Dorfen – Landwirte rund um Dorfen schauen in diesen Tagen etwas besorgter auf ihre Weiden und Koppeln. Denn es besteht der Verdacht, dass ein Wolf Ende vergangener Woche ein Reh gerissen hat. Eine Spaziergängerin fand am nördlichen Stadtrand, nicht weit entfernt vom Schulzentrum, einen Rehkadaver. Sie machte ein Foto von dem völlig abgenagten Tier und informierte den zuständigen Jäger. Als dieser erst nach ein paar Tagen den Standort überprüfte, war von dem Kadaver nichts mehr zu sehen.
Erst nach DNA-Abgleich
besteht Sicherheit
„Dieses Foto ist schon ein Indiz. Eindeutig Wolf – da würde ich aber noch ein Fragezeichen sehen“, sagt Thomas Schreder, Vorsitzender des Kreisjagdverbands Erding, auf Nachfrage. Für eine eindeutige Bestimmung brauche man einen DNA-Abgleich, der ohne den Kadaver jetzt aber nicht möglich sei.
Beim Blick auf das Foto kommt Schreder aber zum gleichen Schluss wie der Dorfener Jäger Max Streibl. „Es ist schon wahrscheinlich, dass das ein Wolf war“, erklärt dieser im Gespräch mit dem „Dorfener Anzeiger“. „Ein Fuchs frisst an einem Reh eine Woche lang hin. Und ein Hund tötet das Wild vielleicht aus Jagdtrieb, frisst es aber nicht auf.“
Wölfe würden ab und zu durch die Gegend ziehen. So habe es vor ein paar Jahren eine Wolfssichtung in Lengdorf gegeben. „Ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass sich dieses scheue Raubtier in unserer Region ansiedelt. Wir sind der waldärmste Landkreis in Bayern“, meint Streibl (50), der schon seit der Kindheit mit seinem Vater Franz Streibl auf die Pirsch geht.
Schreder erinnert sich an weitere Verdachtsfälle. Zum Beispiel kann er ein Foto von Ende 2024 zeigen, auf dem ein Raubtier im nördlichen Landkreis den Rumpf eines Rehs vollkommen ausgefressen hat.
Aber auch da habe der Wolfberater des Jagdverbands den Nachweis nicht führen können. Die Waidmänner haben ohnehin noch einen Verdächtigen: den Goldschakal. Dieser enge Verwandte des Wolfs werde im Landkreis ab und zu gesichtet.
„Dass ein Wolf immer wieder im Landkreis durchläuft, ist nichts Besonderes“, meint Schreder. Solange das Raubtier „seine Scheu behält und nicht wie in Hamburg in einen Supermarkt reinläuft, macht das auch keine Probleme“.
Wolf im Landkreis
„nichts Besonderes“
Im Frühjahr seien junge Wolfsrüden auf Erkundungstour. „Der Wolf bleibt aber erst dann in einem Bereich, wenn er dort genügend Nahrung, Ruhe und die Möglichkeit hat, sich fortzupflanzen“, erläutert der Verbandsvorsitzende.
Die Jagdgenossenschaft habe nun die Landwirte mit Pferden und Schafen informiert, berichtet Streibl. „Keine Panik“, rät er in jedem Fall.
Am Vilstalradweg sollten Hunde dennoch unbedingt an der Leine bleiben. Wegen der Setz- und Brutzeit ist das momentan ohnehin vorgeschrieben. „Wenn das dazu führt, dass Spaziergänger ihre Hunde an die Leine nehmen, hat das dann sogar was Gutes“, sagt Jäger Daniel Bauer, der nach dem Fund in seinem Revier nicht sonderlich beunruhigt ist.
Er fordert mehr Achtsamkeit: „Es wäre toll, wenn die Bevölkerung wieder ein Auge für die Natur hätte und nicht nur ins Handy reingafft.“