Neumarkt-St. Veit – Es waren die Wadlbeißer-Auftritte im Februar dieses Jahres. Reserl Trager saß ganz vorne in der ersten Reihe. Mittendrin statt nur dabei. Herzhaft gelacht hat die beliebte ehemalige Gastwirtin aus Neumarkt-St. Veit über die Vorstellung der Laienschauspieler ihrer geliebten Faschingsgesellschaft „Rottalia“, für die sie zeitlebens die Herbergsmutter war. Doch jetzt ist ihr Lachen verstummt. Im Alter von 85 Jahren erlag das „Trager Reserl“, wie sie stets liebevoll genannt wurde, einer Gehirnblutung.
Einige Male
vom Schicksal gestreift
Mit Resi Trager ist eine prägende Persönlichkeit des gesellschaftlichen Lebens in Neumarkt-St. Veit gegangen. Ein halbes Jahr nach ihrem 85. Geburtstag, den sie noch im Kreis zahlreicher Freunde, Weggefährten und Gratulanten feiern durfte, bleibt die Erinnerung an eine außergewöhnliche Wirtin und warmherzige Gastgeberin.
Geboren im Jahr 1940, begann ihr Leben unter schweren Umständen: Ihre Mutter verstarb bei der Geburt. Aufgewachsen zwischen Familie, Landwirtschaft und Wirtshausbetrieb, wurde ihr schon früh der Weg vorgezeichnet, der sie ihr ganzes Leben begleiten sollte. Das Gasthaus „Schandlbräu“, das ihre Eltern 1938 übernommen hatten, wurde zum Mittelpunkt ihres Wirkens.
Mit Fleiß und Hingabe erlernte sie ihr Handwerk, besuchte die Berufs- und Hauswirtschaftsschule und sammelte Erfahrungen in renommierten Betrieben. Nach dem frühen Tod ihres Vaters und später nach ihrer Heirat übernahm sie selbst die Verantwortung für das Wirtshaus. Mit großem Engagement entwickelte sie den Betrieb zu einer weit über die Stadt hinaus bekannten Adresse bayerischer Gastlichkeit.
Reserl war Wirtin aus Leidenschaft. Für sie waren die Gäste nicht nur Kundschaft, sondern Familie. Ihre offene, herzliche Art machte das Gasthaus zu einem Ort der Begegnung, des Austauschs und der Gemeinschaft. Auch in schwierigen Zeiten blieb sie eine starke Frau – ihre Ehe scheiterte nach zwei Jahrzehnten, doch mit Hans Schütz fand sie später einen treuen Begleiter an ihrer Seite.
Untrennbar verbunden ist ihr Name mit dem Fasching in Neumarkt-St. Veit. Ob als Faschingsprinzessin, Trainerin, Organisatorin oder Stimmungsmacherin – sie war stets mittendrin und prägte das bunte Treiben über Jahrzehnte hinweg entscheidend mit. Ihr Lokal wurde besonders in der fünften Jahreszeit zum pulsierenden Zentrum, in dem Lebensfreude und Geselligkeit zu Hause waren. Wenn sie zum „Donisln“ einlud, platzte ihr Lokal meist aus allen Nähten: Ihre Leberknödelsuppe oder Weißwürste gehörten zu jedem der damals häufigen Faschingsbegegnungen in ihrem Wirtshaus.
Doch Reserl Trager war mehr als nur Wirtin und Faschingsikone. Sie war Zuhörerin, Ratgeberin und oft auch Trostspenderin für ihre Gäste. Diskret und mit großem Einfühlungsvermögen begegnete sie den Menschen.
Ihr soziales Engagement reichte weit über die Region hinaus: Sie unterstützte Kinder in armen Ländern und pflegte persönliche Beziehungen, die ihr sehr am Herzen lagen.
Gasthaus bis
2015 betrieben
Als ihr geliebtes Gasthaus im Jahr 2015 schließen musste, trauerte nicht nur sie selbst – eine ganze Stadt verlor ein Stück Heimat. Dennoch bewahrte sie sich bis ins hohe Alter ihren Humor, ihre Lebensfreude und ihren unverwechselbaren Charme.
Mit Resi Trager verliert Neumarkt-St. Veit eine Frau, die das Leben vieler Menschen bereichert hat. Ihre Herzlichkeit, ihr Engagement und ihre Menschlichkeit werden unvergessen bleiben. Im Oktober durfte sie noch ihren 85. Geburtstag feiern. Zweiter Bürgermeister Egbert Windhager kam zum Gratulieren.
Ein wenig nachdenklich wirkte sie damals. Und dennoch voller Lebensfreude, „die mir der Herrgott vielleicht noch zum Dank für meine guten Taten und Worte als Wirtin weiterhin gönnen wird“, wünschte sie sich damals. Jetzt hat sie der Herrgott heimgeholt. Von einer Gehirnblutung hat sie sich nicht mehr erholt.