Unterreit – Im sehr gut besetzten Wildparkstüberl in Oberreith hatte der scheidende Unterreiter Bürgermeister Christian Seidl seinen letzten großen öffentlichen Auftritt, den er nicht nur für eine Bilanz des vergangenen Jahres nutzte, sondern auch, um sich von den Gemeindebürgern als Rathauschef zu verabschieden. Denn am 30. April findet die offizielle Übergabe der Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Leonhard Moosmeier statt.
Recht schnell ging Seidl zunächst die üblichen statistischen Daten durch. Der seit 1980 festzustellende tendenzielle Anstieg der Bevölkerungszahl bekam einen kleinen Knick: Nach einem Allzeithoch von 1800 Einwohnern im Jahr 2025 nahm sie inzwischen leicht auf 1.788 ab, was vor allem auf einen negativen Wanderungssaldo zurückzuführen ist, denn die erfreulichen 23 Geburten lagen deutlich über den 13 Sterbefällen. Der Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung ist weiter auf nur mehr 42 Personen gesunken, die aus den verschiedensten vor allem europäischen Ländern kommen.
Auffallend ist die deutlich gesunkene Zahl an eingereichten Bauanträgen, was der Kostensteigerung im Baubereich geschuldet sein dürfte. Waren es im Jahr 2023 noch 37, ging die Zahl 2024 auf 26 zurück und 2025 wurden nur noch 17 Anträge gestellt, berichtete Seidl.
Investitionen und
Verschuldung
Erwähnenswerte Eckdaten aus dem Finanzhaushalt sind das Gesamtvolumen von etwa 7,7 Millionen Euro und auf der Einnahmenseite ein Gewerbesteueraufkommen von fast 2,1 Millionen Euro, was etwas mehr als 50 Prozent der Gesamteinnahmen ausmacht, gefolgt vom Einkommensteueranteil in Höhe von etwa 1,3 Millionen. Auf der Ausgabenseite schlagen die Aufwendungen für Kindergärten und Schulen mit 1,05 Millionen Euro zu Buche und die zu zahlenden Umlagen mit zusammen 1,86 Millionen. Eine knappe Million entfiel auf die Kosten für die Abwasserbeseitigung und etwa eine halbe Million auf den Erhalt der Gemeindestraßen. Die Pro-Kopf-Verschuldung ist mit 714 Euro im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken, und das Steueraufkommen pro Einwohner liegt mit 1.312 Euro fast exakt beim Landkreisdurchschnitt, berichtete der scheidende Rathauschef.
Ein kleiner Exkurs fasste dann die Ergebnisse der Kommunalwahl zusammen. Seidl gratulierte Leonhard Moosmeier, der bei einer Wahlbeteiligung von immerhin 70,3 Prozent mit 88,9 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt worden war. Im großen Applaus der Anwesenden schwang sicherlich auch die Freude und Erleichterung über dieses deutliche Ergebnis mit, nachdem die Kandidatenfindung zunächst eine Hängepartie zu werden drohte.
Einen wesentlich breiteren Teil des Abends nahm dann der Rückblick auf die im vergangenen Jahr abgeschlossenen und auf den Weg gebrachten Projekte ein. Die Einrichtung und Inbetriebnahme des Naturkindergartens in Unterreit war eines der Highlights des Jahres, auf das Seidl mit besonderer Freude zurückblickte. Und dass sich bei den Anmeldungen für diesen bereits die Maximalauslastung abzeichnet, bestätigt den Gemeinderat in seinem Einsatz für dieses Vorhaben.
Zwei Spielplätze, ein schon freigegebener in Unterreit und ein fast fertiger in Einharting West, und der im Bau befindliche Bolz- und Beachvolleyballplatz in Stadl mit Sitzgelegenheiten unter Bäumen tragen ebenfalls den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen und ihrer Eltern Rechnung und damit auch konkreten Wünschen der Gemeindebürger, die oft auch bei der Gestaltung mit angepackt haben.
Die bereits von einer Firma angefertigten zehn Buswartehäuschen mit einer Metallrahmenkonstruktion und Polykarbonatscheiben, welche die Gemeinde sukzessive in den nächsten Jahren aufstellen will, werden vor allem den Fahrschülern Schutz bieten.
Leichenhaus
renoviert
Allgemein als sehr gelungen werde auch die klare und ansprechende Neugestaltung des Friedhofs in Wang und die Ergänzung um ein Erdurnenfeld gesehen, wobei Seidl hervorhob, dass dieses Projekt in Eigenregie vom Bauhof umgesetzt wurde, unterstützt vom Gartenbauverein. Sorgen bereitet allerdings noch die marode alte Kirchhofmauer des Friedhofs, die den Status eines Baudenkmals hat. Hier müssen noch Konzepte erarbeitet und Kostenvoranschläge eingeholt werden, so der Bürgermeister. In Grünthal ist das Leichenhaus rundum renoviert worden, das in Unterreit ist noch in Arbeit.
