Eine Ehrung aus Griechenland

von Redaktion

Große Ehre für Günther Knoblauch. Der Altbürgermeister von Mühldorf wurde von der griechischen Partnerstadt Iraklio zum allerersten Ehrenbürger ernannt. Der 77-Jährige verfolgte die bewegende Zeremonie krankheitsbedingt per Videoübertragung in seinem Zuhause.

Mühldorf – „Des is‘ der Wahnsinn!“ Eigentlich könnte man meinen, dass sich Günther Knoblauch nach jahrzehntelanger politischer Erfahrung nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt. Doch am Dienstagabend (24. März) war der Mühldorfer Altbürgermeister dann doch ziemlich sprachlos. Sprachlos darüber und emotional berührt davon, welche Ehre ihm Mühldorfs griechische Partnerstadt Iraklio zuteilwerden ließ.

Die beiden Töchter
nehmen Ehrung entgegen

Im Sitzungssaal der Vorstadt von Athen, die seit 2004 Partnerstadt von Mühldorf ist, hatten sich die Mandatsträger versammelt, um den ehemaligen Mühldorfer Bürgermeister (1990 bis 2013) offiziell zum Ehrenbürger von Iraklio zu ernennen. Knoblauch allerdings war selbst nicht im Sitzungssaal, er verfolgte die Zeremonie von zu Hause aus, im dritten Stock seiner Wohnung an der Münchener Straße. Er war per Videoübertragung zugeschaltet, verfolgte die Zeremonie am Laptop.

Aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit war es dem 77-Jährigen nicht möglich, ins Flugzeug zu steigen und persönlich die Ehrung und die Glückwünsche entgegenzunehmen. Doch er hatte adäquaten Ersatz zu seinen Freunden nach Griechenland geschickt: Seine beiden Töchter Christina und Susanne durften an seiner Stelle im Sitzungssaal die Ehrung entgegennehmen.

Und eine solche gibt es nicht oft: „Diese Entscheidung stellt die höchste Ehrung unserer Stadt dar und wird an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr Werk, ihren Einsatz und ihr Handeln wesentlich zur Förderung der Werte, der Zusammenarbeit, der Solidarität und der internationalen Freundschaft zwischen den Völkern beitragen!“, hieß es in der Laudatio von Bürgermeister Nikos Babalos bei der Feierstunde im Sitzungssaal des Rathauses von Iraklio.

Städtepartnerschaft mit Mühldorf ist kein Zufall

„Dieser Tag zeigt, dass Beziehungen zwischen Völkern nicht nur durch Institutionen entstehen, sondern vor allem durch Menschen mit Vision, Überzeugung und Verantwortungsbewusstsein.“

Die Städtepartnerschaft mit Mühldorf sei kein Zufall, sondern beruhe auf historischen Wurzeln. Im Jahr 1833, als Otto von Griechenland als erster König Griechenlands sein Amt antrat, wurde er von bayerischen Beamten und Bürgern begleitet, die sich auch in der Region Iraklio niederließen. Bis heute leben in der Stadt Familien mit bayerischen Nachnamen wie Wagner oder Kirmeier, „die ein lebendiges Bindeglied zwischen unseren beiden Heimatländern darstellen“, so Babalos weiter.

Verbindung
über Johannes Fuchs?

Unter diesen Bayern, die nach Griechenland zogen, war auch Johannes Fuchs, dem eine Verbindung nach Mühldorf nachgesagt wurde, 1833 nach Iraklio gekommen und hatte dort die Brauerei „Fix“ gegründet, die es heute noch gibt.

Der gemeinsame historische Weg habe das Fundament der späteren „modernen Städtepartnerschaft der beiden Gemeinden“ gebildet. „Diese Partnerschaft wäre vielleicht ohne die Initiative und Entschlossenheit eines Mannes nicht zustande gekommen – eines Mannes, der fest an die Kraft der Zusammenarbeit und an die Freundschaft zwischen den Völkern glaubte: Günther Knoblauch“, so Babalos in seiner Laudatio. Gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister der Stadt Iraklio, Georgios Mastorakos, habe Knoblauch mit Weitsicht, Entschlossenheit und großer Wertschätzung für die gemeinsame Geschichte „eine Brücke der Kommunikation“ errichtet.

In Anerkennung dieses bedeutenden Beitrags zur Völkerverständigung beschloss der Stadtrat von Iraklio einstimmig, Knoblauch die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Symbolisch wurde der Schlüssel der Stadt an seine beiden Töchter überreicht.

Zugeschaltet war auch Alexandra Seisenberger vom Arbeitskreis Städtepartnerschaft in Mühldorf. Man sei vom Arbeitskreis sehr stolz darauf, dass Günther Knoblauch die Städtepartnerschaft vor vielen Jahren initiiert habe. „Wir führen diese Städtepartnerschaft gerne in seinem Sinne und auch mit seiner Unterstützung weiter und freuen uns darauf, euch bald in Mühldorf begrüßen zu dürfen!“

Corona hat die
Bemühungen unterbrochen

Überwältigt bedankte sich Knoblauch für diese große Ehre, die ihm zuteilgeworden war. Er erinnerte sich an „so viele gemeinsame Aktivitäten, wie das Bierfest bei der Fix-Area, die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler, die gemeinsam ein griechisch-ungarisch-bayerisches Kochbuch gestalteten, unsere Fußballspiele“. Die gemeinsamen Pläne, Vereine auf beiden Seiten zu aktivieren, seien leider von Corona unterbrochen worden, so Knoblauch, der sich wünschte, dass die Verbindungen wieder aufleben würden. Die Tanzgruppe „Irini“ hätte den Bayern nicht nur den „Sirtaki“ nähergebracht. „Eure Tanzgruppen waren auch immer Highlights bei unserem jährlichen Schützen- und Trachtenzug, während unseres Volksfestes. Immer wurde ich gefragt: „Kommen die Griechen wieder?“

Knoblauch ist
der erste Ehrenbürger

Weil er krankheitsbedingt nicht selbst an der Ehrung teilnehmen konnte, nahmen seine Töchter Christine und Susanne die Ehrung entgegen. Nicht nur den Stadtschlüssel bekamen die beiden symbolisch überreicht, sondern auch zahlreiche Gastgeschenke, von einem Geschichtsbuch bis zur Krawatte. Anlässlich des Nationalfeiertages wohnten die Knoblauch-Töchter einen Tag nach der Ehrung auch einer Kranzniederlegung bei und besuchten eine Schülerparade, bevor es am gestrigen Donnerstag wieder zurück nach Deutschland ging. Und das voller Eindrücke, berichtet Susanne Knoblauch-Dichtl von Iraklio aus am Telefon. „Für mich war das alles sehr inspirierend. Die europäische Verbundenheit wird großgeschrieben, überall spüren wir diese gelebte Partnerschaft. Jeder dort scheint meinen Vater zu kennen, er genießt eine hohe Wertschätzung.“ Was Susanne Knoblauch-Dichtl am meisten beeindruckt hat: Günther Knoblauch ist der erste Mensch überhaupt, dem die Ehrenbürgerwürde der Stadt Iraklio verliehen wurde.

Und der bedauert, dass er selbst nicht in Iraklio sein kann, freut sich aber auf ein baldiges Wiedersehen beim Schützen- und Trachtenzug. „Danke, danke, danke!“, sagte er tief bewegt am Ende der Übertragung. Einmal sogar auf Griechisch: „Efcharistó!“

Mit einer Flasche Weißbier hat alles begonnen

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