Mühldorf – Diese Premiere ist geglückt – und das sehr beeindruckend: die Big Band des Ruperti-Gymnasiums hat bei ihrem ersten Konzertabend im Alleingang eindrucksvoll gezeigt, dass sie längst das Zeug dazu hat, ein Publikum nicht nur gut zu unterhalten, sondern regelrecht mitzureißen.
Die zur Konzerthalle umgestaltete Turnhalle war brechend voll, die Stimmung von Anfang an hervorragend, und am Ende gab es begeisterten, langen Applaus für einen Abend, der eines ganz deutlich machte: Diese Band ist ein außergewöhnlicher schulischer Klangkörper.
Die Big Band selbst gibt es seit 2018; gegründet wurde sie von Musiklehrer und Bandleader Markus Jung. Aus den Anfängen mit kleinerer Besetzung ist in den vergangenen Jahren ein bemerkenswert gewachsener Klangkörper entstanden, der sich mit Auftritten bei Schulveranstaltungen und darüber hinaus längst einen Namen gemacht hat.
Nun also der erste komplette Konzertabend in eigener Regie – und der wirkte zu keinem Zeitpunkt wie ein gewagtes Experiment, sondern eher wie ein längst fälliger Schritt. Schon der Einstieg mit dem „Muppet Show Theme“ machte klar, wohin die Reise gehen würde: mit Schwung, Witz und hörbarer Spielfreude. Danach ging es stilistisch munter und klug durch mehrere Jahrzehnte populärer Musik. „Oye Como Va“ brachte früh Bewegung in den Saal, und spätestens mit „Back to Black“ zeigte sich, dass diese Band nicht nur laut und effektvoll kann, sondern auch stilistisch fein arbeitet.
Isabel Aigner als Solostimme gab dem Stück genau die richtige Mischung aus Gefühl, Präsenz und klanglicher Reife. Der Amy-Winehouse-Titel wirkte im Big-Band-Gewand zugleich vertraut und neu.
Naomi Peraza Fernandez verlieh „Hallelujah, I love him so“ ganz viel Ausdruck, Alexandra Springer setzte mit „I’m so excited“ ein echtes Ausrufezeichen, und auch hier sprang der Funke sofort über. Der Song, einst ein großer Tanzflächenhit der Achtziger, ließ diese Zeit im satten Big-Band-Sound noch einmal aufleben. Auch instrumental hatte der Abend einiges zu bieten. Bei „Every little thing she does is magic“ überzeugte Matthias Schrems mit einem schön gesetzten Solo; der Police-Klassiker bekam dadurch zusätzlichen Glanz. Zara Deshpande und Kilian Schrems glänzten in „Fields of Gold“, einem Titel, der in dieser Bearbeitung besonders von den feinen Farben der Band profitierte. Bei „Superstition“ wurde dann hörbar, wie gut Markus Jung sein Ensemble auf Spannung, Rhythmus und Präzision eingeschworen hat: Emma Forster und noch einmal Matthias Schrems setzten starke Akzente, ohne dass das Ganze je auseinanderfiel. Im Gegenteil: Alles klang stimmig, geschlossen und mit genau dem „Drive“, den Big-Band-Musik braucht, um wirklich zu tragen.
Gerade das machte diesen Abend so stark: Hier wurde nicht einfach ein Programm heruntergespielt. Hier war zu spüren, dass sich ein Ensemble gefunden hat, das gemeinsam atmet, gemeinsam phrasiert und vor allem gemeinsam etwas will. Big-Band-Sound ist nur dann wirklich mitreißend, wenn er straff geführt wird, wenn Einsätze sitzen, Spannungen aufgebaut werden und die Solisten vom Ensemble getragen werden. Genau das war in Mühldorf zu erleben. Markus Jung hat seine Schülerinnen und Schüler offenkundig nicht nur für Swing, Soul und Groove begeistert, sondern sie auch mit jenem musikalischen „Virus“ infiziert, ohne den eine Big Band eben nur eine Ansammlung guter Einzelspieler bliebe. So aber wurde daraus ein Konzertabend, der große Lust auf mehr machte. Großes Lob gebührt dem Bandleader, aber ebenso den jungen Musikerinnen und Musikern, die als Team eine beeindruckende Leistung zeigten. Das Ruperti-Gymnasium kann sich glücklich schätzen, einen so starken Klangkörper in seinen Reihen zu haben.
Und das Publikum? Das ließ keinen Zweifel daran, wie gut ihm dieser Abend gefallen hatte: Der Beifall fiel ausgiebig und kräftig aus. Bleibt also nur die Hoffnung, dass diesem ersten Konzert im Alleingang noch viele weitere folgen. Verdient hätte es diese Big Band allemal.