Reichertsheim – In einem feierlichen und würdevollen Rahmen ist eine über 100 Jahre alte Fahne des ehemaligen Reichertsheimers Katholischen Burschenvereins wieder geweiht worden. Den Verein gibt es seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr, das symbolische Tuch jedoch schon.
Weil sich die Fahne in einem immer schlechteren Zustand befand, entschlossen sich Obmänner der örtlichen Marianischen Männerkongregation aufgrund einer moralischen Verpflichtung dazu, diese Fahne mit ihren aufwendigen Stickereien zu restaurieren. Die Ausführung sei sehr hochwertig gewesen, erfuhren die Besucher im Gottesdienst, heute sei so etwas sehr teuer.
Nun war es soweit. Der vergangene Weiße Sonntag war als idealer Tag dafür auserkoren worden. Ruhestandpfarrer Josef Reindl aus Rattenkirchen hielt den Gottesdienst, da es über ihn auch einen indirekten Bezug zu einem Mitglied der damaligen Burschen gab. Der Pfarrer segnete die Fahne und gedachte anschließend den Gefallenen vor dem Kriegerdenkmal an der Kirche. Denn dort sind Namen der Mitglieder aufgeführt, „die meisten mussten in den Krieg und die meisten sind nicht wiedergekommen, nur die Fahne ist übriggeblieben“, erfuhren die Besucher in der gut gefüllten Kirche durch den Namensvetter Josef Reindl, der frühere langjährige Hochzeitslader und heutige Ehrenobmann der Marianischen Männerkongregation. Er hatte die Restaurierung nachdrücklich verfolgt und gab die Geschichte zur Fahne in Versform wieder. Kaum etwas sei bekannt zu diesem Verein, es seien „schwierige Jahre“ durch die Inflation, die Arbeitslosigkeit und den aufkommenden Nationalsozialismus gewesen. Auf die Bezeichnung „katholisch“ sei man damals sehr stolz gewesen.
Nun befinde sich die Fahne in einem Glaskasten im Pfarrheim und könne dort besichtigt werden. Sie werde nicht mehr getragen. Alles zusammen habe 8.000 Euro gekostet, die erst einmal der Verein trage, doch man erhoffe sich noch Spenden, wofür auch ein Korb bestimmt war: „Schmeist’s eini, wenn möglich, große Scheine“, wünschte sich der Ehrenobmann.
Pfarrer Josef Reindl stellte die Apostelgeschichte mit dem ungläubigen Thomas in den Mittelpunkt und dazu die Gemeinschaft der Gläubigen, die einander Halt gebe, ausgehend von den zwölf Aposteln mit Jesus. Leider sei heute oftmals die Bereitschaft zum täglichen Gebet verloren gegangen. Das sei aber wichtig, denn man könne nicht alles wissen, dürfe aber trotzdem vertrauen.
Die gereimten Fürbitten handelten davon selbst zu erfahren, wofür der Glaube stehe, dass die Heimat von Krieg verschont bleibe und dass Flüchtlinge ein würdiges Leben führen dürfen.
Bürgermeister Franz Stein würdigte diese „ganz besondere Fahnenweihe“, er dankte allen Beteiligten für ihr Engagement. Nach dem Gedenken mit Fahnengruß der Vereine vor dem Kriegerdenkmal warteten auf die Besucher im Pfarrheim Weißwürste, Kaffee und Kuchen, nachdem ein kleiner Festzug mit Fahnenabordnungen der Vereine, angeführt von Musikanten der Ramsauer Blaskapelle, wieder auszog.