Waldkraiburg – „Respekt voreinander haben und Rücksicht nehmen, alle Höhen und Tiefen zusammen meistern“, das geben Johanna und Andreas Sutoris als ihr „gutes Ehe-Rezept“ preis. Dass sich dies bewährt hat, davon zeugt, dass sie nunmehr seit 65 Jahren miteinander verheiratet sind und somit kürzlich ihre eiserne Hochzeit feiern konnten. „Bei den schönen Jahren vergisst man auch die schweren Zeiten. Wir haben uns immer gut verstanden und das Wichtigste für uns ist, dass es in unserer großen Familie allen gut geht“, erzählt das sympathische Jubelpaar.
Sie sind beide im selben Ort, Hetzeldorf im Kreis Hermannstadt, aufgewachsen – wie so manche Paare aus Siebenbürgen. Im gleichen Dorf sind sie geboren, in den Kindergarten und auch dort zur Schule gegangen. Erst später bei den Jugendveranstaltungen „hat es gefunkt“ und sie wurden ein Paar. „Bei uns gab es damals schöne Feste für die Jugend, etwa im Fasching oder den Ostertanz. Es waren alles deutsche Veranstaltungen und unsere Gemeinde war auch deutsch“, denkt Johanna an ihre alte Heimat zurück. Andreas Sutoris kam 1937 in Hetzeldorf/Rumänien auf die Welt und wuchs mit zwei Brüdern auf. Er musste hart in der Landwirtschaft arbeiten, denn sein Vater ist im Krieg umgekommen. Im Jahr 1941 wurde seine Frau Johanna ebenfalls in Hetzeldorf geboren. Sie hatte zwei Schwestern und war ebenfalls in der Landwirtschaft tätig. „Bei uns arbeitete alles in der LPG“, erinnert sie sich. Am 7. April 1961 heirateten Andreas und Johanna Sutoris im heimischen Standesamt, die kirchliche Trauung folgte dort am 15. April. „Wir feierten eine schöne Hochzeit daheim mit etwa 75 Gästen und es war sehr schönes Wetter. Dazu wurde geschlachtet und alle halfen mit, denn es war eine schwere Zeit damals. Vorher mussten wir im Rathaus auch schon Eier und andere Lebensmittel abgeben“, erinnert sich das Jubelpaar. Aus der glücklichen Ehe gingen zwei Söhne und zwei Töchter hervor.
Andreas richtete als gelernter Maurer das Haus seiner Oma her, in dem die Familie wohnte. Es gab immer viel Arbeit und einen Urlaub kannten sie nicht. Selten reichte es für Wochenend-Auszeiten. Nachdem die Kinder bereits 1990 nach Deutschland ausreisten, folgte ihnen das Elternpaar im Jahr 1992 nach. „Wir haben innerhalb von drei Monaten dort alles zurückgelassen und wollten nah bei unseren Kindern sein“, erinnert sich die Jubilarin. Sie und ihr Mann kamen dann nach Neumarkt-St. Veit, wo sie zwölf Jahre wohnten. In dieser Zeit war Johanna als Reinigungskraft bei Erko tätig und Andreas arbeitete auf dem Bau bis zu seiner Rente.
2004 zogen sie nach Waldkraiburg, wo sie sich in ihrer Wohnung in der Nelkenstraße sehr wohlfühlen. Sie bewältigen ihren Haushalt noch selbst, bei Einkäufen werden sie von den Kindern unterstützt. Hat Jubilar Andreas auch gesundheitliche Probleme zu bewältigen, „so hilft er etwa mit Kartoffelschälen oder auch Messerschleifen fleißig mit“, bestätigt seine Gattin. „Auch auf seinem Tablet ist Papa noch sehr fit und schreibt uns gerne Nachrichten. Zusammen sind sie beim täglichen ‚Rummy-Cup‘-Spielen unschlagbar, das beherrschen sie ganz super“, weiß die Tochter zu berichten. Die größte Freude ist für das Jubelpaar die Familie, die sich inzwischen mit acht Enkelkindern und sechs Urenkelchen vergrößert hat. Zweiter Bürgermeister Anton Kindermann gratulierte dem Jubelpaar im Namen der Stadt; Glückwünsche kamen auch vom Ministerpräsidenten.