Mühldorf/Waldkraiburg – 45 Jahre nach seiner Gründung hat der Lions Club Mühldorf-Waldkraiburg eine magische Spendengrenze geknackt. Es muss im Laufe des Jahres 2025 gewesen sein. Wann genau, können aber weder Präsidentin Andrea Mooshammer noch Manfred Putz, Vorsitzender des Lions Clubhilfswerks, sagen: „Wir haben die ganze Zeit geschaut, aber irgendwie haben wir es geschafft, dass wir den Zeitpunkt tatsächlich übersehen haben.“ Den Zeitpunkt, an dem der Wohltätigkeitsclub insgesamt über eine Million Euro an Spenden eingesammelt hat. „Wir hatten einfach zu viel zu tun“, sagt Präsidentin Mooshammer schmunzelnd. Damit, die eingesammelten Spenden zu verteilen. „Jeden Cent, den wir einnehmen, verteilen wir.“ An Vereine, an Schulen, Jugendzentren und Kindergärten sowie vor allem an Menschen in Not.
Am 31. März stand die Spendenuhr bei 1.137.952,36 Euro, die seit der Gründung am 3. März 1980 durch unzählige ehrenamtliche Aktionen zusammengekommen sind. Zum Beispiel durch den Verkauf von Adventskalendern, durch Golfturniere oder den Wanner Charity Business Run. Mit diesen Geldern helfen die „Löwen“ Menschen in Not – unbürokratisch und schnell, dort, wo andere Förderungen und Hilfen enden. „Unser Motto ist ‚Wir dienen‘“, erklärt Putz. „Wir wollen da helfen, wo es wehtut.“ Zum Beispiel dem Rentnerpaar, das gerade kein Wohngeld mehr bekommt, aber nicht mehr wisse, „wie sie Heizöl kaufen sollen“, sagt Präsidentin Mooshammer. Auch die Tafeln werden unterstützt, der Anna Hospizverein für seine Kindertrauerarbeit oder Frauen helfen Frauen. „Das Geld bleibt hauptsächlich im Landkreis.“
Der Lions Club sei entgegen manchem Vorurteil kein Club der Reichen, betont Mooshammer. Sie hätten Mitglieder aus allen Berufen. Allerdings entscheide der Club, wen er aufnehme. Das müssen Menschen sein, die zu dem Vereinsmotto „Wir dienen“ passen, die bereit sind, mitzuarbeiten, und für die mindestens zwei Mitglieder bürgen.
An die Hilfsanfragen stellt der Lions Club keine großen formellen Anforderungen. Es muss aber begründet werden. Die sieben Mitglieder des Vorstands prüfen dann das Anliegen und legen es den Mitgliedern zur Zustimmung vor. Dabei werde genau hingeschaut, sagt Putz. Wellness-Reisen oder „therapeutisches Ferrari-Fahren“ hätten keine Chance. Es gehe um echte Notlagen.
Es gibt etwa Geld für Schulen, damit sie es für bedürftige Schüler verwenden können. „Ein Bub kann nichts dafür, wenn er keinen Füller oder kein Heft hat, weil er es von daheim nicht kriegt, oder wenn für Hausschuhe kein Geld da ist“, sagt Putz, der Schulleiter der Comeniusschulen in Töging ist. „Da schauen wir hin.“
Da unterstützt der Lions Club eine Familie mit einem behinderten Kind mit einem besonderen Zimmer. „Darin kann es jetzt seine Aggressionsanfälle ausleben und hat dadurch die Möglichkeit, daheim zu sein“, sagt Mooshammer.
Besonders ein Erlebnis bleibt Putz im Gedächtnis: eine Schülerin, die abends im Dunkeln Mülltonnen durchsuchte. „Nach außen war sie immer sauber, hat nie gejammert, man hat ihr nie was angesehen.“ Doch daheim gab es nichts zu essen, ihr Bett war nur ein Stapel Zeitungen.
„Wir jammern, weil wir einen Kratzer am Auto haben – und dann sieht man so ein Schicksal“, meint Putz, „da wird man wieder geerdet.“ Und Mooshammer ergänzt: „Da stellt man sich im Winter gerne mal wieder einen Tag an den Stadtplatz und verkauft Adventskalender.“
Über eine Million Euro haben die Mitglieder im Lions Club Mühldorf-Waldkraiburg seit 1980 eingesammelt und wieder verteilt. Eine erfreuliche Marke, doch das Engagement geht weiter, solange es im Landkreis Kinder gibt, die auf Zeitungen schlafen, oder Senioren, die in der Kälte sitzen. Die „Löwen“ ruhen sich nicht aus, sammeln weiter. „Die Spenden kommen an“, versichert Mooshammer: „Sie können uns guten Gewissens unterstützen und helfen.“