Erharting – Es ist kurz nach 6 Uhr, als gestern die ersten Messgeräte scharfgeschaltet werden. Die Stelle ist bewusst gewählt: An den Autobahnabfahrten der A94 auf die B299 liegt ein Unfallschwerpunkt. „Die Unfallkommission ist hier schon länger aktiv“, erklärt Karl-Heinz Stocker, Hauptkommissar der Polizei Mühldorf. Tatsächlich ist bereits eine Ampelanlage in Planung, um die Kreuzung künftig zu entschärfen. Erlaubt ist hier Tempo 60, nicht alle Autofahrer halten sich an diese Begrenzung.
Eine Dame aus Mühldorf zeigt sich zunächst genervt und ist davon überzeugt, die Geschwindigkeit eingehalten zu haben. Die Beamten erklären ihr jedoch geduldig die Messsituation. Mit 14 Kilometer pro Stunde zu schnell auf dem Tacho wurde sie gestoppt und muss 40 Euro per Sofortkasse zahlen. Danach folgt die Einsicht: „Da passt man nächstes Mal besser auf.“
Ganzheitliche Kontrolle
auf der Landstraße
Eine Mutter aus Eggenfelden war ebenfalls zu schnell unterwegs und begründet dies damit, dringend ihre Kinder abholen zu müssen, was sie ebenfalls eine sofortige Zahlung kostet. Nicht jeder reagiert so einsichtig. Ein Fahrer aus Mühldorf findet es schlichtweg „unmöglich“, ohne konkreten Verdacht kontrolliert zu werden.
Der Blitzmarathon ist in diesem Jahr Teil der umfassenden Schwerpunktaktion „Sicherheit auf Landstraßen“, die das Polizeipräsidium Oberbayern Süd noch bis zum 26. April durchführt. Daher achtet das Team in Erharting nicht nur auf das Tempo, sondern führt eine sogenannte ganzheitliche Kontrolle durch. Dabei werden auch Aspekte wie die Ladungssicherung bei Anhängern, der Zustand der Reifen oder das Mitführen von Verbandskasten und Warndreieck geprüft. Kontrolliert wird hierzu etwa ein Mann aus Pfarrkirchen – er hat Mitte April noch Winterreifen drauf. Dazu sagt Stocker: „Kein Problem, Winterreifen sind ganzjährig in Ordnung.“ Auch ein SUV mit Anhänger wird unter die Lupe genommen. Hier gibt es ein Lob für die vorschriftsmäßige Ladungssicherung, und der Fahrer darf sofort weiterfahren.
„Brav“ wegen
Ankündigung?
Unter den kontrollierten Fahrzeugen befinden sich auch zwei Wagen mit roten Kennzeichen. Eine der Fahrerinnen ist gerade in einem neuen Elektro-BMW auf Probefahrt – sie plant den Umstieg auf die E-Mobilität, vor allem um den aktuell hohen Benzinpreisen zu entkommen. Schwere Verstöße wie Handy am Steuer, die mit 100 Euro und einem Punkt geahndet werden, bleiben in Erharting aus. Der bisherige Laser-Spitzenreiter des Tages wird mit 77 Kilometer pro Stunde im 60er-Bereich gemessen. Dies ist jedoch kaum vergleichbar mit dem absoluten Negativrekord, an den sich Stocker erinnert: Ein Autofahrer wurde in der Vergangenheit auf der B12 innerorts bei erlaubten 50 km/h mit 133 Kilometer pro Stunde gelasert. „Na ja, da war der Führerschein etwas länger weg“, so Stocker.
Wenn die Polizei
selbst geblitzt wird
Trifft es eigentlich auch mal die Beamten selbst? Karl-Heinz Stocker lacht und bestätigt: Auch Polizisten blieben vor dem roten Blitz nicht immer verschont. „Ich prüfe dann, ob es eine Einsatzfahrt war“, erklärt Stocker. In solchen Fällen greifen die Sonder- und Wegerechte der Straßenverkehrsordnung und das Verfahren wird eingestellt. Ohne triftigen Grund gibt es jedoch keine Bevorrechtigung. Wer im Dienstwagen ohne Einsatzgrund zu schnell fährt, muss nicht nur Stellung nehmen, sondern das Bußgeld auch aus eigener Tasche zahlen. „Wenn sich das in der Kollegschaft rumspricht, wird natürlich darüber geredet“, gesteht Stocker mit einem Schmunzeln.
Der Blitzmarathon gestern war natürlich kein Geheimnis, und das merkt die Polizei vor Ort deutlich. „Die Kontrollzahlen sind hoch, aber die Ahndungen gering“, so Stocker.
Viele Autofahrer hätten davon aus den Medien gehört und nähmen die Verantwortung wahr.