Vom Projekt zum Problemfall

von Redaktion

Einst galten die Wohnblöcke im Föhrenwinkel in Waldkraiburg als Vorzeigeprojekt, nun werden sie abgerissen. Die Stadtbau als Eigentümerin hat bereits Pläne, wie es mit dem Areal weitergehen soll.

Waldkraiburg – Neben blühenden Kirschbäumen rollen Bagger und Container füllen sich. Das Bild, das sich derzeit bei den Holzwohnblöcken im Waldkraiburger Stadtteil Föhrenwinkel zeigt, könnte die Situation nicht treffender zeigen. Die Blüte ist das Zeichen des Frühlings, Erwachens und Fortschritts. Für Fortschritt standen in den 90er-Jahren auch die neuen Wohnungen im Eulenweg.

Wohnblöcke galten
als innovativ

Damals galt das Projekt als innovativ, modern und experimentell: Die Wohnungen stachen optisch heraus: komplett aus Holz gebaut, die oberen Etagen über einen Laubengang erreichbar, das Dach flach und ein Teil des Gebäudes auf Stützen. Doch nach knapp 30 Jahren scheint von der anfänglichen Blüte nichts mehr übrig. Die beiden Wohnblöcke stehen seit August 2025 leer und werden nun abgerissen.

Schon im Oktober erklärte die Stadtbau Waldkraiburg als Eigentümerin der Gebäude gegenüber unserer Zeitung, dass ihr diese Entscheidung nicht leichtgefallen sei. Die Holzkonstruktion sei zu stark beschädigt, eine Sanierung rechne sich wirtschaftlich nicht.

Probleme gab es seit 2021. Ein Hagelsturm beschädigte die Bauten, was jedoch noch repariert werden konnte. Doch 2023 kam der nächste Schlag. Ein Wasserschaden brachte das gesamte Ausmaß des Schadens ans Licht. „Aus heutiger Sicht wurden beim Bau manche Dinge nicht so ausgeführt, wie man es heute macht“, erklärte Stadtbau-Geschäftsführer Martin Reitmeyer. Die Dampfsperre sei zu wenig dicht gewesen, tragende Balken seien verfault. „Es mussten sofort Notabstützungen eingezogen werden“, so Reitmeyer. Ein Teil der Wohnungen wurde sofort geräumt.

Es folgte ein Expertenteam, das die Gebäude auf Bauphysik und Brandschutz untersuchte und Mängel fand. Eine Sanierung würde rund 8,5 Millionen Euro kosten, sagte Reitmeyer. Ein Neubau liege im gleichen Bereich. Letztlich entschied sich die Stadtbau gegen eine Sanierung. Die Mieter wurden nach und nach in andere Stadtbau-Wohnungen umgesiedelt. Für die Stadtbau war das eine wirtschaftliche Katastrophe: „Die Gebäude sind noch nicht abbezahlt, die Mieteinnahmen fehlen jetzt natürlich“, sagte Reitmeyer im Oktober.

Damals meinte Reitmeyer noch, die Stadtbau plane, die Gebäude zu verkaufen. Daraus wurde jedoch nichts. „Die Liegenschaft wurde nicht verkauft“, erklärt Reitmeyer nun. Die Wohnungen werden bereits abgerissen. In zwei bis drei Monaten sollen sie weg sein.

Die Grundstücke will die Stadtbau laut Reitmeyer behalten. „Sie sind strategisch bedeutsam“, sagt er. In Zukunft soll hier wieder Wohnraum entstehen. Wann das so weit ist, steht bislang nicht fest. „Vorerst konzentriert sich die Stadtbau auf das Neubauprojekt am Schweidnitzer Weg“, erklärt Reitmeyer.

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