Nachtfahrverbot für Mähroboter gefordert

von Redaktion

Mähroboter werden für Igel immer häufiger zur tödlichen Falle. Besonders nachts sind die Tiere gefährdet, da sie bei Gefahr nicht fliehen, sondern sich zusammenrollen. Eine Tierschützerin aus Töging fordert deshalb ein Nachtfahrverbot für die Geräte, wie es andernorts bereits existiert.

Töging – Mähroboter unterstützen die menschliche Bequemlichkeit auch in kleinsten Gärten, und richtig teure Modelle für mehrere tausend Euro können noch dazu dem Nachbarn den Neid ins Gesicht treiben. Mindestens einmal pro Woche oder sogar täglich setzen sich die Geräte selbstständig in Bewegung und schneiden den Rasen meistens raspelkurz.

Dabei nehmen die Maschinen wenig Rücksicht auf Hindernisse. Kleintiere, wie Frösche, Echsen und Insekten gehören genauso zu ihren Opfern, wie auf dem Rasen vergessenes Spielzeug oder Gummistiefel. „Diese Roboter schreddern alles“, sagt Steffi Katzwinkel von der Intensiv Igelpflege Töging. Sie ist tiermedizinische Fachangestellte, hat vor 14 Jahren ihren ersten Igel aufgepäppelt und ist den kleinen Stacheltieren seither verfallen.

Mähroboter können
Igel skalpieren

Sie ist überregional die Anlaufstelle für schwerste Igel-Notfälle. Die Tiere werden ihr etwa von anderen Igelstationen aus Straubing, Amerang oder Ebersberg gebracht. Das reicht über Unfallopfer mit Schädelhirntrauma, über Krebsfälle, bis zu von Hunden beinahe zerfleischten Igeln. 2025 waren insgesamt 1152 Igel-Patienten in ihrer Obhut. Heuer hatte sie bis Ostern schon 121 Fälle. Immer wieder bekommt sie auch die schwer verletzten Opfer von Mährobotern oder von Freischneidern zur Pflege. Diese Tiere haben oft kreisrunde, blutende Schnittverletzungen, wurden regelrecht skalpiert und es fehlen ihnen sogar Beine oder Augen und Ohren. Mithilfe von Operationen und dank aufwendiger Nachsorge überleben die meisten und können wieder in die Natur entlassen werden.

„Igel sind in der Dämmerung und nachts besonders stark gefährdet“, weiß sie. „Sie fliehen nicht bei Gefahr, sondern rollen sich ein, sitzen Gefahren aus und werden dann von den Messern der Roboter schwer verletzt. Jungtiere auf ihren Ausflügen aus dem Nest werden regelrecht gehäckselt.“ Viele der verwundeten Tiere werden nicht entdeckt. Sie ziehen sich zurück und verenden im schlimmsten Fall an Wunden, die sich entzünden oder in denen Fliegen ihre Eier ablegen.

Aber auch am Tag werden Igel zum Opfer der Mähroboter. „Kranke Tiere sind am Tag unterwegs, sie laufen Menschen geradezu in die Füße, um Hilfe zu bekommen“, erklärt Katzwinkel. Auf offener Rasenfläche haben sie dann keine Chance gegen die anrollenden Maschinen. Deshalb fordert die Igelretterin: „Mähroboter sollten nur unter Aufsicht laufen.“

Selbst Geräte mit sogenanntem „Igelschutz“ sind kein Garant für die Sicherheit der stacheligen Gesellen, das hat die Stiftung Warentest in einer aktuellen Untersuchung mit Igelattrappen festgestellt. Steffi Katzwinkel hat auch noch keinen gefunden, der seinen Fuß vor seinen „igelsicheren“ Mähhelfer gestellt hätte, um dessen angeblich 100-prozentige Sicherheit zu testen.

