Grünes Licht für Batteriespeicher

von Redaktion

30 Container für erneuerbare Energie in der Tegernau bringen Pacht für Spital-Stiftung

Mühldorf – „Wir sollten es zurückstellen und zuerst mit Polling sprechen“, sagte Stephan Schinko (Grüne) in der Sitzung des Stadtrates, als das geplante „Sondergebiet Batteriespeicher Tegernau“ zur Diskussion stand. Immerhin liege der Standort an der Gemeindegrenze. Auch Ulrich Niederschweiberer (CSU) war für Gespräche mit den Nachbarn, und plötzlich war die geplante Änderung des Flächennutzungsplans ungewiss – trotz der Empfehlung durch den Bauausschuss.

Der Bauausschuss war im März noch mit einer Gegenstimme dafür, dass die Cell Mind GmbH in der Tegernau vor den Toren von Annabrunn einen Batteriespeicher mit einer Leistung von 80 Megawatt (MW) bauen kann – auch Schinko hatte damals dafür gestimmt. Ursprünglich wollte das Unternehmen diesen Großbatteriespeicher im Altmühldorfer Tal aufstellen, stieß damit aber Ende 2025 im Bauausschuss auf Widerstand. Die Verwaltung wurde beauftragt, mit der Firma Alternativen auszuloten.

Also wurde entlang der 110-kV-Leitung ein neuer Standort gesucht, erklärte Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner auf Nachfrage von Claudia Hungerhuber (SPD). Der Batteriespeicher brauche die Nähe zu dieser Stromleitung. Ein Batteriespeicher soll Lastspitzen im Stromnetz ausgleichen, die Netzstabilität verbessern und insgesamt „einen Beitrag zur Integration erneuerbarer Energien ins Stromnetz“ leisten, heißt es in der Beschlussvorlage.

Übrig blieb bei der Standortsuche auf der anderen Inn-Seite das Grundstück mit der Flurnummer 986 in der Tegernau. Der Standort ist rund 100 Meter von den nächsten Gebäuden entfernt und nicht so einsehbar wie im Altmühldorfer Tal. Außerdem gehört das Land der Heilig-Geist-Spital-Stiftung und brächte ihr für 20 Jahre willkommene Pachteinnahmen, mit einem vertraglich vereinbarten Rückbau.

Der Großbatteriespeicher würde 30 Container sowie einen 60-MW-Gleich- und Wechselrichter umfassen und auf rund 6.000 Quadratmetern entstehen; das ist etwas weniger als ein Fußballfeld. Gleich daneben soll es auf weiteren 6.000 Quadratmetern eine Ausgleichsfläche geben.

Der Stadtrat müsse diesen Plänen jetzt zustimmen, damit Cell Mind beim Bayernwerk den Netzanschluss beantragen kann, erläuterte Weichselgartner. „Erst wenn es die Zusage gibt, würde die Bauleitplanung weitergehen.“ Damit sei in rund einem Jahr zu rechnen. Da der Bauausschuss schon zugestimmt hatte, schien das „Ja“ des Stadtrates nur eine Formalie zu sein. Als erster Redner empfahl Dr. Reinhard Wanka (UM) das „Ja“. Es sei zwar bedauerlich, dass der Speicher mitten in der Landschaft stehe und landwirtschaftliche Fläche verloren gehe, es sei aber ein Rückbau vereinbart und die Pachteinnahmen seien für die Heilig-Geist-Spital-Stiftung „nicht zu vernachlässigen“.

Doch dann meldete sich Schinko zu Wort. Die Batteriespeicher würden gebraucht, seien derzeit „der heiße Scheiß‘“ und brächten hohe Pachtzahlungen. Allerdings liege der Standort an der Grenze zu Polling: „Wir sollten es daher zurückstellen und zuerst mit Polling sprechen.“ Vielleicht sei das auch ein Thema für das Landkreiswerk. Und so regte er an, die Entscheidung „zwei, drei Monate zu vertagen“. Auch Angelika Kölbl (SPD) wollte wissen, warum man nicht zuerst mit der Nachbargemeinde rede.

Es gehe jetzt nur darum, zu entscheiden, „was die Kreisstadt möchte“, erklärte Weichselgartner. Auch, um das Projekt in Mühldorf zu halten, denn: „Für die Stadt gibt es mehr Chancen als Risiken.“ Danach werde es Gespräche mit den Nachbarn geben, die seien ohnehin bei der Bauleitplanung eingebunden. „Wir sollten mit den Nachbarn reden. Das gehört mit dazu“, sagte auch Ulrich Niederschweiberer (CSU), meinte aber auch: „Wir sollten es jetzt schon auf den Weg bringen.“ Es sei wichtig, den Beschluss jetzt zu fassen, unterstrich Zweite Bürgermeisterin Ilse Preisinger-Sontag (CSU), die die Sitzung leitete, weil Cell Mind erst dann den Antrag beim Bayernwerk stellen könne. „Dann dauert es immer noch ein Jahr, bis es auf den Weg kommt.“ Gleichwohl meldete Grünen-Sprecher Kraft für seine Fraktion „ein erhebliches Störgefühl“ an. Er und seine Kollegen würden lieber zuerst nichtöffentlich über den konkreten Vertrag sprechen und „dann erst abstimmen“. Das lehnten die Stadträte mit zehn Gegenstimmen mehrheitlich ab.

Bei sechs Gegenstimmen schlossen sich die Räte anschließend dem Bauausschuss an und fassten den Änderungsbeschluss für den Flächennutzungsplan und die Ausweisung des „Sondergebiets Batteriespeicher Tegernau“; mit fünf Gegenstimmen beschlossen sie mehrheitlich die Aufstellung des Bebauungsplans „Sondergebiet Batteriespeicher Tegernau“.

Zudem sind die Verträge für die Kostenübernahme durch Cell Mind noch abzuschließen und der Flächennutzungsplan parallel zu ändern. Die Verwaltung soll nun das weitere Verfahren durchführen.

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