Mühldorf/Maitenbeth/Erding – 2019, 2020 und 2022 starben Menschen im Landkreis Mühldorf nach einer Infektion mit dem Bornavirus. Es löst schwere, meist tödlich verlaufende Gehirnentzündungen aus.
Drei Fälle, von denen sich zwei in Maitenbeth abgespielt hatten. Doch seit 2022 gab es keine Meldungen mehr, bestätigt die kommissarische Leiterin des Gesundheitsamts Mühldorf, Birgit Franz. Trotzdem sorgt die Tatsache, dass das Virus im Nachbarlandkreis Erding einen Menschen angesteckt hat, für Verunsicherung. Alte Sorgen flammen neu auf. Wie es der betroffenen Person geht und aus welchem Ort sie stammt, dazu gibt es auf Anfrage keine Informationen vom Landkreis Erding.
Anlass zur erhöhten Sorge sieht das Gesundheitsamt Mühldorf nicht. „Nach aktuellem Kenntnisstand kommen Übertragungen von BoDV-1 auf den Menschen nur sehr selten vor. Bundesweit sprechen wir von einer einstelligen Anzahl von Fällen pro Jahr. Das Infektionsrisiko ist entsprechend gering. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist – außerhalb des medizinischen Kontexts, zum Beispiel bei Transplantationen – bisher nicht bekannt und daher extrem unwahrscheinlich. Gleiches gilt für die direkte Übertragung von anderen Tieren als Feldspitzmäusen auf den Menschen, wie etwa von infizierten Pferden oder Schafen“, betont Franz auf Anfrage.
Wichtigster Rat: kein Kontakt mit Spitzmäusen und deren Ausscheidungen. „Die Handlungsempfehlungen sollten immer beachtet werden“, appelliert die Gesundheitsamtsleiterin.
Der genaue Übertragungsweg von der Feldspitzmaus zum Menschen ist noch ungeklärt, „wobei ein Weg über die Nasenschleimhaut oder über Hautverletzungen plausibel erscheint“, erklärt Franz. Maitenbeth war 2022 zum Ort mehrerer Studien geworden, die die Hintergründe und Wurzeln der lebensgefährlichen Tierseuche durchleuchteten. Eine Impfung gegen das Bornavirus BoDV-1 ist noch nicht verfügbar, so das Gesundheitsamt Mühldorf. Würden Spitzmäuse im häuslichen Umfeld beobachtet, sei es wichtig, ihre Nahrungsquelle ausfindig zu machen und diese zu beseitigen, betont die kommissarische Leiterin des Mühldorfer Gesundheitsamts. Als Beispiel für eine Nahrungsquelle nennt sie Insekten, die sich in Komposthaufen oder anderen außen gelagerten Abfällen ansiedeln. „Auch im Außenbereich angebotenes Tierfutter nehmen Spitzmäuse gerne“, berichtet sie weiter.
Doch auf dem Land sind Feldspitzmäuse keine Seltenheit. „Ist eine tote Spitzmaus zu entsorgen – zum Beispiel, weil eine Katze sie ins Haus geschleppt hat – dann sollten Gummihandschuhe und bei Staubentwicklung möglichst eine eng anliegende Maske oder eine Feinstaubmaske (etwa FFP2, KN95) und nach Möglichkeit eine Schutzbrille getragen werden“, betont Franz. Sie rät weiter: „Vor der Entsorgung Spitzmäuse und deren Ausscheidungen zunächst gründlich mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel besprühen. So verhindert man die Aufwirbelung von virushaltigem Staub bei der Entsorgung und anschließenden Reinigung. Die tote Spitzmaus kann dann mit einer über die Hand gestülpten Plastiktüte aufgenommen werden. Die Plastiktüte im Anschluss gut verschließen und mit dem Hausmüll entsorgen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt weiterhin, sofort nach Beendigung staubiger Arbeiten zu duschen (einschließlich Haarewaschen) und die benutzte Kleidung umgehend zu waschen.“Heike Duczek