Trauriger Gang durch den Gasthof Pichlmeier

von Redaktion

Das Pichlmeier-Areal in Aschau am Inn steht seit Jahren leer und verfällt. Viele Bürger verbinden Erinnerungen mit dem alten Gasthof, doch seine Zukunft ist ungewiss. Baurechtliche und kommunalrechtliche Gründe sowie fehlende Konzepte verhindern bisher eine Sanierung oder eine neue Nutzung.

Aschau – Putz bröckelt von den Wänden, Schimmelsporen verbreiten sich in den Räumen und der Ofen rostet: Auf dem Pichlmeier-Areal in Aschau am Inn hat schon seit Jahren niemand mehr getanzt, gekocht oder getrunken. Für die Aschauer hat es dennoch einen hohen Stellenwert. Sie verbinden viele Erinnerungen mit dem alten Wirtshaus und der ehemaligen Metzgerei. Immer wieder ist die Zukunft der Räume ein Thema.

Seit 2017 im Besitz der
Gemeinde

2017 hat die Gemeinde das Pichlmeier-Anwesen gekauft. „Das Gebäude war damals schon in keinem guten Zustand mehr“, erklärt Bürgermeister Christian Weyrich (CSU). Seither habe es sich dann „rapide verschlechtert“. Dass sich die Aschauer dort gerne wieder ein Wirtshaus, Café oder einen Kulturort wünschen würden, sei in verschiedenen Gesprächen und Dialogen herausgekommen, so Weyrich.

Es gebe jedoch Gründe, warum nie etwas weitergegangen sei. Abgesehen davon, dass das Gebäude den derzeitigen Brandschutzvorschriften nicht entspreche und es keine Heizung gebe, sei auch aus baurechtlicher Sicht eine Nutzung nicht möglich, erklärt der Bürgermeister. „Es gibt keine Parkplätze und aufgrund des Lärmschutzes dürften keine Veranstaltungen nach 22 Uhr stattfinden“, sagt er.

Zudem sei eine Nutzung als Gasthaus oder Café aus kommunalrechtlichen Gründen nicht möglich. „Wir haben bereits zwei Wirtshäuser und ein Café im Ort. Wir dürfen deswegen keine Steuergelder verwenden, um den Pichlmeier zu renovieren und so den bestehenden Gastronomen Konkurrenz machen“, erklärt Weyrich. „Ein schönes oberbayerisches Wirtshaus wäre aus rechtlicher Sicht nicht gegangen“, verdeutlicht er. Zudem habe es niemanden gegeben, der ein Konzept für das Pichlmeier-Areal vorgelegt und es betrieben hätte. Für eine Art Kleinkunstbühne ist Aschau laut Weyrich zu klein. Zudem gebe es solche Kulturangebote in Waldkraiburg oder in Ramsau.

Eine Baustelle dieser Größenordnung verschlinge letztlich auch viele Millionen Euro. Einen Investor dafür ins Boot zu holen, hält Weyrich für nicht sinnvoll. „Dann haben wir keine Handhabe darüber, was mit dem Areal passiert“, sagt er.

Die Idee, das Pichlmeier-Areal abzureißen und dafür Wohnungen zu bauen, sei auch immer wieder zur Sprache gekommen. „Dafür gibt es derzeit jedoch keinen Bedarf“, so Weyrich. Auch extra Räume für die Vereine würden nicht benötigt. „Viele haben bereits ein Stüberl, in dem sie sich treffen“, erklärt er. Einen Teil der Wahrheit sieht der Bürgermeister darin, dass es derzeit „kein Problem“ in der Gemeinde gebe, wofür der Pichlmeier-Hof eine Lösung sein könnte. Letztlich stehe das Anwesen gut da. „Es droht nicht zusammenzufallen“, sagt der Bürgermeister. Und die „zündende Idee“ zum weiteren Verbleib sei bisher noch nicht gefunden. Für Weyrich befindet sich das Gebäude derzeit weiter unten auf der Prioritätenliste. „Ich habe es aber im Themenspeicher. Es wäre jetzt unnötig, auf Krampf etwa damit zu machen“, erklärt er. „Es beschäftigt mich derzeit nicht, ist aber eine Option, bei richtiger Gelegenheit anzupacken“, sagt der Bürgermeister.

Das sagt auch Andreas Kölbl (AWG). Die Zukunft des Pichlmeier-Anwesens sei weiterhin in den Köpfen der AWG-Gemeinderäte. Am Anfang der Legislaturperiode habe es zudem auch eine Klausur zum alten Wirtshaus gegeben, auch ein Investor für Wohnungsbau habe mal Interesse bekundet, sei dann aber wieder abgesprungen. „Es waren auch andere Themen dann im Fokus, wie der Sportplatz, ein Grundstückskauf für Wohnen im Alter und das Gewerbegebiet in Thann“, sagt Kölbl.

Wiederbelebung
bleibt Thema

An einer Wiederbelebung des Areals hält das Bündnis Aschau fest, erklärt Karl-Heinz Jekler. „Wir wollen weiterhin ein vernünftiges Konzept für die Zukunft des Pichlmeier-Anwesens“, sagt er. Die Mauern des Gebäudes seien seines Wissens nach schon „erhaltenswert“. „Letztlich fehlt der Wille, hier etwas voranzubringen“, so sein Empfinden. „Aus unserer Sicht passiert hier viel zu wenig“, sagt er. Jekler selbst befürchtet, dass auch die nächsten sechs Jahre nicht viel geschehen werde.

Artikel 1 von 11