Mühldorf – Knapp 20 Jahre sind vergangen, seit die Mühldorfer Unternehmerfamilie Trettenbacher das Kino in Mühldorf nur ein Jahr nach der Eröffnung vor dem Aus rettete. Jetzt ziehen sich Susanne und Thomas Trettenbacher aus dem Kinogeschäft zurück. Die Lichter sollen trotzdem nicht ausgehen. Von einem „großen Glücksfall“ spricht Susanne Trettenbacher. Denn seit Herbst 2024 gehört Manuela Rahnert zum Mitarbeiterteam. Die 41-Jährige war mehr als zehn Jahre Teil der Leitung des Waldkraiburger „Cinewoods“, bevor sie nach Mühldorf wechselte. „Ich wollte einfach wieder ins Kino“, sagt sie.
Die neue Besitzerin habe vom ersten Arbeitstag klargemacht, dass sie nicht nur mitarbeiten, sondern das Kino gerne übernehmen würde, erzählt Thomas Trettenbacher. Mehr als ein Jahr lang haben sich die alten und die neue Besitzerin beschnuppert, bevor sie die Entscheidung trafen. Denn trotz des Verkaufs, auch das wird deutlich, hängen die Trettenbachers an ihrem Kino: „Wir wollen, dass es gut weitergeht.“
Frische Ideen für die
Zukunft des Kinos
Manuela Rahnert sitzt zusammen mit Susanne und Thomas Trettenbacher an einem kleinen Tisch auf dem „Mühldorfer Stadtplatz“, dem Herz des Kinos. Dieser ist mit seinen aufgemalten Häuserfassaden, den Pflastersteinen und den bunten Wimpeln dem richtigen Stadtplatz nachempfunden. An der Seitenwand steht neuerdings ein Billardtisch, hinter dem Eingang ein Automat, aus dem sich jeder Besucher mit etwas Glück einen kleinen Gewinn angeln darf. Erste Veränderungen, die die Handschrift der neuen Besitzerin tragen, sind bereits sichtbar.
Nachmittagskino mit Kaffee und Kuchen für Senioren, Videospiele auf der großen Leinwand für Jüngere, Film-Specials auch als Privatvorstellung – all das könnte in den kommenden Monaten kommen. Rahnert hat viele Ideen und schwärmt vom Popcorn-Geruch, der Spannung, bevor die ersten Bilder über die Leinwand flimmern, und der Begeisterung der Besucher nach den Filmen.
„Das wird Heimkino nie schaffen“, sagte sie über das Miteinander im Kino. „Wir wollen Leben hineinbringen, die Leute sollen auch nach den Filmen da bleiben und reden.“ Über der Bar hängt bereits ein neues Schild: Kino-Café. „Kino ist mehr als Filme schauen.“ Die Trettenbachers mussten 2007 als Kinobetreiber einspringen, weil der erste Betreiber des „Hollywood am Inn“ gescheitert war. „Mühldorf braucht aber ein Kino“, sagt Thomas Trettenbacher heute, dessen Familie die Vergnügungsstätte aus Restaurant, Bowlingbahn, Tanzstudio, Spielkasino und Kino in Bahnhofsnähe gehört. Er bezeichnet die Übernahme des Kinobetriebs als „unser Sozialprojekt für die Stadt“.
Denn die Jahre nach der Übernahme waren nicht leicht: Allgemeine Kinokrise, Corona, Netflix und Co. machten das Geschäft schwierig. Überall schließen Kinos oder werden, wie in Vilsbiburg und Waldkraiburg, von Ketten übernommen. „Es hat uns viel Geld gekostet“, sagt Trettenbacher. Aufgeben wollten er und seine Frau aber nicht.
Die alten Projektoren mit ihren großen Filmrollen wurden durch Beamer, teure 3D-Technik oder noch teurere Lasertechnik ersetzt. Dazu kamen Veranstaltungen mit und ohne Film: Schulkinowochen, die Biennale Bavaria, höchst erfolgreiche Opernübertragungen aus der New Yorker Met, Firmen- oder Parteiveranstaltungen sowie Azubi-Messen. „Das können wir nicht mehr leisten“, betont Trettenbacher, schließlich ist das Kerngeschäft des Familienunternehmens die Projektentwicklung und der Neubau vor allem von Firmengebäuden, nicht aber das Betreiben eines Kinos.
Hinter dem Tresen für den Karten- und Cola-Verkauf steht die große Popcorn-Maschine. Der Duft, den sie verströmt, liegt auch an diesem Morgen über der Eingangshalle, obwohl das Kino noch gar nicht geöffnet ist. Für viele Besucher ist ein Kinobesuch ohne die Süßigkeit kaum denkbar.
Die alten und die neue Kinobesitzerin bleiben dort stehen und erinnern sich an eine Jahre zurückliegende Anekdote: Damals, am Tag vor Heiligabend, fiel im „Hollywood am Inn“ die Popcorn-Maschine aus. Die einzige Lösung war ein Anruf im Waldkraiburger „Cinewood“ der Familie Rahnert. Diese sagte sofort zu, der Mühldorfer Konkurrenz Popcorn zum Selbstkostenpreis zu liefern.
So schließt sich der Kreis der Zusammenarbeit, denn jetzt hat die ehemalige Waldkraiburgerin das Mühldorfer „Hollywood am Inn“ übernommen. „Endlich wieder Kino“, sagt sie mit einem breiten Strahlen im Gesicht und nimmt den Bund mit einem Dutzend Schlüsseln von Susanne Trettenbacher entgegen.