Annabrunn/Polling – „Da ist richtig die Sonne aufgegangen.“ Dass sagte Palliativpflegerin Silvia Löcker nach der Auftaktveranstaltung des Projekts „Zeitintensive Betreuung (ZiB) am Lebensende im Pflegeheim 2026“, die so den Gesichtsausdruck einer Frau beschreibt, die nicht mehr lang zu leben hat. Das lässt zunächst aufhorchen. Dass Löcker diese Reaktion vor Kurzem mit der Erwähnung des Namens Elvis Presley hervorrief, verwirrt noch mehr.
Die Dame war Elvis-Fan und liebte es in ihrer Jugend, zu seinen Liedern zu tanzen. Eine andere Sterbende schied mit einem spitzbübischen Lächeln aus dem Leben, nach der „Mundpflege“, mit Vanilleeiscreme und einem Tropfen Prosecco. Es braucht Zeit, um die allerletzte Lebensphase in Würde gestalten zu können. Zeit, die im doppelten Sinne teuer ist: wertvoll für alle Beteiligten und kostspielig.
Um diese wertvolle Pflege zu ermöglichen, wurde 2015 auf eine Initiative des Anna Hospizvereins das Projekt „Zeitintensive Betreuung am Lebensende“ ins Leben gerufen. Das Projekt wird vom bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention und von der Paula-Kubitschek-Vogel-Stiftung entscheidend gefördert.
Bis Dezember 2025 hatten elf Einrichtungen die Möglichkeit, sich an dem zwölfmonatigen Projekt zu beteiligen, das spendenbasiert den finanziellen Mehraufwand für speziell ausgebildete palliative Care-Kräfte trägt. Im Januar traten zwei weitere Einrichtungen im Landkreis Mühldorf dem Projekt bei: das Senioren- und Pflegeheim Schloss Geldern in Zangberg und das Augustinum in Schwindegg. Wie wichtig der intensive Beistand für Sterbende ist, hob in ihrem Grußwort Ministerialrätin Dr. Barbara Rebhan vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention hervor. Sabine Brantner, Geschäftsführerin der Paula-Kubitschek-Vogel-Stiftung, legte dar, wie durch Stiftungs-Hilfe und gemäß dem Willen der Stifterin Paula Kubitschek-Vogel immer mehr Menschen in Bayern ein würdevoller Abschied geschenkt werden kann. Inzwischen haben sich mehr als 80 Einrichtungen dem Projekt angeschlossen.
Von einem Gewinn für Pflegende und Sterbende sprachen einige der Pflegekräfte, die bei der Veranstaltung zu Wort kamen: siehe Elvis Presley und „Mundpflege“ mit Vanilleeis und Prosecco.
Sabine Brantner berichtete aber auch von einem monetären Gewinn: Immerhin konnten durch die intensive Zuwendung viele Notarzteinsätze und Krankenhausaufenthalte vermieden und eingespart werden.