Waldkraiburg – Jesus starb am Kreuz. Das ist eigentlich eine Geschichte, die Kinder verstören könnte. Doch die Ostergeschichte lässt sich trotzdem kindgerecht vermitteln. Pater Walter Kirchmann erklärt im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen, wie das geht.
Christen stehen jetzt am Ende der Fastenzeit. Wie bereiten Sie sich auf Ostern vor und warum ist die Feier dieses Festes heute immer noch wichtig?
Pater Walter Kirchmann: Für uns Christen hier in Waldkraiburg und überall ist das Osterfest das wichtigste christliche Fest. Es ist unser Glaube, dass nicht der Tod, dass nicht das Leid das Ende ist, sondern die Auferstehung Jesu, durch die uns ein neues, einmal ewiges Leben geschenkt ist. Die Möglichkeit zu diesem neuen Leben können und müssen wir schon heute nutzen, und nur so können wir richtig Leben gestalten. Der Geist der historischen Auferstehung Jesu macht sich im Hier und Heute durch die kleinen und großen Auferstehungserlebnisse bemerkbar.
Egal, ob Flüchtlinge, die ich begleiten darf, eine Ausbildungsstelle finden, wenn ich die Dankbarkeit von Leuten erfahre, denen ich meine Zeit schenke, wenn Kranke gesund werden und vieles mehr. Doch all das steht immer mit einem Leidensweg im Zusammenhang. Auferstehung setzt aber Leidenserfahrung voraus, und nur so haben Leid, Auferstehung, Glaube und Hoffnung einen Sinn. All das feiern wir dann an Ostern an einem Fest, in dem wir Gott gemeinsam als sein Volk loben. Damit ein weltliches und religiöses Fest gelingen kann, bedarf es einer gründlichen und tiefen Vorbereitung.
Christen in aller Welt bereiten sich 40 Tage lang, also von Aschermittwoch bis zum Karsamstag, durch verschiedene Formen des Fastens, zum Beispiel intensiveres Gebet oder gute Taten, die man selbst nicht immer gerne tut, oder auch durch täglichen Verzicht auf etwas Kleines, auf das Fest, an dem unser neues Leben entspringt, vor. So merken wir noch einmal mehr, wie gerne Gott an unserem Leben teilhaben will. Je persönlicher, je individueller die Vorbereitung gestaltet wird, desto mehr kann es auch zu einer individuelleren Ostererfahrung kommen, in der eigenes Leid und eigene Hürden kleiner werden.
Leid hat also immer einen Sinn und ist Vollkommenheit vorausgesetzt. Wie sehr sind sich Kinder dessen bewusst, und wie lernen sie am besten, damit umzugehen?
Kirchmann: Kinder jeglichen Alters bleiben von der Erfahrung Schmerz, Leid und Tod nicht verschont. Auf ganz unterschiedliche Weise kommen sie damit in Verbindung, etwa beim Zerbrechen von Freundschaften, beim Ausgeschlossenwerden, bei Krankheit, Streit der Eltern, oder sogar beim Tod. Es ist pädagogische Aufgabe der Eltern und Erziehungsbeauftragten, ihren Kindern Fähigkeiten und Denkweisen zu lehren, wie sie mit dem erfahrenen Leid umgehen können. Diese Erziehung muss altersgerecht, situationsgerecht und behutsam geschehen.
Entsprechend dem Alter und dem Reifezustand der Kinder sollen sie begleitet und befähigt werden, mit Leid, Schmerz und Tod „umzugehen“. Dies kann durch Gespräche, Bilderbücher, Erfahrungsberichte, eventuell Therapie oder psychologische Betreuung geschehen. Die Kinder müssen hierbei die Erfahrung machen, behütet zu sein.
Gott will bereits bei den Kleinen, besonders durch ihre Eltern, durch Vorbilder wirken und sprechen. So muss man Kinder stets ermutigen und Hoffnung lehren, denn das ist das Gleiche, was Gott mit uns macht! Denn vor Gott dem Vater sind wir genauso Kinder. Wenn wir Erwachsene also selbst auf Gott vertrauen und seine Stimme hören, das den Kindern dann vorleben, so wird es ihnen von Anfang an geschenkt sein, mit Leid zu leben und neues Leben, ein Ostern, sehen zu können.
Was bedeutet in diesem Zusammenhang das Leiden Jesu für uns, und was sagen Sie Kindern, wenn es darum geht?
Kirchmann: Gott bekommt in Jesus ein Gesicht, er wird Mensch. Ein Gott, der nicht fremd ist, der uns nah ist, ist ein Gott, der weiß, wie unser Leben ist. Gott weiß in Jesus, wie es ist, zu leiden. In der Woche vor Ostern empfinden wir nach, was Gott für uns getan hat. Denn damit wir Gottes Leben annehmen, ihm gleich werden können, will sich Gott zuerst uns annehmen, uns eine Möglichkeit zur Auferstehung geben. Kinder leben noch in einer eigenen, kleinen Welt. So muss man, wie bei allem, zu ihnen in ihre Welt kommen.
Durch das Vorlesen und Kennenlernen der Ereignisse aus Jesu Leben, besonders seinem Leiden, merken sie schon früh, dass sie nicht allein sind. Dass es jemanden gibt, der schon vor ihnen in einer ähnlichen Situation war.
Das ist das Behütet-Sein. Wenn man Kindern schon früh die Liebe und das Wirken Gottes in Jesus zeigt, können sie das einmal später im Leben wahrlich verstehen. Dann wissen sie, dass der, dieser Jesus, der sie schon damals begleitet hat, der sie schon damals so verstanden hat, immer noch an ihrer Seite ist, sie immer noch sieht, immer noch mit ihnen leidet. So erklärt man Jesus, sein Leiden und seine Liebe, den Kindern am besten, indem man ihn einfach selbst reden und wirken lässt.
Interview: Marko Bilan