Rekordpreise schocken Bauern und Betriebe

von Redaktion

Die Spritpreise erreichen neue Höchststände und ein Ende ist nicht in Sicht. Besonders Landwirte und Betriebe im Landkreis Mühldorf geraten zunehmend unter Druck. Neben teurem Diesel sorgen auch explodierende Düngemittelpreise für wachsende Existenzängste.

Mühldorf – Die Preise steigen und steigen. Ein Ende ist nicht in Sicht. In den vergangenen Tagen kostete ein Liter Diesel im Bundesdurchschnitt 2,50 Euro – erneuter Negativrekord. Im Landkreis Mühldorf pendelten die Preise am Vormittag immer noch zwischen 2,39 Euro und 2,50 Euro. Und das, obwohl die angekündigte Waffenruhe im Iran-Krieg für eine Entspannung auf den Weltmärkten gesorgt hatte.

Reiche-Vorschlag
greift nicht

Eine bundesweite Lösung? Nicht in Sicht. Denn auch die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) eingeführte Regelung, dass Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich, konkret um 12 Uhr mittags, erhöhen dürfen, greift bislang nicht.

Und die Verbraucher verlieren die Geduld – vor allem in Bereichen, in denen etwa Diesel kurzfristig nicht zu ersetzen ist. „Jetzt ist die Zeit, in der unsere Schlepper auf die Felder müssen, die Düngesaison hat begonnen. Der Iran-Krieg und seine Auswirkungen auf uns Landwirte treffen uns massiv“, klare Worte von Ulrich Niederschweiberer, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes im Landkreis.

Denn nicht nur die Rekordpreise für Diesel treiben die Kosten für die Landwirte nach oben. Auch für Düngemittel müssen die Bauern aktuell Höchstpreise zahlen. Für den Doppelzentner Stickstoffdünger (Kalkammonsalpeter) seien noch vor wenigen Wochen knapp 30 Euro zu zahlen gewesen. Jetzt nähere man sich der 50-Euro-Marke, schildert Niederschweiberer.

„Wer mit dem Lagerhaus einen Vorkontrakt abgeschlossen hat, kommt noch gut durch die Krise. Die Tagespreise jedoch haben sich fast verdoppelt. Und es ist nicht absehbar, wann mit einer Erleichterung zu rechnen ist.“ Denn nicht nur die hohen Erdölpreise hätten teuren Diesel zur Folge – auch die Energiepreise insgesamt verteuerten den Dünger.

Wenn jetzt die Aussetzung der Mineralölsteuer gefordert wird, kann Niederschweiberer das verstehen. Seiner Ansicht nach ist das jedoch zu kurzfristig gedacht. „Das wäre natürlich ein Punkt. Aber da muss man sich überlegen, ob man sich das leisten kann.“ Ihm geht es gegen den Strich, dass die Politik hierzulande für die gegenwärtige Weltlage kritisiert wird, an der Deutschland nicht die Schuld trage.

Stattdessen setzt er auf Durchhalteparolen. „Es bringt nichts, wenn wir jetzt einen Weltuntergang heraufbeschwören.“ Langfristig wäre es sicher nötig, über Alternativen nachzudenken. Kraftstoff aus HVO nennt er in diesem Zusammenhang – verbunden mit dem Hinweis, rechtzeitig auf Krisen reagieren zu können. Er selbst habe, nachdem der Konflikt im Nahen Osten zu schwelen begann, rechtzeitig Düngeverträge nachjustiert.

Niederschweiberer nimmt vielmehr das Kartellamt in die Pflicht, „das bisher nichts gegen die hohen Spritpreise unternommen hat. Da stimmt einfach die Relation nicht mehr.“

Sorgenfalten trägt auch Robert Geisberger, der zusammen mit seinem Bruder Franz in Kaps bei Zangberg einen Agrarhandel betreibt. Er bestätigt die enormen Preisaufschläge, die sich beispielsweise bei Stickstoff ergeben hätten – um bis zu 15 Euro pro Doppelzentner.