„Aus der Traum!“ war eine Folie mit einem Foto der Königswarter Brücke betitelt. Alle Bemühungen und Anläufe, den Revisionsweg unter der Brücke zu einem öffentlichen Weg für Radfahrer und Fußgänger zu machen, seien nunmehr gescheitert, da nicht nur die Bau-, sondern insbesondere auch die nicht abschätzbaren Folgekosten nicht zu stemmen seien. „Die ham uns des scho schmackhaft gmacht, dass ma davo absegn!“, so Seidls sarkastisches Fazit.
Investitionen in
die Feuerwehr
Doch vieles andere ist noch gelungen: Ein Mannschaftstransporter für die Feuerwehr Wang wurde beschafft und die Feuerwehr Grünthal erhält einen Lkw für 315.000 Euro, der sich selbst mit Containermodulen für verschiedene Katastrophenfälle beladen kann.
Diverse Gemeindestraßen wurden asphaltiert und die Staatsstraße durch Stadl und ihre Fortsetzung nach Unterreit völlig erneuert. Fotos zeigten die neue Hackschnitzelheizanlage im Keller des Bauhofs, die im April in Betrieb gehen und dann 20.000 Liter Öl im Jahr einsparen soll. Parallel zu den Fernwärmerohren zu den Gebäuden in der Umgebung wurde ein Brauchwassernetz mit einer 100-Kubikmeter-Zisterne errichtet, die mit Grauwasser aus dem alten Gemeindebrunnen gefüllt werden soll und dann dem Bauhof, der Feuerwehr und dem Sportverein für die Bewässerung des Sportplatzes zur Verfügung steht, berichtete Seidl.
Ausblick auf
drei Großprojekte
Zum Schluss gab es noch einen Ausblick auf drei Großprojekte: Die Planung für die Abwasserdruckleitung nach Wang steht nunmehr. Über diese sollen die Abwässer in die Garser Kläranlage abgeleitet werden, da die Unterreiter Teichkläranlage Ende 2030 geschlossen werden muss. Für diese Leitung ist inzwischen die wirtschaftlichste Variante genehmigt worden, das 1,2-Millionen-Projekt soll 2028 umgesetzt werden.
Auch auf die umstrittenen Pläne für eine Kiesgrube in Schatzwinkel ging Seidl ein. Der Gemeinderat sei mit dem Beschluss, Vorranggebiete für den Kiesabbau durch Fachleute als Planungsgrundlage klar herausweisen zu lassen, den Wünschen der Anlieger entgegengekommen. Der neue Gemeinderat werde die Ergebnisse diskutieren und dann entscheiden müssen.
Aufwendige
Sanierungen
Der letzte große Tagesordnungspunkt betraf das Großprojekt „Sanierung der Mittelschule in Gars“. Seidl, der auch den Vorsitz des Schulverbands innehatte, zeigte anhand zahlreicher Fotos, welche ansprechenden und zweckmäßigen Lösungen man bei der Sanierung für die diversen Räumlichkeiten gefunden habe, die im Zuge des ersten Bauabschnitts der Fertigstellung entgegengehen würden. Die umfassende Sanierung des Schwimmbads, das ein Edelstahlbecken erhält, und der Turnhalle wird sich allerdings noch bis Anfang 2027 hinziehen, bedauerte er.
Nur wenige Fragen gab es anschließend aus dem Zuhörerkreis, so nach der Umlage der Kosten für neue Abwasserentsorgung, die wohl alle Haushalte betreffen werden, und nach der Lieferung von Hackschnitzeln für die Anlage im Bauhof, zu der auch Waldbauern aus der Gemeinde Holzabfälle werden bringen können.
Abschiedsworte des schei-
denden Bürgermeisters
Nach seiner durchaus beachtlichen Jahresbilanz resümierte Seidl am Ende, dass er in den vergangenen sechs Jahren sehr viel gelernt und während seiner Amtszeit immer versucht habe, bei allen getroffenen Entscheidungen mit Einfühlungsvermögen und Bürgerfreundlichkeit zu handeln, aber auch mit dem konsequenten Bestreben „stets das Richtige zu tun“. Hier klang zumindest etwas durch, was Seidl bewogen haben dürfte, nach einer Amtszeit nicht wieder zu kandidieren. Man meinte in seinen Abschiedsworten aber auch eine gewisse Erleichterung zur verspüren, die Last der Verantwortung jetzt abgeben zu können.
Jedenfalls dankte er allen Gemeindebürgern für das in den vergangenen sechs Jahren in Unterreit entgegengebrachte Vertrauen und die guten Gespräche sowie nicht zuletzt auch dem Gemeinderat für die“ gute und konstruktive Zusammenarbeit“. Seidl wünschte dem frisch gewählten Gremium mit immerhin acht „Neulingen“ und seinem Nachfolger alles Gute im Sinne einer erfolgreichen Arbeit zum Wohle der Gemeinde Unterreit.