Sie wünscht sich dringend ein Nachtmähverbot für diese Geräte. „Das wäre ein Etappensieg“, sagt sie. Doch das allein würde nicht ausreichen, um Igel zu schützen, von denen es immer weniger gibt. „Es gibt schon über 70 Prozent weniger Insekten, die Hauptnahrungsquelle der Igel. Dazu kommen immer mehr Schottergärten und von Mährobotern totgemähte Wiesen, in denen kein Insekt mehr lebt.“ Katzwinkel befürchtet, dass Igel schon in 20 Jahren ausgestorben sein könnten. Dabei gibt es Igel in Europa schon seit ungefähr 15 Millionen Jahren. Sie stehen unter Artenschutz.

Um Igel wenigstens vor der Mähgefahr zu schützen, hat sich jetzt auch der Deutsche Städtetag für ein bundesweites Nachtfahrverbot für Mähroboter ausgesprochen. Auch die Grünen im Bayerischen Landtag haben sich schon 2024 dafür stark gemacht, sind aber damit gescheitert. Im Osten Deutschlands haben einige Kommunen selbstständig gehandelt und entsprechende Fahrverbote erlassen.

Wie es Städte in der Region halten, haben die OVB- Heimatzeitungen in den Rathäusern erfragt. In Töging gibt es kein Nachtmähverbot, teilt der noch amtierende Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst höchstpersönlich mit. „Meines Erachtens ist das auch eine Angelegenheit, die einheitlich geregelt werden sollte“, so Windhorst. „Es wäre ja schon irgendwie komisch, wenn in der einen Stadt ein Mähverbot besteht und in der Nachbarstadt nicht.” Die Stadt Töging habe keine Mähroboter im Einsatz, auch nicht auf Sportplätzen oder Ähnlichem. „Ich bin kein Freund von Mährobotern”, verrät er.

Kurz und knapp antwortet Teresa Harreiner für die Stadt Mühldorf: „In Mühldorf besteht kein Nachtfahrverbot für Mähroboter und es gab bislang auch keinen entsprechenden Vorstoß im Stadtrat oder den Ausschüssen.“ Dasselbe gilt für Waldkraiburg. Aus dem Rathaus der Stadt Burghausen heißt es, dass ein solches Nachtmähverbot „bisher im Haus noch kein Thema war und auch bisher keine etwaigen Vorfälle bekannt sind“.

Statt auf die große, bundeseinheitliche Lösung zu warten, haben in Bayern zum Beispiel Regensburg und der Landkreis Schwandorf im März 2026 Fakten geschaffen. Mit einer Allgemeinverfügung ist dort „der Betrieb von Mährobotern in der Zeit von einer halben Stunde vor Sonnenuntergang bis einer halben Stunde nach Sonnenaufgang des folgenden Tages verboten“. So einfach kann es also gehen. Auch die Ortsgruppe des Bund Naturschutz Wasserburg setzt sich gegen Mähroboter ein. Der Vorsitzende Max Finster schrieb einen Baumarkt an, weil der für den Kauf eines Mähroboters warb. Finster bat um einen „Beipackzettel“ zu den Geräten. Darin sollen Käufer darauf hingewiesen werden, welche „ökologischen Schäden Mähroboter verursachen, insbesondere wenn sie in den Morgen- und Abendstunden und in der Nacht laufen“. Noch besser, solle der Baumarkt darüber nachdenken, Mähroboter vollständig aus dem Sortiment zu nehmen – als „starkes Zeichen für ihren Einsatz um das Wohl unserer Umwelt“.

Nur Spenden halten
die Igel am Leben

Die Igelhilfe Töging kann bei Notfällen auf Whatsapp angeschrieben werden, die Nummer ist 0175/8817390. Auf Facebook – Intensiv Igelpflege am Inn – veröffentlicht Steffi Katzwinkel immer wieder Fotos ihrer Pflegefälle. Am 19. April, von 13 bis 17 Uhr, wird sie mit einem Infostand beim Frühlingsmarkt im Tierheim Winhöring vertreten sein. Ihre ehrenamtliche Arbeit für die Igel finanziert Katzwinkel übrigens aus eigener Kasse und über Spenden, die für die Igel natürlich immer nötig und willkommen sind.

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