Duett mit dem Superstar

von Redaktion

Ein rosa Plakat und viel Mut verhelfen der sechsjährigen Miriam aus Lohkirchen zu einem unvergesslichen Erlebnis. Beim Konzert in Mühldorf holt Superstar Melissa Naschenweng das Mädchen auf die Bühne, um mit ihr vor Hunderten Fans ein Duett zu singen.

Mühldorf/Lohkirchen – Natürlich ist die kleine Miriam Spirkl aus Lohkirchen schon lange vor dem großen Ansturm am InnCarrée in Mühldorf. Wartet vor dem Eingang, bis sich dieser endlich öffnet. Schließlich gilt es, den besten Platz überhaupt zu ergattern. Ganz vorne an der Bühne. Ganz nah dran am Megastar. In der ersten Reihe. Selbst wenn es noch drei Stunden dauern sollte, bis ihr Idol endlich auf die Bühne kommt. Denn keine Geringere als Melissa Naschenweng ist zum Konzert nach Mühldorf gekommen, Anlass war die Jubiläumsfeier des InnCarrée.

Selbst gemaltes Plakat
ebnet Weg auf die Bühne

Melissa Naschenweng ist die derzeit angesagteste österreichische Künstlerin, das weibliche Gegenstück zu Alpen-Rocker Andreas Gabalier. Damit der Star Notiz von der zierlichen Sechsjährigen nehmen kann, will es die Lohkirchenerin nicht allein bei einem Fan-Sweatshirt und rosa Jeans belassen. Ein großes Plakat hat sie außerdem mit dabei. Mit rosa Farbe – damit es die Künstlerin auf der Bühne nicht übersehen kann – hatte sie nur eine Frage drauf gepinselt: „Melissa, deaf i mit Dir singa?“

Da kann die 35-Jährige, die ihren Musikstil selbst als „Lederhosenrock“ bezeichnet, gar nicht mehr widerstehen und holt das mutige Mädchen auf die Bühne. Die ist im anschließenden Interview mit der Sängerin dann auch nicht um Worte verlegen, sagt gleich, was sie gerne mit ihrem Idol singen möchte. Der „Bergbauernbua“ soll es sein. Also: Mikro in die Hand und dann erst einmal die Aufforderung an die knapp 700 Gäste im InnCarrée: „Alle mal die Hände nach oben“, animiert die Lohkirchenerin die Zuhörer nach dem ersten „Servus“.

Begleitet von der Akustikgitarre geht es dann auch gleich los: „I steh auf Bergbauernbuam“, singt die Kleine. Von Nervosität keine Spur. Und alle stimmen begeistert mit ein. Natürlich auch die „Alpenbarbie“, der die Begeisterung über den treuen und textsicheren Fan ins Gesicht geschrieben ist. Wobei die Kleine drei Tage nach diesem großartigen Erlebnis in Mühldorf im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen und innsalzach24.de leise zugibt: „Eine Textzeile ist mir plötzlich nicht mehr eingefallen!“ Doch das war kein Problem. Der österreichische Megastar hat ihr da gerne weitergeholfen.

Die Sechsjährige ist seit knapp zwei Jahren Fan von Melissa Naschenweng. Die erste Begegnung ist es alleine schon wert, erzählt zu werden. „Das war nämlich in Ellmau, genauer gesagt am Hintersteiner See“, erinnert sich Mama Maria. Im Sommer 2024 hatte die österreichische Sängerin ein Video am See gedreht. Man war auf sie aufmerksam geworden. „Seitdem läuft bei uns daheim der Bergbauernbua quasi nonstop!“, lacht ihre Mama.

Der erste Konzertbesuch war nur noch eine Frage der Zeit. „Doch in Rosenheim hätte es vergangenes Jahr nur noch Karten ganz hinten gegeben. Des war nix“, berichtet ihr Papa, Thomas Spirkl. Tochter „Miri“ musste sich also noch gedulden. Da passte es ganz gut, dass zwischendrin noch Weihnachten war. Denn da lag dann doch tatsächlich eine Konzertkarte für die Veranstaltung in Mühldorf unter dem Christbaum. Die Aufregung danach war groß. „Besonders in den vergangenen Tagen“, erzählt Mama Maria. Nicht nur, dass die Tochter nun regelmäßig die Songs mithilfe ihrer Karaoke-Maschine eingeübt hat. „Und der kleine Max klatscht immer mit“, verrät sie stolz. Max ist ihr Bruder, zehn Monate alt.

Rosa Traktor, rosa
Mikrofon und rosa Ziach

Natürlich musste sie ja auch irgendwie die Aufmerksamkeit der Sängerin auf sich ziehen, um dann auch tatsächlich neben ihr auf der Bühne zu stehen. Ein großes Plakat musste also her. Natürlich alles in Rosarot. Ein rosa Traktor, rosa Quetschn, rosa Lederhose und rosa Mikrofon. Natürlich auch rosa Buchstaben und mit dem unmissverständlichen Hinweis darauf, dass sie gerne auf die Bühne zu ihrem Superstar will.

Und das hat geklappt. In einer kleinen Gesangspause – Melissa Naschenweng klatschte gerade mit den jungen Fans in der ersten Reihe ab – da hat sie auch Miri und ihr Plakat entdeckt. Prompt lud sie die Sechsjährige auf die Bühne ein, um mit ihr den „Bergbauernbuam“ zu singen. „Ich war ziemlich aufgeregt“, gibt die Sechsjährige zu, die sich danach nicht nur über ein Autogramm gefreut hat. „Sie hat auch auf meinem T-Shirt unterschrieben!“ Klare Anweisung: „Des werd nie wieder g‘waschn. Des ist heilig!“, erklärt sie mit strengem Blick zur Mama.

„15 Minuten Ruhm“. So bezeichnete einst Künstler Andy Warhol in den 1960er- Jahren eine kurzlebige Medienaufmerksamkeit. Er prophezeite, dass in Zukunft jeder Mensch für kurze Zeit weltberühmt sein wird. Weltberühmt ist Miriam mit ihrem schneidigen Auftritt in Mühldorf nicht geworden. Aber die Aufmerksamkeit, die das Mädchen aus Lohkirchen in den sozialen Netzwerken auf sich gezogen hat, ist aller Ehren wert. Seit dem Auftritt am vergangenen Freitag hat das Insta-Video, das die österreichische Künstlerin auf ihrem Account auf Instagram und Facebook veröffentlicht hat, schon über 11.000 Aufrufe. Unzählige Kommentare schickten Herzchen und Worte der Bewunderung durch das Netz.

Auf jeden Fall bleibt es ein unvergessliches Erlebnis für die Lohkirchenerin, die in diesem Jahr in die Schule kommt und sich auch schon Gedanken darüber macht, ob sie nicht auch das Ziachspielen lernen sollte, wie ihr Idol. Nichts Ungewöhnliches. Der Opa hat schon Ziach gespielt und auch die Mama. Warum dann nicht auch Miriam?

Vielleicht steht sie eines Tages auf ganz großen Bühnen mit der Steirischen. Wer weiß. Und schon jetzt ist sie sich sicher, wie sich die jetzt schlagfertige Lohkirchenerin von den Zuschauern verabschieden wird. „Die Melissa hat nach dem Lied ,Tschüss‘ zu mir gesagt, ich habe da aber nur ,Chips‘ verstanden. Wahrscheinlich hat sie nicht gewusst, dass man bei uns in Bayern einfach nur ,Servus‘ sagt!“

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