Obertaufkirchen – Bürgermeister Franz Ehgartner gab bei der Bürgerversammlung im vollen Saal im Gasthaus Pointvogl-Jodl einen Überblick über die wichtigsten Gemeindedaten. Obertaufkirchen hat 2.756 Einwohner (Stand 31. Dezember 2025) und verzeichnet mehr Geburten (16 Mädchen und 20 Buben) als Sterbefälle (24) sowie mehr Zuzüge (194) als Wegzüge (183). Zwölf Ehen wurden geschlossen, davon sieben im Standesamt der Gemeinde.
Als familienfreundliche Gemeinde wurden in den vergangenen Jahren 92 Baugrundstücke verkauft, zumeist an junge Familien. Im Kindergarten werden 143 Kinder in sieben Gruppen betreut. Die Grundschule zählt 100 Kinder. Die Ganztagsbetreuung, die noch in Schwindegg stattfindet, soll organisatorisch in Obertaufkirchen angesiedelt werden. Räumlichkeiten in der Schule werden gerade eingerichtet, für eine Kurzgruppe bis 14 Uhr besteht bereits Nachfrage.
Pro-Kopf-Verschuldung
weit unter Durchschnitt
„Finanziell steht die Gemeinde sehr gut da“, stellte der Bürgermeister fest. Das belegte er mit diversen Zahlen: Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 73 Euro liege Obertaufkirchen „weit unter dem Durchschnitt“ im Vergleich mit anderen Gemeinden gleicher Größe. Die Schulden sind seit 2018 jedes Jahr weniger geworden.
Aus Obertaufkirchens Jahresrechnung 2025 ergeben sich die Ausgaben des Verwaltungshaushalts mit 6.988.454 Euro und die Ausgaben des Vermögenshaushalts mit 2.644.896 Euro. Der größte Anteil der Ausgaben des Vermögenshaushalts wurde mit über 1,8 Millionen Euro für Baumaßnahmen getätigt.
Die Einkommensteuer stieg leicht von 1,9 auf 2 Millionen Euro. Die Gewerbesteuereinnahmen waren sprunghaft angestiegen, von 1,2 Millionen Euro auf 1,8 Millionen Euro. Auf rund 346.000 Euro schnellten die Einnahmen aus der Grundsteuer hoch. Laut Ehgartner geschah das „systembedingt, durch die Umstellung in der Berechnung“. Die Hebesätze der Grundsteuer A und Gewerbesteuer liegen im mittleren Bereich; der Hebesatz der Grundsteuer B sogar im niedrigen Bereich.
Zurückgegangen sind aufgrund der verbesserten finanziellen Lage der Gemeinde die Schlüsselzuweisungen durch den Freistaat. Sie werden für 2026 mit rund 696.000 Euro um 55.000 Euro weniger werden. Dafür ist die Kreisumlage Obertaufkirchens für 2026 auf den höchsten Wert, den sie je hatte, gestiegen: rund 2,1 Millionen Euro. Da es der Gemeinde finanziell gut gehe, müsse sie mehr beitragen, erläuterte Ehgartner.
Bürgermeister Franz Ehgartner gab den Zuhörern einen Überblick über die abgeschlossenen Maßnahmen im vergangenen Jahr. Weil es derzeit keine Baugrundstücke in Obertaufkirchen gibt, wurde der Bebauungsplan Hohenthanner Straße für fünf neue Bauparzellen aufgestellt. Für den Erhalt des Straßen- und Wegenetzes wurden insgesamt 300.000 Euro aufgewandt. Als kultureller Höhepunkt fand der musikalische Hoagart’n der Gemeinde in der Schulaula statt. Mit dem Erlös können jedes Jahr karitative Einrichtungen unterstützt werden.
Aktuell läuft der Neubau des Feuerwehrhauses an der Autobahn A94, das bis August 2027 bezugsfertig sein soll. Die Arbeiten liegen im Plan, die Baukosten von 7,2 Millionen Euro werden von der Regierung von Oberbayern mit 680.000 Euro bezuschusst. Hinzu kommt eine europäische Förderung in Höhe von 150.000 Euro.
