Mühldorf/Altötting/Traunstein – Lungenkrebs: Eine Diagnose, die schockiert. Für C. Scharhag aus Altötting begann damit ein Überlebenskampf, der gut ausgegangen ist. Dank seiner Willenskraft und Entschlossenheit, sich nicht unterkriegen zu lassen, aber auch dank der vorbildlichen Zusammenarbeit zweier Klinikverbünde: dem InnKlinikum Altötting-Mühldorf und den Kliniken Südostbayern mit Hauptsitz in Traunstein. Über ihre Kooperationen zum Wohle von Patienten und eine mutmachende Krankheitsgeschichte, die die Kliniken gemeinsam erzählen:
An einem Sommertag Anfang August bemerkt C. Scharhag zum ersten Mal, dass etwas nicht stimmt: Er schwitzt ungewöhnlich stark, sein Rücken schmerzt. Er hat keinen Appetit. „Mir war nicht gut“, erinnert sich der 61-Jährige. Nach einem Mittagsschlaf weiß er für den ersten Moment nicht, wo er ist. Am Abend kann er auf seiner bevorzugten rechten Seite nicht schlafen. Am nächsten Morgen, Montag um 4.30 Uhr, fährt Scharhag selbst in die Zentrale Notaufnahme nach Altötting.
Die Ärzte veranlassen eine Computertomografie des Brustkorbs. Der Befund: beidseitige Lungenentzündung mit Pleuraerguss. Doch auf dem Bild zeigt sich noch etwas anderes. Im linken Oberlappen sehen die Ärzte einen weißen Fleck mit einem Durchmesser von 54 Millimetern.
Moderne Therapie
mit unerwarteten Hürden
Für die Lungenentzündung bekommt er Antibiotika und wird im Krankenhaus behalten. Bereits am Mittwochmorgen beginnen die Ärzte in der Pneumologie mit den Untersuchungen. Sie bronchoskopieren C. Scharhag und können auf diesem Wege eine Probe aus dem Tumor gewinnen. Die Pathologen diagnostizieren ein großzelliges Bronchialkarzinom.
Nach Abschluss mehrerer Untersuchungen und der Diskussion aller Befunde in der Tumorkonferenz fällt die Entscheidung zur operationsvorbereitenden medikamentösen Therapie in Form einer Chemo-Immuntherapie. Sie wird an der onkologischen Abteilung des InnKlinikums Altötting rasch begonnen. Ergänzend zur Chemotherapie werden dabei mit gentechnisch hergestellten Antikörper-Infusionen körpereigene Abwehrmechanismen des Immunsystems aktiviert, um gezielt Tumorzellen abzutöten. Dies ist eine der modernsten Therapieformen in der Krebsbehandlung und erst seit wenigen Jahren in dieser Form möglich.
Da Scharhag Schwierigkeiten mit Schwindel bekommt, wird die Therapie nach drei Zyklen beendet – und die Operation kommt früher ins Gespräch als geplant. Vorher wollen sich die Ärzte aber sicher sein, dass sich der Krebs nicht trotz der Behandlung ausgebreitet hat. Deshalb werden Anfang November ein Ganzkörper-CT und ein MRT des Schädels durchgeführt. Hier zeigen sich mehrere kleine „Flecken“ in beiden Lungen, die von den Röntgenärzten als hochverdächtig auf Absiedelungen des Lungenkrebses eingeschätzt werden. Zwei dieser Herde werden im InnKlinikum Mühldorf über eine Brustkorbspiegelung entfernt, um sie genau untersuchen zu können. Glücklicherweise bestätigte sich der Verdacht der Radiologen nicht; tatsächlich handelt es sich um eine Nebenwirkung der Immuntherapie im Sinne einer Entzündungsreaktion. Danach kann die Entfernung des mittlerweile auch kleiner gewordenen Tumors im Klinikum Traunstein geplant werden.
Während Angehörige und Freunde erschrecken, als sie von der Diagnose erfahren, bleibt C. Scharhag erstaunlich ruhig. „Ich hab‘ mich da gar nicht so reingesteigert, meine Angehörigen waren viel aufgeregter. Aber das kommt einfach davon, weil ich schon seit Langem im Zentralen Belegungsmanagement im Krankenhaus in Altötting arbeite und so jeden Tag mit Krankheiten zu tun habe“, sagt er. „Mein Motto war von Anfang an: Es geht nur vorwärts.“
Mitte Januar werden in Mühldorf in einer ersten Operation Proben genommen. Ende des Monats folgen Echo, EKG, eine weitere Bronchoskopie und alle weiteren notwendigen Voruntersuchungen in der Thoraxchirurgie im Klinikum Traunstein.
Das Team der Thoraxchirurgie operiert C. Scharhag Ende Januar. Dabei werden der tumortragende Lungenabschnitt und die Lymphknoten entfernt. Aufgrund des guten Ansprechens der vor der Operation durchgeführten Systemtherapie werden nur zwei der neun Segmente der linken Lunge entfernt, und eine weitere Chemotherapie nach der Operation ist nicht notwendig. Allerdings wird im Anschluss eine Fortsetzung der alleinigen Immuntherapie empfohlen, wie in der fachübergreifenden Tumorkonferenz diskutiert und gemeinsam mit den Kollegen der anderen Fachabteilungen entschieden wurde. C. Scharhag darf nach der Operation wieder nach Hause; die Planungen für seine weitere Behandlung laufen bereits.
Für ihn ändert sich nach der OP schlagartig sein gesamtes Leben: „Meine Tage waren immer getaktet und jetzt hatte ich plötzlich Zeit.“ Und noch etwas ändert sich radikal: „Ich war vorher starker Raucher und habe auf fünf Zigaretten pro Tag reduziert. Ganz aufhören? Schaffe ich nicht.“
Zwei Wochen später beginnt die Reha im Landkreis Berchtesgadener Land. Sie dauert knapp drei Wochen und jeder Tag ist randvoll gefüllt mit Anwendungen, Training, Therapie, Übungen. Im März beginnt auch die von den Leitlinien und der Tumorkonferenz empfohlene Immuntherapie. Parallel dazu fängt er ab April wieder an zu arbeiten, das will er unbedingt, obwohl der Schwerbehindertenausweis 80 Prozent Schwerbehinderung bescheinigt: „Ich liebe meine Arbeit, je komplizierter ein Fall ist, den ich bearbeite, desto mehr Spaß macht es mir. Aber ich habe auch gelernt, mich einzubremsen und ruhiger zu werden.“
Ausblick: Gemeinsam
betreut in die Zukunft
Die medizinische Betreuung läuft weiter. In der Onkologie-Ambulanz im InnKlinikum Altötting finden wieder die regelmäßigen Kontrollen statt. Für den Patienten C. Scharhag hat das einen großen Vorteil: Die Behandlung ist eine Zusammenarbeit mehrerer Kliniken, sein Fall wird in Altötting, Traunstein und Mühldorf gemeinsam behandelt; er ist somit wohnortnah und gleichzeitig hochqualitativ betreut, betonen Dr. Wolfgang Richter, Medizinvorstand am InnKlinikum, und Thomas Ewald, Vorstandsvorsitzender.