Mettenheim – Ölbergandacht, Wandelaltar, Grablegung Christi: Es gibt nur noch wenige Kirchen in der Region, in denen die Fasten- und die Osterzeit so arbeitsintensiv zelebriert werden wie in der Gemeinde Mettenheim. Denn wenn die Fastenzeit beginnt, ist Kirchenpfleger Johann Pietrek voll in seinem Element. Die Sankt-Michaels-Kirche, die für ihren Engelszyklus berühmt ist, zählt zu den wenigen Kirchen, die über einen Wandelaltar verfügen. Die Möglichkeit, das dreidimensionale Altarbild mithilfe raffinierter Mechanik dem jeweiligen kirchlichen Anlass entsprechend immer wieder zu verändern, nutzen die Mettenheimer mit großer Leidenschaft.
Der Einsatz im Altarraum der Kirche Sankt Michael in Mettenheim beginnt bereits zu Beginn des neuen Kirchenjahres, wie Pietrek berichtet. „Das fängt mit dem 1. Advent an. Das Erste, das dann an Weihnachten umgebaut wird, ist der Wandelaltar, wenn die Krippe errichtet wird – mit Maria und Josef, dem Christuskind sowie Ochs und Esel.“
Zu Heilig Drei König kommen dann die drei Weisen aus dem Morgenland hinzu. „Da wird es vom Platz her schon etwas eng.“ Bis Maria Lichtmess am 2. Februar ist dieses Altarbild zu sehen. „Danach, ab Aschermittwoch, erfolgt die Vorbereitung auf die Fastenzeit mit den Ölbergandachten.“
In Mettenheim gibt es
noch Ölbergandachten
Die Ölbergandacht oder das Ölberggedenken, auch Ölbergstunde oder Heilige Stunde genannt, ist eine aus dem Mittelalter stammende Frömmigkeitsübung, die an Donnerstagen in katholischen Pfarreien gepflegt wird. Drei solcher Andachten habe es in diesem Jahr in der Fastenzeit auch in Mettenheim gegeben, wie Pietrek erklärt.
Der Kirchenpfleger und seine Helfer aus der Kirchengemeinde platzieren dann die Jesusfigur in knieender Position im Wandelaltar, über ihm eine Engelsfigur. Das Interessante daran: Die Figuren sind beweglich. „Christus ist eine Gliederpuppe; wir besitzen Kopf und Hände doppelt: einmal aus dem Barock und einmal aus dem 19. Jahrhundert. Der Ölberg bestand in Mettenheim bis 1920 und wurde erst 1948 wieder errichtet“, so die Erklärung von Diakon Manfred Scharnagl dazu.
Über eine Kurbel wird etwa ein Seilzug in Bewegung gesetzt, der den Oberkörper der Christusfigur in eine geneigte Haltung bringt. Über eine andere Kurbel lässt sich der Engel in das Bild des Wandelaltars absenken.
Nun ist die Fastenzeit fast vorbei – und erneut ist der Umbautrupp der Mettenheimer Kirchengemeinde gefragt: Zum Karfreitag wurde bereits das Karfreitagsgrab im Altarraum aufgebaut. Flankiert von zwei Engeln liegt Jesus Christus in seinem Grab. Darunter steht: „Sein Grab wird herrlich sein.“
Zu sehen bekommen es die Gläubigen zunächst jedoch nicht. Ein violettfarbener Vorhang, der den gesamten Altarraum verhüllt, verdeckt die Szenerie. „Erst am Karfreitag, mit der Aussetzung des Allerheiligsten, lüftet sich der Vorhang“, berichtet Pietrek.
Wenn der Zelebrant, Diakon Scharnagl, die Monstranz mit dem Allerheiligsten auf die Holzkonstruktion gesetzt hat, wird das Podest mithilfe eines Schienensystems aus Holz nach oben in den Wandelaltar in den Strahlenkranz geschoben. Mit einem Metallstift wird das Podest dann fixiert – eine Prozedur, die seit Jahrhunderten unverändert geblieben ist.
