Haag – Neue Möglichkeiten für einen Zugang zum Glauben gab es jetzt in der Haager Pfarrkirche. Erstmals war dort eine Bilderschau mit Schwarz-Weiß-Fotografien zu sehen. Der Grafiker und Fotograf Ludwig Watteler aus Gräfelfing bei München präsentierte unter dem Titel „Stille.Weite.Innehalten“ auf einer großen Leinwand Gipfelkreuze. Das traf sich gut, denn in der Woche vor Ostern steht das Kreuz im Mittelpunkt.
Eine knappe Stunde lang zeigte der Fotograf den 80 Besuchern oftmals eine einsame Welt. Hinein in diese Alpenlandschaften führten zuerst reizvolle Übersichten. Auf den ersten Blick ist das anvisierte Objekt einfach nur ein Kreuz, aber mit etwas mehr Aufmerksamkeit kann sich die Betrachtung verändern, und aus einem schlichten längs mit quer entstehen in dieser Form schon fast unzählige Varianten. Das Material Holz in sämtlichen Zuständen, vom Wetter mitgenommen, von Regen und Sturm bearbeitet, mit gefrorenem Schnee verziert in der Windrichtung, bis zu neuem Zustand, offenbart jeden ungeschminkten Zustand. Andere Exemplare bestehen aus Metall, teils kombiniert und teils mit Glas im Zentrum als Skulptur, im Gegensatz zu einfach vernagelten Latten oder gar Ästen. Aber auch das unterstreicht die Symbolik und soll hinführen zum sogenannten inneren Blick. Denn hier existiert offenbar noch eine Kraft, die Zuschauer bei der anschließenden Gesprächsrunde erwähnten. Mehr noch, so etwas könne „erschrecken“, bekannte der Fotograf, vor allem wenn es siebeneinhalb Meter hoch sei. Für ihn sei es angesichts des geringen Platzes dort oben oft eine Herausforderung, zum Fotografieren den notwendigen Abstand herzustellen.
Ein solcher Moment, ein schräger Blick hinauf zu einem eindrucksvollen Kreuz, sei für ihn im Jahr 2008 der Auslöser gewesen, sich mit diesem Motiv zu befassen. Seitdem hat er viele Berge bestiegen und stets versucht, die Gipfelkreuze angemessen und nie langweilig abzubilden. Objekt in die Mitte, abdrücken und fertig, das gibt es bei dem Grafiker zum Glück nicht. Alles von gerade bis schief zeugt von Absicht bereits vor der Aufnahme. Die Hauptdarsteller dieser Bilder befinden sich gerne am Rand, sorgen für Spannung und Ausgleich im Zusammenspiel mit hellen und teilweise sehr dunklen Wolken mit den Farben des Himmels.
Erfreulicherweise durfte jeder Betrachter seine eigene Farbe wahrnehmen, denn in Schwarz-Weiß bleibt mehr Raum für Fantasie um das Bild in Gedanken zu vervollständigen; nichts Buntes lenkt vom Wesentlichen ab. Von dominant bis versteckt treten diese Kreuze in Erscheinung, manchmal genügt auch nur der Schatten davon. Um das den Besuchern dieser Bilderschau mit rund 90 Motiven leichter zu machen, unterlegte Ludwig Watteler die Bilder auf einer metergroßen Leinwand mit leichter, teilweise sphärischer Musik und streute immer wieder Texte ein, die Gedanken zur Verbindung dieser Symbolik zwischen Erde und Himmel zurückholen: „Das Geheimnis des Vorwärtskommens liegt darin, den ersten Schritt zu tun“ oder: „Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel“.
Für all das gab es am Ende Beifall, danach stellte sich der Fotograf den Fragen der Besucher. Etwa, dass er durch „gelesen, gesucht und geblättert“ zu den Texten gekommen sei, bis hin zur extra dafür komponierten Musik.
Pfarrer Pawel Idkowiak wollte wissen: „Warum schwarz-weiß?“ „Das sei das Unmittelbare“, antwortete der Künstler. Auf eine etwas untergegangene Frage zur Technik äußerte er sich dahingehend, dass er leichtes Gepäck und eher einfachere Kameras bevorzuge. Die Umwandlung in Schwarzweiß erfolge am Computer, Details würden alleine durch die Beeinflussung des Kontrastes sichtbar.
Die Standorte grenzte Watteler nur allgemein ein, darunter die Schweiz, Tirol, Südtirol, Österreich und die Voralpen. Selbst bezeichnet er sich als „eingefleischter Schneeschuh-Bergsteiger“. Veronika Fluhrer hatte diese Bilderschau andernorts gesehen und sich gefragt, ob das nicht im hiesigen Pfarrverband möglich sein könnte. Das war es, und so ist daraus eine Gemeinschaftsarbeit der sieben Pfarreien Maitenbeth, Rechtmehring, Haag, Oberndorf, Kirchdorf, Ramsau und Reichertsheim geworden. Und: Pfarrer Pawel Idkowiak habe das Vorhaben gleich unterstützt.
Um die reibungslose Technik kümmerte sich der Haager Fotoclub und einen besonderen Bezug stellte der Alpenverein dar. Denn er unterhält auf der Maukspitze im Kaisergebirge ein Kreuz, das nun im Juni erneuert werden soll. Wer die Bilder noch einmal anschauen mag, hat dazu im Juli die nächste Gelegenheit. In der Münchner Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen sind sie in ausgedruckter Form vier Wochen lang ab 5. Juli innerhalb des Themas „Kreuzungen“ zu sehen.