Die gestiegenen Einsatzzahlen der Feuerwehr schlagen sich auch in höheren Kosten für deren Ausstattung nieder. 15.000 Euro wurden für beide Feuerwehren Obertaufkirchen und Oberornau genehmigt und für Obertaufkirchen steht ein neues Feuerwehrfahrzeug an.
Gemeinsam mit Schwindegg wird die Kläranlage erweitert, bevor die wasserrechtliche Erlaubnis erlischt. Der aktuelle Kostenanteil für Obertaufkirchen beläuft sich auf 2,2 Millionen Euro. Mit der „Gschwendtnerwiese“ hat sich die Gemeinde 1,8 Hektar Bauland in der Ortsmitte gesichert. Der Rahmenplan dafür ist bereits mit dem Gemeinderat abgestimmt. Zeitnah soll ein Bebauungsplan auf den Weg gebracht werden.
Für den Glasfaserausbau ist der Förderantrag genehmigt worden. Damit können weitere 549 förderfähige Adressen im Gemeindegebiet bis voraussichtlich Ende 2030 von der Telekom angeschlossen werden. Mittelfristig stehen Projekte wie der Neubau der Ornaubrücke in Steinkirchen und der Hochwasserschutz in Oberornau auf dem Plan. Für die kommunale Wärmeplanung wird es eine separate Informationsveranstaltung geben. Auf wichtige Fristen beim Projekt „Zweigleisiger Bahnausbau“ (ABS38) wies der Bürgermeister hin. Aktuell läuft dazu das Planfeststellungsverfahren. Alle Unterlagen sind im Internet abrufbar und Einwendungen sind nur noch bis 4. Mai 2026 möglich. Die Gemeinde leiste ihren Bürgern dabei gerne Hilfestellung.
„Wir brauchen mehr Ärzte im ländlichen Raum“, forderte der CSU-Landtagsabgeordnete Sascha Schnürer in seinem Grußwort. Er erklärte, dass von 1.600 Ärzten, die sich um eine Zulassung bewerben, nur vier aufs Land wollen. Daher habe er einen Antrag für ein Schnellverfahren eingebracht, das Landärzten die Zulassung erleichtern soll.
Auch die Bürger hatten Gelegenheit, das Wort zu ergreifen. Helmut Kleinfercher berichtete von einem Müllproblem auf einem Grundstück nahe der Pfarrer-Götz-Straße, von ungeschnittenen Hecken und davon, dass in der Pfarrer-Götz-Straße schneller gefahren wird, als das dort erlaubte Tempo 30. Bürgermeister Ehgartner warb um Verständnis für das Müllproblem: Die Bauausführung auf dem betreffenden Grundstück war abgebrochen worden. Er sagte, dass es sich um eine privatrechtliche Angelegenheit handle. Es sei bedauernswert, dass die Bauherren dort nicht zum Bauen kommen.
Autofahrer sind
zu schnell unterwegs
Den Hinweis, dass die Hecken zu schneiden sind, wird die Gemeinde an die Bürger weitergeben. Laut Ehgartner könne wegen der Hindernisse in der Pfarrer-Götz-Straße nur Tempo 30 eingehalten werden: „Wer schneller fährt, bricht sich die Achse.“
Tobias Weinmann fragte nach der aktuellen Situation in der Kindertagesstätte. Dazu erklärte Ehgartner, die Kinderkrippe werde für zwei Jahre umgebaut und damit Platz für den Kindergarten geschaffen. Die Bedarfsfeststellung für das Landratsamt sei bereits gemacht und der Bedarf bestätigt. Derzeit werde ein Träger gesucht, am sinnvollsten erscheine ihm die Kirche. Der neue Pfarrgemeinderat wird ab dem 1. April darüber entscheiden. Der Bürgermeister stellte einen Neubau in Oberornau oder in Obertaufkirchen in Aussicht.
Was mit dem leer stehenden Raiffeisengebäude wird, wollte Franz Kern erfahren. Und wie es mit der Ortsumfahrung weitergehe. Der Bürgermeister vermutet, dass in das Gebäude Wohnungen kommen und vermietet werden. Für die Ortsumfahrung könne „momentan kein Quadratmeter Grund gekauft oder getauscht“ werden. Die Gemeinde könne es sich derzeit nicht leisten.