Politik als Familiensache

von Redaktion

In Mühldorf und Ampfing engagieren sich Vater-Tochter-Gespanne gemeinsam

Auch Mühldorf hat ein Vater-Tochter-Gespann mit Isabella und Franz Strohmaier. Foto Behringer

Mühldorf/Ampfing – Kommunalpolitik ist nicht nur die Politik, die dem Bürger und Wähler am nächsten ist. Kommunalpolitik ist manchmal auch Familiensache im besten Wortsinne. So auch wieder in den neuen Stadt- und Gemeinderäten, die im Mai ihre Arbeit aufnehmen. Zum Beispiel im Stadtrat Mühldorf und im Gemeinderat Ampfing. Hier politisieren und entscheiden künftig Vater-Tochter-Gespanne mit: Isabella und Franz Strohmaier für die CSU in Mühldorf sowie Katharina und Rainer Stöger für die Grünen in Ampfing.

Vertrauen, Verlässlichkeit, Respekt – diese Werte, die sich viele Politiker im Wahlkampf auf die Fahnen geschrieben haben, sind bei Isabella und Franz Strohmeier die Basis ihrer Beziehung. Die beiden verstehen sich wunderbar und sind in vielerlei Hinsicht ein tolles Team. Der Vater gibt seine Erfahrungen weiter, ohne seine Tochter in eine bestimmte Richtung zu drängen. „Es ist nicht so, dass die ältere Generation auf irgendetwas beharrt, ich kann frei entscheiden“, betont Isabella und Vater Franz ergänzt: „Sie hat vieles von mir verinnerlicht, aber sie darf alles so fortführen, wie sie mag. Ich werde mich nicht einmischen.“

Das gilt nicht nur für die Politik. Die 27-Jährige absolviert derzeit die Meisterschule fürs Konditorenhandwerk und wird einmal den elterlichen Betrieb – die Bäckerei und Konditorei Strohmaier in Mühldorf – übernehmen. Schon jetzt arbeiten Tochter und Vater tagtäglich eng zusammen. „Und das klappt wunderbar“, lacht die angehende Stadträtin. Was privat und beruflich funktioniert, verspricht also auch politisch gut zu werden. „Wir freuen uns sehr darauf, zusammen im Stadtrat zu sitzen“, sagt Franz Strohmeier.

Während er bereits zum fünften Mal dieses Amt bekleidet, wurde seine Tochter im zweiten Anlauf heuer zum ersten Mal gewählt. Ein Neuling in Sachen Politik ist sie aber nicht. „Ich bin schon seit zwölf Jahren bei der Jungen Union. Das politische Interesse ist über meinen Vater entstanden.“ Der habe ihr schon in jungen Jahren gepredigt, bevor man über die Kommunalpolitik schimpft, solle man erst mal bei einer Stadtratssitzung dabei sein. „Ein kostenloses Theater“, lacht Franz Strohmeier.

Ihn freut es sehr, wenn sich junge Menschen in der Politik engagieren, denn „es muss ja weitergehen“. Mit seiner Tochter und Tobias Wapler habe die Mühldorfer CSU gleich zwei junge Mitglieder in den Stadtrat gebracht. „Darüber sind wir sehr froh. Man sollte seine politische Laufbahn so bald beginnen, wie es geht, denn das sind die Lehrjahre der Politik.“ Auf ihre „Lehrjahre“ freut sich Isabella Strohmaier sehr. „Ich bin interessiert, möchte Erfahrungen sammeln und anpacken“, sagt sie.

Gemeinderatsarbeit
soll im Team passieren

Auch Rainer Stöger aus Ampfing freut sich, dass seine Töchter politisch interessiert sind. „Wenn Katharina nun neben mir im Gemeinderat sitzt, wird das aber nicht anders sein, als mit Andrea Weiner und Christian Ott“, sagt Stöger, der mit Weiner und Ott bisher die Grünen im Gemeinderat vertreten hat. „Wir werden das Ganze als Team angehen“, versichert Katharina (39). „Für mich ist die ganze Gemeinderatsarbeit neu, von daher bin ich froh, jemand Erfahrenen an meiner Seite zu haben.“

Isabella Strohmaier hat für Mühldorf schon Prioritäten. Thema Nummer eins sind für sie die Turnhallen und Sportplätze. „Die befinden sich in katastrophalen Zuständen, da muss etwas passieren“, betont sie. Und auch dieser Punkt verbindet sie mit ihrem Vater: Beide schreiben dem Sport einen hohen Stellenwert zu, waren und sind in Vereinen aktiv – Isabella beim Volleyball und Tennis, Franz beim Fußball, Tennis, Golf und Wassersport. „Der Sport verbindet, das hat er immer schon“, so Franz.

Viele Gemeinsamkeiten und gleiche Interessen also beim Strohmaier-Duo. „Wir sind aber nicht immer einer Meinung“, betonen Vater und Tochter. Ob sie etwaige Meinungsverschiedenheiten im Stadtrat entzweien könnten? „Ich glaube nicht“, lacht Isabella. „Es ist überhaupt nicht schlimm, anderer Meinung zu sein. Wir diskutieren gerne miteinander.“

Solange die Diskussionen auf einer respektvollen Ebene verlaufen, sei alles in Ordnung und es mache Spaß, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen, ergänzt Vater Franz. „Wir reden auch jetzt schon viel über Politisches und tauschen uns aus.“ Angst vor Streitereien mit seiner Tochter habe er nicht.

Das teilt Franz Strohmaier mit dem Ampfinger Stöger: „Es wird nicht anders sein, als wenn jemand anderes in unserer kleinen Fraktion dabei wäre. Unterschiedliche Meinungen werden besprochen und helfen meistens beiden weiter. Es geht ja um die Sache, um unser schönes Ampfing.“

Auch für seine Tochter Katharina können verschiedene Ansichten „manchmal sogar hilfreich sein, um alle Aspekte zu betrachten“. Auch privat seien sie nicht immer einer Meinung, „wir konnten uns aber bei wichtigen Themen immer einigen“.

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