Ein Stück Passionsgeschichte

von Redaktion

Geheimnisvolle Christusfigur als Ecksberger Kleinod enthüllt – Eine Einladung, sich Zeit zur Betrachtung zu nehmen

Mühldorf – Jahrzehntelang fristete die mächtige Holzfigur ihr Dasein am Hang unterhalb des Klosters in Ecksberg. Dort, wo sich die Wege hinunter zum ehemaligen Waschhaus gekreuzt haben. Die aber wurden im Laufe der Jahre immer weniger genutzt und schließlich von der Natur überwuchert.

Der Zahn der Zeit hatte am Holz genagt. Und nachdem das Eschentriebsterben die nahezu komplette Rodung des Hanges zur Folge hatte, spätestens dann war die Frage im Raum gestanden: Wohin mit der herrlichen Darstellung Jesu Christi, einem Kunstwerk, das so viele Spaziergänger immer wieder inspiriert hat?

Denn es ist noch gar nicht so lange her, dass sich die Führung der Stiftung Ecksberg dazu entschieden hat, die Figur instand zu setzen. Das ist bereits vor einigen Jahren geschehen. Die Figur, die „Jesus in der Rast“ zeigt, kam in die Werkstatt des Altmühldorfer Kunstbildhauers Arnold Hein. Er sollte die überlebensgroße Darstellung des Christus mit Dornenkrone sanieren.

Holzbildhauer
vermutet robuste Eiche

Hein kann sich auch noch daran erinnern, dass Teile des Sockels gefehlt hatten. Fingerglieder seien zu ergänzen gewesen, Leimfugen locker gewesen und stellenweise seien im Laufe der Jahrzehnte tiefe Risse entstanden. Obwohl die Holzfigur stets unter einem schützenden Dach untergebracht war. Bei der Bestimmung der Holzart tut sich Arnold Hein heute schwer. Er schwankt zwischen Maronenbaum (Edelkastanie) und Eiche, vermutet aber eher Letzteres, weil dieses besondere Kastanienholz eher in Südtirol beheimatet sei. „Beide Hölzer sind sehr robust“, ergänzt Hein.

Es handle sich um eine sehr hochwertige Skulptur, so Hein weiter. Er verweist auf den Künstler Walter Sebastian Resch, einen deutschen Bildhauer, der 1889 in München geboren wurde und dort auch 1962 starb. Er hat sich auf der rechten Seite des Sockels verewigt mit W. S. Resch, dazu das Datum 1922.

Resch hatte seine künstlerische Ausbildung ausschließlich in Privatateliers erhalten. Ab 1912 arbeitete er als selbstständiger Bildhauer in München. Er gehörte dem Wirtschaftsverband bildender Künstler in München und dem Künstlerbund der Bildhauer Bayerns an. Zeitweilig war er Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Münchner Feldgrauen Künstlerbundes. Er schuf unter anderem Figuren des Botanischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität München in München-Nymphenburg. Und eben diese Christusfigur, die zeitlich in die Osterzeit passt.

Beim genaueren Blick auf die Figur fällt allerdings auf: Die landläufig gängige Bezeichnung „Christus in der Rast“ könnte eine Fehlinterpretation der Darstellung sein. Zwar sitzt der Ecksberger Sohn Gottes mit Dornenkrone und bis auf den Lendenschurz entblößt auf einem Stein. So wie es auch in der Passionsgeschichte überliefert ist.

Handelt es sich doch
um die „Herrgottsruhe“?

Bewunderer fragen sich. Könnte es sich bei der Skulptur nicht auch um eine Darstellung der Herrgottsruhe handeln, die ebenfalls Teil der Passion ist? Und die zeigt den gegeißelten und verspotteten Christus nach der Dornenkrönung, aber noch vor der Kreuztragung.

Indiz dafür ist der Spottmantel, den der ruhende Christus aus Ecksberg trägt. An seinem früheren Standort und auch noch vor der Restaurierung hielt er überdies ein Schilfrohr aus Metall in seinen Händen. Das deckt sich auch mit den Beschreibungen in drei der vier Evangelien, wonach die Soldaten Jesus Christus mit einem Schilfrohr als Zepter und einem roten Umhang als „königliche Symbole“ ausgestattet und damit verhöhnt hatten.

Nachgefragt beim Vorsitzenden der Stiftung Ecksberg, Alexander Skiba, weiß er erst einmal darauf keine Antwort. Eine Überprüfung ergab aber, dass das Schilfrohr in einer Garage gelagert war. „Wir müssen es uns nun nochmals genauer ansehen, ob es vor dem Wiedereinsetzen noch restauriert werden sollte“, sagt Skiba. Doch auch ohne das Schilfrohr ist die Skulptur bereits ein Blickfang. Im Herbst 2025, im Zuge der Erstellung des Sinnesgartens der Stiftung Ecksberg, hat die über 100 Jahre alte Holzfigur einen angemessenen Platz erhalten. In der Parkanlage an der Ebinger Straße, dort, wo auch der Friedhof der Stiftung Ecksberg zu finden ist, hat die Stiftung ein Kleinod errichtet, das dafür sorgen soll, innezuhalten und zur Ruhe zu kommen.

Kurz: zu rasten. Dafür soll die Figur Inspiration sein. „Die Darstellung zeigt die menschliche, verletzliche Seite Jesu. Trotzdem symbolisiert die Figur auch die Hoffnung auf zukünftige Erlösung“, heißt es auf der Tafel in unmittelbarer Nähe zum Kunstwerk.

Eine Einladung also, sich Zeit zu nehmen, ein Kunstwerk zu studieren, die feinen Linien und die filigrane Arbeit eines Ausnahmekünstlers zu bestaunen. Auf jeden Fall ein schönes Ziel oder auch nur eine Zwischenstation für einen Osterspaziergang.

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