Drei Monate an der Deutschen Botschaft

von Redaktion

Zwischen Innufer und Weißem Haus: Ein Mühldorfer (26) blickt hinter die Kulissen der Macht

Vor dem Washington Monument am Tidal Basin waren schon die Kirschblüten zu sehen.

Mühldorf/Washington – Von Mühldorf aus in die große weite Welt, dort die Bundesrepublik Deutschland vertreten und an Bundeskanzler Friedrich Merz berichten, das hat der 26-jährige Mühldorfer Dr. Milot Spörl erlebt: Der angehende Jurist hat im Zuge seines Referendariats drei Monate an der deutschen Botschaft in Washington D.C., dem „Machtzentrum der Welt“, gearbeitet, er hat Ministerbesuche mit vorbereitet und war bei globalen Krisen vor Ort.

Nach dem ersten Staatsexamen haben angehende Juristen ein Referendariat, eine praktische Ausbildung, in der sie verschiedene Stationen durchlaufen. Im Zuge dessen bot sich für Spörl die Gelegenheit, in den diplomatischen Dienst reinzuschnuppern. „Ich hatte Glück“, sagt der 26-Jährige, dass sein Wunschort Wirklichkeit wurde: Washington. Dort durfte er „an der diplomatischen Beziehung zu den USA in all ihren Facetten mitarbeiten“.

Keine Eingewöhnungszeit
wegen der politischen Lage

Der Start hätte kaum turbulenter sein können. Nur einen Tag nach seinem Dienstantritt am 2. Januar nahmen US-Spezialkräfte den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro fest. „Ein Vorgang, der weltweit für Aufsehen sorgte und mir nicht viel Eingewöhnungszeit in die Arbeit an der Botschaft ließ“, erinnert sich Spörl.

Die Botschaft in Washington ist mit über 200 Mitarbeitern die größte Auslandsvertretung Deutschlands. Dort hat Spörl der Generalkonsulin, die die Rechtsabteilung leitet, zugearbeitet. „Da fällt sozusagen alles an, was im weitesten Sinne einer rechtlichen Würdigung bedarf. Und da ist in letzter Zeit natürlich einiges angefallen“, sagt Spörl. Konkreter dürfe er nicht werden.

Viel Arbeit. Schließlich sind „das Auswärtige Amt in Berlin, aber natürlich auch das Bundeskanzleramt und die Ministerien immer sehr daran interessiert, eine Einschätzung von vor Ort zu haben“, erklärt Spörl. Diese Berichte gehen immer auch über die Rechtsabteilung.

Spörl lernte ebenso, wie kurz dabei manche Wege sind. Einer seiner Berichte landete direkt auf dem Schreibtisch von Bundeskanzler Friedrich Merz. „Mein erster Gedanke war: Hoffentlich war da kein Rechtschreibfehler drin“, schildert Spörl. Aber auch hier: keine Details; Verschwiegenheitspflicht. Viel Einarbeitungszeit gab es nicht, so Spörl. Man werde schnell ins kalte Wasser geworfen: „Man wird wahrgenommen. Nicht als 26-jähriger Neuling auf dem Gebiet, sondern als Vertreter Deutschlands.“ An der Botschaft habe eine fast familiäre Atmosphäre geherrscht, erzählt Spörl: deutsche Bundespolizisten am Eingang und die vertrauten Porträts des Bundespräsidenten und Außenministers in der Halle. „Auf dem Gelände der Botschaft fühlt man sich sehr heimisch. Die Arbeitsweise: pünktlich, präzise und in gewählter Sprache.“ Der junge Mühldorfer hat auch Ministerbesuche mitvorbereitet, zum Beispiel den Besuch des bayerischen Justizministers Georg Eisenreich, der sich über künstliche Intelligenz auch im Justizsystem erkundigen wollte. Die Botschaften würden im Vorfeld nach geeigneten Gesprächspartnern suchen, erklärt Spörl. Er konnte den Minister auch zu offiziellen Gesprächen begleiten: „Dadurch durfte ich sozusagen die deutsche oder die bayerische Delegation mitvertreten.“ Diplomatie finde nicht nur in Büros und Konferenzräumen statt, hat Spörl erlebt. Unter der Woche gebe es auch fast keinen Feierabend. Empfänge und Abendveranstaltungen gehören auch dazu. „Hier merkt man, dass diplomatische Arbeit zu einem wesentlichen Teil aus Gesprächen und Kontakten besteht, die im informellen Rahmen geschlossen werden.“ „Die amerikanische Seite schaut sehr genau darauf, was wir als Deutschland machen“, hat Spörl erfahren. Gerade auf Arbeitsebene werde der Kontakt zu Europa und Deutschland gesucht. „Ich glaube, die Amerikaner wollen auf jeden Fall vermeiden, Europa und Deutschland als Partner zu verlieren.“ Sein Eindruck aus vielen Gesprächen: „Europa ist nach wie vor sehr hoch im Kurs und die europäische Meinung ist vielleicht jetzt sogar gefragter denn je.“

Auch abseits der Botschaft war Washington mit seiner Lebensqualität, seinen Museen und der „Mall“, die vom Kapitol über das Weiße Haus bis zum Lincoln Monument reicht, beeindruckend. Dennoch: Die Sehnsucht nach der Heimat blieb; Ende März ging es zurück an den Inn.

Nach Amerika gleich
weiter nach Brüssel

Aber nur kurz. Aktuell ist Spörl für drei Monate in Brüssel bei der EU-Kommission im Generaldirektorat für Wettbewerb.

Dann ist für ihn erst einmal Schluss mit den Ausflügen in die weite Welt. „Das ist auch gut so“, sagt Spörl. In der weiten Welt merke man, „dass die Luft bei uns im wahrsten Sinne des Wortes eine ganz andere ist. Im Ausland lernt man immer wieder zu schätzen, wie gut wir’s doch haben. Wir haben es in Deutschland, aber im Speziellen auch bei uns in Bayern sehr gut.“

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