Schönberg – Dass Bürgermeister Alfred Lantenhammer dem Thema erneuerbare Energien immer schon aufgeschlossen gegenübersteht, ist kein Geheimnis. Fernwärmeversorgung im Ort, großflächige Photovoltaikanlagen auf großen Arealen und auch die Windkraft soll Einzug halten in der Gemeinde Schönberg. In Zeiten, in denen fossile Energieträger, nicht zuletzt auch wegen des aktuellen Iran-Krieges, zunehmend teurer werden, heißt es nun, die Fühler nach Formen der Energiespeicherung auszustrecken.
Testmodell in
Schönberg geplant
Schönberg will als gutes Beispiel vorangehen, könnte jetzt sogar als Pilotgemeinde den Zuschlag für den Bau einer „reversiblen Druckluftanlage“ bekommen. Eine solche Anlage gibt es als Testmodell bereits. Erfinder Georg Tränkl aus Schwaben hat einen Testspeicher bei sich zu Hause stehen. Freilich alles noch im Versuchsstadium. Nichts, was bereits auf Masse produziert werden könnte. Denn es fehlen schlichtweg langfristige Erfahrungswerte und die dafür notwendigen Daten.
Auf dem Weg dorthin beschreitet die Gemeinde Schönberg nun verschiedene Wege. Ein Pfad führt über eine Machbarkeitsstudie. Diese soll Einblicke liefern, wie dieser „reversible Druckluftspeicher“ seine Energie ins Fernwärmenetz und ins Stromnetz der Gemeinde Schönberg einspeisen beziehungsweise ins System integrieren könnte. Der „reversible Druckluftspeicher“ erzeugt nämlich auch Abwärme, die günstig ins Wärmenetz fließen könnte.
Hauptziel sei nach Angaben von Bürgermeister Lantenhammer, herauszufinden, welche Größe der Druckluftspeicher haben sollte. „Damit da nicht am Bedarf vorbei geplant wird.“
Hilfe von der
Hochschule in München
Hilfe bekommt die Gemeinde Schönberg von der Hochschule in München. Annika Fricke, die an der Hochschule in München Elektrotechnik studiert, will eine Bachelor-Arbeit über das Projekt in Schönberg schreiben, die sich mit der Nutzung von Überschussstrom aus Windrädern und Photovoltaikanlagen befasst. Die Hochschule München übernimmt in diesem Zusammenhang zentrale Aufgaben, unter anderem im Rahmen einer kostenfreien Machbarkeitsstudie. Auf Basis dieser Berechnungen soll später der Prototyp dimensioniert werden.
Im Herbst und Winter könnte die Speicheranlage vom Wind profitieren, im Sommer dann von der PV-Anlage in Grabing. Lantenhammer rechnet damit, dass das Ergebnis der Arbeit Anfang der zweiten Jahreshälfte vorliegt. „Dann haben wir die Voraussetzung für das Förderprogramm.“
Wenn Lantenhammer vom Förderprogramm spricht, dann meint er das Förderformat „Vorkommerzielle Auftragsvergabe“ des Bundeswirtschaftsministeriums, das gezielt den „Langzeitenergiespeicher“ in den Fokus gerückt hat (siehe Kasten).
Und das begründet das Ministerium damit, dass die „wetterbedingte Volatilität der Stromerzeugung“ mit wachsendem Anteil von Wind- und PV-Strom zunehme. Das Risiko von Versorgungsengpässen während sogenannter Dunkelflauten steige an, diese könnten von Stunden bis zu mehreren Tagen dauern. In einem defossilisierten Energiesystem müssen diese Phasen durch Flexibilitätsoptionen ausgeglichen werden, heißt es dazu vom Ministerium.
Alternative zu den bereits
bekannten Speichern
Netzausbau auf europäischer Ebene und Verbrauchsanpassungen seien zwar notwendig, reichten aber allein nicht aus, zumal nichtfossile Langzeitspeicher wie erneuerbarer Wasserstoff bisher nicht flächendeckend verfügbar seien.
Als Ziel des PCP gelte daher die Entwicklung skalierbarer, weitgehend standortunabhängiger Langzeitspeicher als zentrale Infrastruktur. Im Fokus stehen laut Ministerium nicht Weiterentwicklungen bestehender Wasserstoff- oder Lithiumspeicher, sondern neue Technologien mit günstigen Kosten- und Verlustprofilen für Entladedauern von etwa zehn bis 150 Stunden.
Im Optimalfall
zahlt der Bund alles
Für Lantenhammer „Wasser auf die Mühlen meiner Tätigkeit“, wie der Schönberger zusammenfassend feststellt. Die Entwicklung eines Druckluftspeichers passe genau ins Bild, wonach das Wirtschaftsministerium suche. Besonders reizvoll: Wenn das Schönberger Pilotprojekt aufgenommen wird, erfolgt die Finanzierung laut Lantenhammer zu 100 Prozent über den Bund.
Der Ablauf ist klar strukturiert: Zunächst wurde ein Fragebogen ausgefüllt, dessen Auswertung im Sommer erfolgen soll. Im Anschluss sind Gespräche geplant. Daraufhin könnte das Wirtschaftsministerium aktiv werden und einen Auftrag an die Gemeinde Schönberg vergeben – mit dem Ziel, einen solchen Druckluftspeicher zu realisieren. Der Start der ersten Projektphase ist für den 1. November 2026 vorgesehen. Lantenhammer ist optimistisch.
Projekt ist auf
drei Jahre angelegt
Innerhalb von zwei Jahren könnte ein Prototyp entstehen, insgesamt ist das Projekt auf rund dreieinhalb Jahre angelegt. Ob es dazu kommt, hängt jedoch von der Zahl und Qualität der Bewerbungen ab. Klar ist: Es geht nicht um Serienproduktion, sondern um den Nachweis der Technik – mit dem Potenzial für ein zukunftsweisendes Leuchtturmprojekt.