht auf dem aktuellen Stand. Umso wichtiger ist die korrekte Übergabe der Amtsgeschäfte von meinem Vorgänger Robert Pötzsch. Die Aufbruchstimmung, die ich in den vergangenen Monaten in der Stadt gespürt habe, soll auch in der Verwaltung losgehen und von dort weiter nach draußen getragen werden. Ich sehe meine Aufgabe darin, einen Weg vorzugeben und die Menschen dabei einzubinden.
Worauf wollen Sie in Ihrer Zeit als Bürgermeister setzen?
Kirchmeier: Mein Eindruck ist, dass sich die Bürger eine offenere Kommunikation wünschen. Damit sie wissen, was passiert. Auch wenn es mal unangenehm werden kann: Mir ist es wichtig, auf Augenhöhe mit den Menschen zu sprechen und meine Ziele als Bürgermeister transparent zu machen. In Waldkraiburg steckt viel Potenzial. Die Stadt kann mehr, jetzt müssen wir die Wende schaffen.
Wie kann diese Wende gelingen?
Kirchmeier: Die Stadt wird künftig nicht alles allein schultern können. Wir müssen die Leute einbinden, dürfen aber nicht alles aufs Ehrenamt abwälzen. Es braucht ein offenes Ohr für die Menschen und klare Prioritäten. Neben den Pflichtaufgaben geht es auch darum, mehr Leben ins Haus der Kultur zu bringen, neue Angebote zu schaffen oder den Sartrouville-Platz zu beleben. Themen wie das Waldbad oder das Grün in der Stadt sind mir besonders wichtig. Das alles muss aber im finanziellen Rahmen bleiben. Deshalb ist Zusammenarbeit entscheidend – mit verschiedenen Akteuren, um Informationen und Hilfe zu bekommen.
Die finanziellen Spielräume der Stadt sind begrenzt. Wie lässt sich unter diesen Voraussetzungen gestalten?
Kirchmeier: Es ist wenig Geld da, deshalb müssen wir sehr bewusst damit umgehen. Was kann man sich leisten? Mit wem kann man zusammenarbeiten? Mit der Hilfe von Ehrenamtlichen wurden schon sichtbare Verbesserungen geschaffen, Waldkraiburg lebens- und liebenswert zu gestalten. Aber es geht auch darum, die Bürger mitzunehmen und zu sensibilisieren. Mit einer lebenswerten Stadt hat jeder etwas zu tun. Entscheidungen werden nicht allen gefallen, umso wichtiger ist es, sie nachvollziehbar zu erklären. Ein Wunschkonzert wird es vorerst nicht geben. Als Bürgermeister muss man Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und auch mal Risiken eingehen. Entscheidend ist ein gutes Miteinander – mit den Bürgern und mit den Unternehmen. Wie genau das aussieht, muss sich entwickeln. Ziel bleibt, dass es den Menschen hier gut geht.
Welche Ideen haben Sie, um die Aufenthaltsqualität in Waldkraiburg zu verbessern?
Kirchmeier: Es fängt mit kleinen Dingen an – zum Beispiel damit, dass unsere Stadt wieder sauberer wird. Erste Ideen habe ich, aber nach Amtsantritt wird sich zeigen, was konkret umsetzbar ist. Wichtig ist, wieder eine Aufbruchstimmung zu schaffen wie vor 75 Jahren. Dazu gehört, Projekte konsequent zu Ende zu denken und dabei einen langfristigen Nutzen zu berücksichtigen. Bezahlbarer Wohnraum, mehr Lebensqualität und Angebote für alle Generationen sind zentrale Themen. Aber ich bin auch offen für Vorschläge – nur gemeinsam können wir etwas bewegen.
Ab Mai verändert sich auch die Zusammensetzung im Stadtrat. Insgesamt werden sieben Gruppierungen vertreten sein, die AfD hat künftig sieben Sitze. Wie sehen Sie dieser Aufgabe entgegen?
Kirchmeier: Alle Stadträte müssen sich bewusst sein, dass über allen Entscheidungen Waldkraiburg steht. Dafür nehme ich jeden Einzelnen in die Pflicht. Der Vertrauensvorschuss der Wähler muss sich in verantwortungsvollem Handeln widerspiegeln. Wenn jeder seine Aufgabe als Stadtrat so versteht, kommen wir zu guten Ergebnissen. Wenn jedoch bundespolitische Themen der AfD die Kommunalpolitik dominieren, bringt uns das vor Ort nicht weiter. Die Zukunft wird zeigen, ob sie sich für Waldkraiburg einbringen.
Interview:
Raphaela Lohmann