Milchwerk Jäger will mehr Wasser fördern

von Redaktion

Das Milchwerk Jäger will mehr Grundwasser fördern, doch der Markt Haag bleibt kritisch. Die Gemeinde hat klare Forderungen, während das Unternehmen seine Pläne verteidigt und auf bereits umgesetzte Sparmaßnahmen verweist.

Haag – Das Milchwerk Jäger braucht mehr Wasser. Einen entsprechenden Antrag hatte das Unternehmen bereits vor vier Jahren an das Landratsamt Mühldorf gestellt. Nun stand dieser erneut auf der Tagesordnung des Bauausschusses in Haag. Deutlich wurde dabei: Die Behörden, darunter auch der Markt Haag, sehen den Antrag kritisch.

750.000 Kubikmeter Wasser verbraucht das Milchwerk bislang im Jahr, dieses wird aus den eigenen Brunnen des Unternehmens gefördert. Eine enorme Menge, wie Zweiter Bürgermeister Stefan Högenauer (CSU), der die Bauausschusssitzung leitete, bemerkte. Zum Vergleich, erklärte er, der Markt Haag selbst fördere insgesamt knapp 500.000 Kubikmeter Wasser und versorge damit alle Einwohner.

Dennoch hatte das Milchwerk vor vier Jahren einen Antrag gestellt, die Wasserförderung auf 900.000 Kubikmeter erhöhen zu dürfen. Schon damals hatte es Kritik auch seitens der Marktgemeinde gegeben. Zwar werde die unternehmerische Tätigkeit des Milchwerks in Haag begrüßt, dennoch sei festzuhalten, dass es sich beim Wasser um ein kostbares Gut handle, so die Meinung im Ausschuss damals. Daran hat sich auch dieses Mal grundsätzlich nichts geändert. Zwar hatte das Milchwerk Jäger den Antrag zur Förderung des Grundwassers reduziert, statt 900.000 Kubikmeter im Jahr belief sich dieser nun auf 820.000 Kubikmeter. Eine Reduktion, die begrüßt wurde. „Ich glaube, erkennen zu können, dass hier ein echter Wille da ist, den Wasserverbrauch zu reduzieren“, sagte Högenauer.

Dennoch gab es im Ausschuss weiterhin kritische Stimmen zu hören. „Das sind immerhin 70.000 Kubikmeter Wasser mehr als bislang. Das ist, als ob wir 120-mal im Jahr unser Schwimmbecken in Haag auffüllen“, meinte Siegfried Maier (SPD). „Wasser“, betonte er, „ist unser kostbarstes Gut“. Maier verwies darauf, dass laut dem Bericht und Antrag der Milchwerke auch Trinkwasser zum Kühlen hergenommen werde. „Darüber bin ich maximal unzufrieden.“ Kritisch sah er zudem, dass die Milchwerke Wasser aus den wertvollen tertiären Schichten förderten. Außerdem verwies er darauf, dass laut Bericht der Wasserstand der Brunnen II und III bereits um 18 Meter, der Wasserstand von Brunnen IV sogar schon um 19 Meter abgesunken sei.

Stefan Stein, Geschäftsführer der Gmundner Molkerei und Technischer Leiter des Milchwerk Jägers, der den Kritikern ohne zu zögern Rede und Antwort stand, erklärte, dass es bereits Prozesse gebe, bei denen Brauchwasser eingesetzt werde, beispielsweise bei der Außenreinigung der Lastwagen. Langfristiges Ziel sei, dies auch an anderen Stellen einzusetzen. „Allerdings müssen wir uns an die Vorgaben des Gesundheitsamts halten“, so Stein. Diese würden besagen, dass Wasser, welches in Berührung mit dem Produkt kommen könnte, immer Trinkwasserqualität haben müsse, darunter fielen auch die Kühlvorgänge.

Im Hinblick auf absinkende Pegelstände erklärte Stein, dass es sich hierbei um einen natürlichen Prozess handle, von dem sich die Brunnen auch wieder erholen würden. „Sie werden in regelmäßigen Abständen wieder aufbereitet“, so Stein.

Grundsätzlich verwies Stein darauf, dass die Milchwerke Jäger im Vergleich zu anderen Molkereien „gut dabei“ seien, was den Wasserverbrauch anbelange. Im bundesdeutschen Durchschnitt liege laut einer Verbandsumfrage der Verbrauch derzeit bei 1,74 Liter Wasser pro Liter Milch, so Stein. „Wir befinden uns im Moment bei 1,56 Liter Wasser pro Liter Milch und haben das Ziel, das bis 2031 auf 1,5 Liter Wasser zu reduzieren“, sagte der Geschäftsführer.

Sickerflächen für
gebrauchtes Wasser

Etwa die Hälfte des gebrauchten Wassers werde außerdem vor Ort mithilfe der zwei Sickerflächen versickert und so wieder der Natur zugeführt. Mehr sei derzeit nicht möglich, da sonst ein Überlauf in den Rainbach drohe und hier das gebrauchte Wasser einzulassen sei derzeit seitens des Wasserwirtschaftsamts nicht zugelassen.

Schlussendlich nahm der Bauausschuss die weitere Entnahme einstimmig zur Kenntnis. Im Beschluss wurde allerdings auch betont, dass zwar die Reduzierung der beantragten Jahresmenge von ursprünglich 900.000 auf 820.000 Kubikmeter begrüßt und die „getroffenen Maßnahmen zur Wassereinsparung anerkannt“ würden. Allerdings, so heißt es im Beschluss, stehe der Markt Haag der Erhöhung weiterhin kritisch gegenüber. „Zur Schonung der tertiären Tiefengrundwasservorkommen sind alle Ebenen (Betriebe, Verbraucher und Kommunen) aufgerufen, Einsparpotenziale auszuschöpfen, um nur das unabdingbar notwendige Trinkwasser aus tertiären Schichten zu entnehmen“, so die Stellungnahme.

Weiterhin beschloss der Bauausschuss, die Behörden anzuweisen, die Auswirkungen auf die Abwasserbeseitigung, also auf Kanalnetz und Kläranlage von Haag, zu prüfen. Er regte außerdem eine verstärkte Versickerung von nicht schädlichem Abwasser an, um das entnommene Grundwasser im natürlichen Kreislauf zu behalten. Ob die Wasserförderung durch das Milchwerk Jäger so wie beantragt zulässig ist, darüber wird das Wasserwirtschaftsamt entscheiden.

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