„Der Gaspreis hat sich verdoppelt, dazu der feste Rohölpreis.“ Alles habe sich in den vergangenen Wochen verteuert. Alles, was im Zusammenhang mit langen Transportwegen steht, schlage sich am Ende auch auf das Produkt nieder: die komplette Logistik, von der Verschiffung über die Hafengebühren bis zu den Treibstoffkosten der Lkw. Diese Kosten müssten abgebildet werden, sagt Geisberger. Einen Mangel, etwa an Düngemitteln, gebe es nicht. „Und wir können nur das abbilden, was der Markt uns vorgibt.“

„Wir sind nur ein kleines Unternehmen, das schon jetzt monatlich 10.000 Euro höhere Treibstoffkosten schultern muss.“ Eine gewisse Zeit lang könne man diesen Weg mitgehen, „aber nicht mehr lange“. Er hofft, dass endlich etwas passiert. Geisberger erhofft sich ein positives Signal aus der Politik. Die Aussetzung der CO2-Steuer wäre ein Instrument, das seiner Ansicht nach schnell und unbürokratisch umzusetzen wäre. „Ungarn, Polen, ja sogar Österreich – andere Länder machen es doch vor, was möglich ist, um Entlastungen herbeizuführen.“

Einer, der seinem Unmut täglich freien Lauf lässt, ist Roland Dichtl. Der Mettenheimer führt einen Hausmeisterservice mit zwölf Angestellten. Täglich verfolgt er die Spritpreise, die offenbar nur einen Weg kennen: „Immer höher. Und das täglich! In den vergangenen Tagen von 2,21 Euro auf 2,30 Euro. Tags darauf von 2,32 auf 2,42 Euro. Wann ist denn die Grenze erreicht?“, fragt der Handwerker, der hauptsächlich mit benzinbetriebenen Geräten arbeitet.

Rasentrimmer, Rasenmäher, Motorsäge: „Hochwertige Geräte, die ich mit hochwertigem Zweitaktbenzin befülle, um die Lebensdauer maximal auszunutzen.“ Den Sprit für seine Husqvarna-Geräte bezieht er über einen Spezialisten aus Neumarkt-St. Veit. Schon jetzt summieren sich seine Mehrkosten für Treib- und Betriebsstoffe auf 30 Prozent. „Selbst bei der Dose mit WD-40-Schmiermittel gibt es jetzt schon einen Preisaufschlag. Mir hilft da keine Pendlerpauschale, um Kosten zu sparen“, ärgert er sich über die Vorschläge der „Experten“ in der Bundesregierung.

Eine solche Pendlerpauschale helfe auch seiner Tochter nichts, sagt Dichtl, die täglich zu ihrem Ausbildungsbetrieb nach Buchbach fahren muss – mit dem Auto. Täglich 60 Kilometer Weg. „Wo soll da ein Tempolimit greifen, auf einer Landstraße, auf der ohnehin nur maximal 100 gefahren werden darf? Auch Fahrgemeinschaften gibt es keine. Und eine Pendlerpauschale kann sie als Auszubildende nicht geltend machen, weil sie ja keine Lohnsteuer zahlt.“ Da habe er sich bereits beim Steuerberater kundig gemacht, sagt Dichtl. „Vielleicht sollte ich mit dem Rasenmäherbulldog langsamer fahren, um Sprit zu sparen?“ Dichtl versucht, seine Wut mit Sarkasmus zu kontern.

Akku-Betrieb,
wo es sinnvoll ist

Wo es geht, setzt er ohnehin schon auf akkubetriebenen Antrieb – etwa beim Rasenmäher oder bei der Heckenschere. Allein im Jahr 2025 habe er dafür 4000 Euro ausgegeben. „Das muss ich erst einmal wieder erwirtschaften!“ Um die Mehrkosten umzulegen, müsste er seine Tarife eigentlich erhöhen. Tut er aber nicht. „Könnte ja sein, dass man zu dem Schluss kommt, sich solche Dienstleistungen in Zukunft nicht mehr leisten zu wollen!“

Die Patentlösung fällt auch ihm nicht ein. Aber Lösungsansätze würde er sich schon erwarten. Ministerin Reiches Preisbremse an Tankstellen sei jedenfalls nicht der Königsweg, findet Dichtl. „Man muss ja die Mineralölsteuer nicht komplett aussetzen. Vielleicht wäre ein Modell denkbar, die Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent zu senken. Oder man setzt die CO2-Steuer aus.“ Er wünscht sich jedenfalls ein Signal, dass man die Sorgen der Bürger ernst nimmt. Doch das sieht er aktuell nicht.

Und so bleibt sein täglicher Blick auf ständig steigende Benzinpreise – und am Ende wieder ein Stück Sarkasmus. „Wenn der Spritpreis mal 3,10 Euro kostet, dann schreibe ich den Sänger ,Markus‘ an, dass er seinen Liedtext ändern soll!“ Der deutsche Sänger aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle hatte 1982 den Song „Ich will Spaß“ interpretiert, darin die Freude am Autofahren glorifiziert – selbst, wenn der Sprit „3,10 Mark“ kosten würde. Dichtls Vorschlag: „Er müsste im Text lediglich das ,Mark‘ gegen ,Euro‘ austauschen!“

Artikel 4 von 11