Wie Mettenheims Diakon erklärt, reicht der Bau dieses besonderen Altars zurück bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das heilige Grab wurde am 1. Juli 1880 nach Mettenheim geliefert, weiß er. Gekauft hatte es Pfarrer Franz Paul Kahlhamer beim Kunstanstaltsbesitzer Balthasar Kraft in Pfaffenhofen an der Ilm. Die Rechnung spricht von einem heiligen Grab „mit Brillantkreuz, Lampen etc.“ Der Preis betrug 1.100 Mark.
„Heilige Gräber waren Teil der alten Osterliturgie. Da gab es keine Osternacht, wie wir sie heute kennen“, erklärt der Diakon. Die Kirchen seien zu jener Zeit in der Karwoche schwarz verhängt worden. Am Nachmittag des Karsamstags sei der Einzug erfolgt. Während im Vordergrund Christus ins Grab hinuntergelassen worden sei, sei im Hintergrund der auferstandene Christus hochgekommen. „Das war früher ein Bild, das jetzt in unserer Leichenhalle hängt“, verrät Scharnagl.
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965), so Scharnagl weiter, wollte man die Heiligen Gräber nicht mehr haben. „Sie wurden zusammengeschnitten und eingeheizt“, weiß Mettenheims Diakon. Außer in Mettenheim. Da habe der ehemalige Pfarrer Franz-Xaver Stadler einen Kompromiss gefunden. Nachdem der Aufbau mit dem mit Glassteinen besetzten Brillantkreuz heruntergefallen und kaputtgegangen sei, habe man zumindest das Grab behalten. „Dafür hat man im Hochaltar mit einem Aufzug das Allerheiligste hochgefahren.“
Früher sei das Heilige Grab mit Öllampen beleuchtet worden. „Das hat wahnsinnig gerußt, unter Pfarrer Stadler wurden dann Teelichter benutzt. Heute werden die alten Glaskugeln mit LED beleuchtet. Das schafft eine ganz besondere Karfreitagsstimmung“, schwärmt Scharnagl, der von einer Lokaltradition spricht, „die zum Gebet einlädt“.
Und seit dem vergangenen Jahr ist der Wandelaltar um eine weitere Besonderheit reicher. Schon vor einigen Jahren hat die Kirche eine frühbarocke Jesusfigur, entstanden zwischen 1660 und 1670, von der Familie Frauendienst aus Lochheim geschenkt bekommen. „Ursprünglich haben wir diese Figur als Herz-Jesu-Figur verwendet. Bis uns ein Fachmann erklärt hat, dass es sich wohl um den Auferstandenen handeln soll. Tatsächlich hat das einen Irrsinns-Effekt, wenn nun diese Figur im Wandelaltar erscheint. Das ist wirklich Ostern!“
Während andere die geruhsamen Ostertage dazu nutzen, zu entschleunigen, Osterlämmchen zu backen oder Eier zu färben, ist Pietrek also weiterhin in der Kirche damit beschäftigt, alles für die Osternacht vorzubereiten.
In der Nacht zum Ostersonntag gilt es, den auferstandenen Jesus so zu platzieren, dass er zum perfekt abgestimmten Zeitpunkt während der Osternacht vor dem Strahlenkranz am Hauptaltar erscheinen wird. Vorher muss das Heilige Grab wieder abgebaut werden.
Auf seinen „Umbautrupp“ kann sich Pietrek verlassen
Dabei kann er sich auf seinen „Umbautrupp“, wie er ihn nennt – „sechs bis acht Leute“ – verlassen, wenn die Christusfigur positioniert wird. „Eine relativ schwere Figur, aus einem Stück gearbeitet“, weiß der Kirchenpfleger. „Wir haben das erst im vergangenen Jahr ausprobiert, und es hat ein hervorragendes Echo gegeben.“ So ist es auch für Pietrek in diesem Jahr wieder ein besonderes Erlebnis, der erst vor zwei Jahren nach dem plötzlichen Tod von Gerhard Holzmann das Amt des Kirchenpflegers in Mettenheim übernommen hat.
Umso deutlicher wird ihm, warum er sich mit so viel Hingabe und innerer Überzeugung für seine Pfarrgemeinde einsetzt, wenn die Reihen der Gottesdienstbesucher in anderen Kirchengemeinden spürbar lichter werden, die Rückmeldungen in Mettenheim jedoch von großer Zustimmung getragen sind.