Jettenbach – Archivar und stellvertretender Vorsitzender des Heimat- und Kulturkreises Jettenbach, Andreas Schreiner, war bestens vorbereitet. Im Rahmen der Jahresversammlung des Vereins hatte er einen bebilderten Vortrag zum Thema Geschäftswelt in Jettenbach aufbereitet. Zu den jeweiligen Fotos und Lageplänen entfachte sich ein reger Informationsaustausch.
Gemeindearchivar stellt Geschäftswelt vor
Mit fünf Kramereien konnte Jettenbach am Fuße der Toerringanhöhe früher aufzuwarten; zwei davon im Ortsteil Grafengars. Nur wenige „Alteingesessene“ können von eigenen Erinnerungen berichten. Von der „Frillnann“, alias Anna Balghuber, sie hatte ein Lebensmittelgeschäft mit zuckersüßen Schleckereien, erzählte Peter Heindl. Ja, auch seine eigene Familie hatte einen Kramerladen, aber eben keinen Süßkram in Kegelform mit einer Figur am Stiel.
Gemeindearchivar Andreas Schreiner ist ebenfalls familiär vorbelastet. Von Josef Eitel berichtete er mit etwas Stolz. Die Großmutter musste sogar heiraten, um das Erbe des Ladengeschäftes antreten zu können. So sah es das Gesetz und auch das Testament vor. Ob Bäckerei Marschmann, Metzgerei Engelhart oder Molkerei Hösl sowie die Mehlmühle vom „Hofmuiner“, der Familie Maier; Jettenbach war ein lebendiges Dorf. Übrigens ließe sich diese Liste erheblich erweitern.
Alle Geschäfte sind aber mittlerweile verschwunden. Das letzte Ladengeschäft schloss seine Pforten im Jahr 2022. 20 Jahre nach der Eröffnung des Friseurgeschäftes ging im Meisterbetrieb für immer das Licht aus. Aus dem einstigen Handwerkerdorf ist eine ruhige Schlafstätte geworden.
Nur das Vereinsleben lässt den einstigen Puls erahnen. Auch das produzierende Gewerbe hat sich beinahe komplett aus dem Dorf verabschiedet. Eine Sägemühle, Spiegelfabrik, Stein- und Mehlmühle, ja sogar eine Näherei produzierte in Jettenbach.
Einzig eine Schreinerei fertigt seit Jahrzehnten hölzerne Erzeugnisse. Bier wird seit Jahren keines mehr in Jettenbach gebraut. Auch mit der Gastronomie ist das so eine Sache. Der gefühlt zwölfte Pächterwechsel im von Resi Stein gegründeten Bräustüberl scheint ein erneuter Versuch, den Schlossberg wiederzubeleben. Auch in „Burles Kneipe“ im Ortsteil Grafengars herrscht emsiges Treiben. Gemunkelt wird im Dorf von einer baldigen Wiedereröffnung. Bleibt zu hoffen, dass die Bevölkerung das Angebot auch annimmt.
Der Aufruf am Ende der Präsentation von Andres Schreiner, man möge „verborgene Schätze“ für künftige Generationen sichern. Stellen Sie bitte alte Fotos, Postkarten oder andere Dokumente zur Verfügung. Zumindest leihweise, um diese zu digitalisieren.
Die Begeisterung von Archivchef Andreas Schreiner für „seine Sache“ war förmlich zu spüren. Sicher interessant wird der angekündigte Erzählstammtisch des Heimat- und Kulturkreises ab Mitte des Jahres.