Mühldorf/Ungarn – Am kommenden Sonntag wird in Ungarn gewählt. Entschieden wird über die Sitze der 199 Parlamentsmitglieder und damit auch über den Verbleib des umstrittenen Präsidenten Viktor Orbán. Vor Ort ist auch Istvan Molnar. Seit 42 Jahren lebt der gebürtige Ungar in Mühldorf und ist hier als Boxtrainer bekannt. Für die Wahl ist er allerdings extra zurück in die Heimat gereist.
Wahl unter Einfluss von
Russland und den USA
„Ich habe schon per Briefwahl meine Stimme abgegeben“, erzählt Molnar am Telefon. „Aber ich wollte persönlich dabei sein, mir die Stimmung vor Ort ansehen.“ Bislang sei diese „eigentlich normal“. Auf der Straße würden wenige politische Dinge besprochen. Nur wenn man frage, würden die Diskussionen losgehen.
Bis heute besitzt Molnar ein Haus in der Nähe von Celéd, einer Partnerstadt von Mühldorf. Regelmäßig besuche er seine ungarische Heimat. „Ich habe viele Freunde hier, mit denen ich seit Jahrzehnten verbunden bin.“ Auch sein Bruder lebe weiterhin in Ungarn.
Doch seine Besuche könnten mit dem Sonntag allerdings vorbei sein, denn sollte Orbán gewinnen, plant Molnar, sein Haus zu verkaufen. „Dann möchte ich nichts mehr mit dem Land und den Leuten hier zu tun haben“, sagt er. Die Wahl am 12. April wird in vielen Medien als „Schicksalswahl“ bezeichnet. Erstmals nach 16 Jahren steht Regierungschef Orbán einem ernsthaften Herausforderer gegenüber: In den Umfragen liegen Péter Magyar und seine Tisza-Partei seit Monaten vorn.
Wie wichtig die Wahl ist, zeigt auch das große internationale Interesse. Erst kürzlich war sogar der amerikanische Vizepräsident J.D. Vance zur Unterstützung des EU-Gegners und rechten Politikers Orbán vor Ort. Seit Wochen häufen sich zudem auch Berichte über schmutzige Propaganda. So sollen unter anderem deutschen Medienberichten zufolge ungarische und auch russische Bot-Accounts mittels künstlicher Intelligenz Wahlwerbung im Internet für Orbán gemacht und gleichzeitig Herausforderer Péter Magyar als Marionette der Europäischen Union und Kriegstreiber diffamiert haben.
Auch Molnar berichtet davon. „Niemand, der nicht vor Ort ist, kann es sich vorstellen, wie es hier ist. Im Fernsehen läuft Propaganda, im Radio läuft Propaganda, wenn man den Wasserhahn aufdreht, fließt Propaganda“, sagt er.
Das ist auch die Hauptkritik Molnars an Orbán und seiner Regierung. Über die Jahre habe der Regierungschef viele Unwahrheiten und Lügen verbreitet, das könne Molnar nicht unterstützen.
Leider, so Molnar, würden die Menschen diese aber oft nicht erkennen. „Die Regierung hat es geschafft, die Menschen hier über Jahre zu verdummen“, sagt er. Viele würden das, was sie sehen, nicht als „die von Russland beeinflusste Propaganda“ erkennen.
Viele Ungarn wollen
einen Regierungswechsel
Molnar ist trotzdem zuversichtlich, dass der von ihm gewünschte Regierungswechsel klappt. „Ich will daran glauben. 70, 80 Prozent von den Menschen, mit denen ich gesprochen habe, wollen einen Regierungswechsel“, sagt er. Und trotz aller Kritik glaubt Molnar daran, dass Orbán bei einer Abwahl sein Amt freiwillig räumen werde. „Sonst gehen wir auf die Straße.“