Mühldorf – Tragische Osterei-Suche im Wald: Drei junge Menschen sind während der Feiertage in einem Wald in Schleswig-Holstein gestorben. Eine junge Mutter (21) und ihr zehn Monate altes Baby sowie eine 16-jährige Teenagerin wurden unter einem umstürzenden Baum begraben. Die Esche war wohl geschwächt, sollte im Herbst 2026 gefällt werden. Die entsprechende rote Markierung hatte sie bereits.
In Ecksberg wurde einst
der gesamte Hang gerodet
Markierte Bäume sieht man auch in unserer Region immer wieder, kurz bevor sie gefällt werden. Besonders in den Innauen. Dort, wo bis vor gar nicht allzu langer Zeit noch mächtige Eschen den besonders bei Joggern beliebten Waldweg flankierten, werden regelmäßig Baumfällungen durchgeführt. In der Stiftung Ecksberg musste vor einigen Jahren ein kompletter Hang gefällt werden. Der Grund: ein gefährlicher Pilz, der selbst robuste, jahrzehntealte Bäume so schwächt, dass sie eine Gefahr für das Leben darstellen.
Flussmeisterstelle sieht
sich Bäume genau an
„Dort, wo die Verkehrssicherheit gefährdet ist, müssen wir solche Baumfällungen vornehmen“, erklärt Robert Wimmer, Dienststellenleiter der Flussmeisterstelle in Wasserburg, die auch für einen Bereich der Innauen zwischen Hammerbach und Starkheim zuständig ist. Das betrifft Stellen in unmittelbarer Nähe zu öffentlichen Wegen. „Bei einer Esche kann das ziemlich schnell gehen. Ein Baum, der bei einer Inspektion gesund ausschaut, kann ein Jahr später schon so befallen sein, dass er gefällt werden muss.“
Entlang von Wegen nimmt man das sehr ernst, man reagiert schnell. Abseits von Wegen, in den Auen, darf so ein markierter Baum auch mal stehenbleiben, sagt Wimmer. „Da muss man an die Eigenverantwortung von Waldbesuchern appellieren, die Wege nicht zu verlassen.“ Generell sieht man sich in der Flussmeisterstelle dem Naturschutz verpflichtet. Totholz bleibt laut Wimmer in den Auen liegen, sofern es bei späteren notwendigen Pflegemaßnahmen nicht behindere.
Fällung nur bei
Verkehrsgefährdung
Der Pilz, um den es geht – in der Fachsprache Hymenoscyphus pseudoalbidus genannt – stellt deswegen eine erhebliche Gefahr dar, „da er die Leitbahnen der Bäume verstopft, zu Rindennekrosen führt und oft den Folgebefall durch den Sekundärschädling Hallimasch – holzzersetzender Hutpilz – begünstigt“, erklärt dazu Stefan Zimmermann, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Mühldorf. Spätestens dann bestehe akute Verkehrsgefährdung und eine Fällung wäre dringend notwendig.
Die Folgen: Kronentotholz, die Zerstörung des Wurzelwerks und schließlich das Absterben ganzer Bäume – besonders entlang von Wegen. „Dadurch verlieren die Eschen ihre Standfestigkeit, was zu plötzlichem Umstürzen, auch bei gutem Wetter und ohne Vorwarnung, führen kann“, erklärt Zimmermann. Im Falle der Esche im Norden Deutschlands hatten laut Medienberichten stärkere Windböen gereicht, um den offenbar stark geschädigten Baum aus den Wurzeln zu heben.
Und dann kommt auch
noch die Käfergefahr
Mit der Baumfällung alleine ist es aber nicht getan. Zimmermann weiter: „Das durch das Eschentriebsterben verursachte Kronentotholz und die absterbenden Bäume bieten den Eschenbastkäferarten vermehrt Brutraum. Dennoch befallen die Käfer die Esche nicht primär.“
Nur stark vorgeschädigte und abgängige Bäume können laut dem Kreisfachberater demnach erfolgreich von ihnen besiedelt werden. Deshalb müsse abgängiges oder aufgearbeitetes Eschenholz (Brenn- und Stammholz) nicht unverzüglich aus den Beständen abgefahren werden, wie dies beispielsweise beim Auftreten von Fichtenborkenkäfern der Fall ist.
Das „Falsche Weiße Stängelbecherchen“, wie der Erreger auch bezeichnet wird, ist in 22 europäischen Ländern etabliert und befällt Bayerns Bestände flächendeckend. Seit dem Erstnachweis 2007 in Deutschland und 2008 in Bayern verschlechtert sich der Gesundheitszustand der Bäume aller Altersklassen zunehmend, weiß Kreisfachberater Zimmermann.
Ein Rückgang des Pilzes sei derzeit nicht absehbar, resistente Individuen seien selten. Und dennoch gibt es eine leise Hoffnung: Ein bis fünf Prozent der Eschen sind genetisch weniger anfällig oder resistent. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft prüft gemeinsam mit dem Bayerischen Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht junge Eschen in Resistenzversuchen.
Natur forstet
sich selbst auf
Die Innauen sind in den vergangenen Monaten ziemlich licht geworden. Eine Nachforstung von Menschenhand werde es allerdings nicht geben, sagt Wimmer. „Dort, wo Bäume gefällt wurden, wird die Natur sich selbst überlassen“, sagt Wimmer. Ein Eingriff findet nur statt, wenn es ökologisch sinnvoll ist. In der Nähe der Innfähre habe man ein Waldstück eingezäunt, um die Jungbäume vor Verbiss zu schützen. „Sie entwickeln sich prächtig!“