Neumarkt-St. Veit – Ein halbes Jahrhundert gibt es die Frauen-Union in Neumarkt-St. Veit bereits. Und man kann ihr nicht vorwerfen, nicht auf Kontinuität zu setzen. Denn knapp die Hälfte dieser 50 Jahre führt Heike Perzlmeier die FU an. Genauer gesagt 23 Jahre, seit sie 2003 die Nachfolge von Cilly Klankermeier angetreten ist.
Fünf Führungspersonen
in 50 Jahren
Und auch in den Jahren zuvor hatten Neumarkter Damen die Aufgabe ernst genommen, wenn sie sich für den Führungsposten in der FU entschieden hatten. Die Gründungsvorsitzende etwa, Maria Schenk, füllte den Posten in den Anfangsjahren von 1976 bis 1979 aus. Brigitte Buchsteiner folgte ihr als Vorsitzende (bis 1981), danach hielt Gabi Römelsberger (jetzt Eistermeier) das Zepter bei den Frauen in der Hand, bevor 1989 Cilly Klankermeier zur Vorsitzenden gewählt wurde.
„Als ich 2003 zur Vorsitzenden gewählt wurde, waren es 60 Mitglieder. Und die Mitgliederzahl ist zwar langsam, aber stetig weiter angewachsen. Heute sind es 77 Mitglieder“, verrät Perzlmeier – nicht ohne Stolz. Denn in Zeiten, in denen Vereine über Mitgliederschwund klagen, ist es der Frauen-Union gelungen, ihre Basis auszubauen.
Seit 40 Jahren suchen
Kinder die FU-Osternester
Den Grund dafür sieht Perzlmeier nicht nur im Multiplikator-Effekt, den jedes neue Mitglied mitbringt. Die Beliebtheit führt die Vorsitzende auch auf die vielen Tätigkeitsfelder der FU zurück. „Wir organisieren Ausflüge mit Familien und Kindern. Und wir beteiligen uns regelmäßig am Ferienprogramm beziehungsweise am Kreisschießen oder am Kreiskegeln.“ Seit mehr als 40 Jahren laden die Frauen zum alljährlichen Osternestsuchen für Kinder ein.
Was Perzlmeier besonders freut: „Dass unsere Buchvorstellungen so gut ankommen. Die haben wir neu im Programm.“ Was verbirgt sich dahinter? „Einmal im Jahr wird ein Buch vorgestellt, daraus vorgelesen und anschließend darüber diskutiert.“ Jung und Alt bringt die Frauen-Union in der Vorweihnachtszeit zusammen, wenn sie auf den Advent einstimmt. „Begonnen haben wir vormittags mit unserem Adventsbasar mit Adventskränzen und Plätzchen. In den vergangenen Jahren haben wir die Veranstaltung mit unserem vorweihnachtlichen Glühweinstand auf zwei Tage erweitert.“
Ohne Fleiß kein Preis: Alle Aktivitäten werden fast ausschließlich aus den Erlösen finanziert, sagt Perzlmeier. Dabei vergisst die FU aber auch nicht, an andere zu denken. Spendengelder seien verschiedenen Einrichtungen zugutegekommen: „An Frauen helfen Frauen, an Donum Vitae, an das Hospiz und direkt vor Ort, wo dringend Hilfe benötigt wird“, zählt Perzlmeier auf.
Erste Frau seit
1996 im Stadtrat
Hilfe für Schwächere, Kampf gegen Unrecht und Einsatz für eine bessere Rolle der Frau in der Gesellschaft – das waren die Motive in der Gründerzeit. Und nach wie vor ist das ehrenamtliche Engagement das Steckenpferd der Neumarkter Frauen. Doch natürlich sind die Damen auch politisch tätig. Dennoch dauerte es, bis es die erste Frau in den Neumarkt-St. Veiter Stadtrat schaffen sollte. Rosmarie von Roennebeck ist das 1996 gelungen. Neben ihr hatte das auch Elisabeth Weigand von der UWG geschafft.
Und Rosmarie von Roennebeck ist weiterhin politisch ganz vorn dabei, wenn es auch in der neuen – ihrer sechsten – Legislaturperiode darum geht, wegweisende Entscheidungen für die Stadt Neumarkt-St. Veit zu treffen. Im Jahr 2026 ist sie in bester Gesellschaft. Denn bei der Kommunalwahl am 8. März dieses Jahres haben es mit ihr vier weitere Damen der CSU geschafft, in den Stadtrat gewählt zu werden. Und nicht nur das: Auch vier Damen der UWG schafften den Sprung in das Gremium, außerdem eine Vertreterin der Grünen. 50 Prozent des Stadtrats sind somit fest in Damenhand.
Für Perzlmeier, und da lässt sie die Parteigrenzen mal komplett außen vor, ein Zeichen dafür, wie wichtig es der Bevölkerung geworden ist, dass Frauen in der Politik mitmischen. Ihre Erklärung: „Frauen haben einfach ganz andere Sichtweisen. Wir denken pragmatisch. Wir müssen uns nicht dem Vergleich stellen.“ Perzlmeier findet auch, dass Frauen grundsätzlich die Fähigkeit mitbringen, Kompromisse zu schmieden. Sie hofft deswegen auch auf eine angenehme Form der Kommunikation im Stadtrat.
Wie eine solche Kommunikation im Europaparlament abläuft, darüber gibt am Festtag zum 50-jährigen Bestehen der Frauen-Union Professorin Dr. Angelika Niebler am Sonntag, 19. April, einen Einblick. Die Europa-Abgeordnete beginnt ihren Festvortrag, wenn sich die Frauen-Union nach dem Gottesdienst in Maria Einsiedeln (17 Uhr) ab circa 18.15 Uhr im Gasthaus Maier trifft. Nach dem Abendessen folgen Grußworte der Kreisvorsitzenden Barbara Fuchshuber, von Landrat Max Heimerl und vom Landtagsabgeordneten Sascha Schnürer, bevor Ehrungen den offiziellen Teil des Abends abschließen.