Waldkraiburg – Es wunderte keineswegs, dass die drei Vorstellungen in Waldkraiburg und Aschau im Handumdrehen ausverkauft waren. Doch es grenzte an ein Wunder, was das Tanztheater Varieté an diesem Abend auf die Bühne zauberte. Zu verdanken ist dies vor allem Regina Zinn, nicht nur Leiterin des Tanztheaters, sondern auch Choreografin und Autorin. In ihrer Begrüßung meinte sie nur: „Es entstand in diesem Jahr einfach ein gemeinsames Werk voller Zusammenarbeit und Mitempfinden. Fühlen Sie, lassen Sie sich mitreißen und genießen Sie!“
Leidenschaften,
Intrigen und Verrat
Und das brauchte man dem Publikum nicht zweimal sagen. Zurückversetzt um genau 100 Jahre nach Louisiana/Texas, lernte man die Familie John Williams mit Frau Anna, Tochter Allison und dem nötigen Kapital für den Aufbau einer Luxusmarke kennen. Dazu ist jedoch die Fabrikhalle von Harris Lang nötig, dem mächtigen Immobilienhai mit den Töchtern Charly und Elena sowie Sohn Blake. Dritte im Bunde ist die Familie McCandler mit Vater Henry, Gattin Hilary und Sohn Jake, der Beispiele für die neue Modekollektion entwirft. Ein Spiel um Macht, Liebe und ein lukratives Modeimperium beginnt. Denn hinter Seide und Schein brodeln Leidenschaften, Intrigen und Verrat: Ehrgeizig und skrupellos kämpfen die drei amerikanischen Familien um das ganz große Geschäft. Und als wäre das noch nicht genug, mischt auch der Nachwuchs kräftig mit.
So verliert Tochter Allison Williams ihr Herz ausge- rechnet an Lang-Sohn Blake und McCandler-Designer-Spross Jake ist verliebt in Charly, die Tochter der Langs. Doch was wären Liebschaften ohne Skandale und Affären, für die höchstpersönlich Halunke Harris Lang und seine gefürchtete Tochter Elena sorgen? Das Verwirr- und Intrigenspiel kann beginnen.
Ein grandioses Schauspieler-Team wurde Basis für das Tanztheater-Varieté, allen voran Wolfgang Balbierer, ihm zur Seite seine Frau Renate, dazu Andreas Kielack, Andrea Galli und Peter Zinn, um nur einige zu nennen.
Das „Varientino“ steht und fällt jedoch mit seinen 23 Tänzerinnen und zwei Tänzern. Mit grenzenlos scheinender Begeisterung bieten sie ihr Mammut-Pensum bei stets passender Musik wie „Money, Money“, „Just like an Angel“ oder „I am watching you“. Sie zeigen nicht nur permanent Freude an ihrem Können, sondern drücken dabei mit ihren Bewegungen Energie und Mut aus: Ein starkes Miteinander, das den Funken bei jedem der vielen Auftritte überspringen lässt und zum rhythmischen Mitklatschen aufforderte.
Auch bei diesem großartigen Ensemble ist es fast müßig, Einzelne zu nennen, zum Beispiel Lisa-Marie Spirkl als Allison bei ihrem verführerischen Ausdruckstanz, Pascal Lemhöfer als betrunkenem (und auch nüchternem) Jake McCandler sowie Christoph Berger, nicht nur in fast jeder Szene dabei, sondern auch als Golf-Cup-Junge und bei den wiederholten Ausflügen von Tänzern und Schauspielern durch die Reihen der Gäste an den Dinnertischen.
Nicht zu vergessen sind bei so einem Mammutprojekt die „guten Geister“ im Hintergrund. Hilfreich an der Seite von Regina Zinn: Liz Kretschmar bei Training und Choreografie. Wolfgang Balbierer arbeitete führend an den Dialogen und entwarf auch den geschickten stufenförmigen Bühnenaufbau. Immer wieder war man als Zuschauer besonders beeindruckt von der enormen Vielzahl der teils aufwendigen Kostüme, für die schon jahrelang Monika Kohlert zusammen mit Eva Schmidt verantwortlich ist.
Dass ihr ein wahrer Mühlstein vom Hals gefallen war, hörte man nach lang anhaltendem Beifall aus den Dankesworten von Regina Zinn an ihre Tänzer- und Schauspieler-Großfamilie, die als „einzigartigen Deal“ bei der Zusammenarbeit das Miteinander und Zueinander noch weiter wachsen sah. Ihr überreichte Bürgermeister Robert Pötzsch Blumen mit den Worten: „Der TSC Weiß-Blau schrieb erneut eine Erfolgsgeschichte.“