Aylin Akbulut ist „endlich mobil“

von Redaktion

Für Aylin Akbulut, die eine seltene körperliche Behinderung hat, ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen. Das speziell auf ihre Bedürfnisse umgebaute Fahrzeug und der Führerschein verändern ihren Alltag grundlegend und geben ihr ein großes Stück mehr an Flexibilität und Selbstständigkeit.

Waldkraiburg – Aylin Akbulut hat es geschafft. Die 22-jährige Waldkraiburgerin hat einen Führerschein und ein Auto. Für sie keine Selbstverständlichkeit. Aylin Akbulut hat Diastrophische Dysplasie, eine seltene körperliche Behinderung, weswegen die junge Frau kleinwüchsig ist und im Rollstuhl sitzt. Ein Auto musste auf ihre Bedürfnisse hin umgebaut werden. Mittlerweile hat die Waldkraiburgerin den Führerschein und kann alleine Autofahren.

Mit Rampe und
Knopf-Kästchen

Aylin Akbuluts Bus hat hinten eine Rampe, über die sie ins Auto zum Andockpunkt für ihren Rollstuhl fährt. Von dort kann sie sich auf den Fahrersitz setzen. Verlängerte Pedale, ein Automatik-Getriebe, ein gepolsterter Sitz und ein extra Kästchen mit den wichtigsten Knöpfen, sind eingebaut. Das Gute am Auto: „Auch andere Personen können damit fahren. Es müssen nur die Pedale und die Polsterungen abgebaut werden“, erklärt die Waldkraiburgerin strahlend.

Bis sich Aylin Akbulut den Traum vom Auto erfüllen konnte, war es ein langer Weg. Mehrere Jahre, etliche Vertröstungen von Ämtern und Kassen, ein Ordner voller Akten. „Es war schwierig“, bringen es Mutter Silvia Akbulut und Dagmar Greck, ehemalige Sozialarbeiterin der Stadt Waldkraiburg, auf den Punkt.

Mit Unterstützung vom Bund oder Land habe es letztlich nicht geklappt, erklären die beiden. Die insgesamt rund 100.000 Euro für Auto, Umbau und Führerschein haben Aylin Akbulut, Familie und Angehörige zum großen Teil selbst gestemmt.

Mit Spenden unterstützt wurde die Waldkraiburgerin von der Stiftung „Antenne Bayern hilft“, der Stadt Waldkraiburg, der Tätowiererin Selina Pinuut sowie für die Führerscheinkosten vom Waldkraiburger Verein Sterntaler.

Auch Bundestagsmitglied Stephan Mayer (CSU) hat sich für die Waldkraiburgerin eingesetzt. Auf gofundme hatte Aylin Akbulut vergangenes Jahr zudem eine Spendenaktion gestartet, über die die OVB-Heimatzeitungen und Innsalzach24 berichtet hatten. „Hier sind rund 20.000 Euro zusammengekommen“, erzählt die 22-Jährige. Bei allen Unterstützern möchte sie sich herzlich bedanken.

Den Führerschein absolvieren konnte Aylin Akbulut bei der Fahrschule Prenissl in Waldkraiburg. Die Fahrstunden fanden dann in ihrem eigenen Auto statt, das für diese Zeit mit extra Pedalen für den Fahrlehrer ausgestattet war. „Ich habe ein paar mehr Übungsstunden gebraucht“, sagt die 22-Jährige. Und bei der Prüfung habe sie nicht seitlich einparken müssen, da sie über die Hecktüre aussteige, erklärt sie. Ansonsten sei die Ausbildung wie bei allen anderen abgelaufen, sagt sie. „Die praktische Prüfung hat sie beim ersten Mal bestanden“, sagt Mama Silvia Akbulut stolz und betont: „Uns war immer klar, dass Aylin den Führerschein schaffen wird, fraglich war nur, ob wir es mit der Finanzierung hinkriegen.“ Mit ihrer Geschichte möchte Aylin Akbulut anderen Mut machen und vermitteln, dass vieles möglich ist, sagt sie.

Denn es hat sich gelohnt. Durch das Auto hat sich Aylin Akbuluts Alltag „komplett geändert“, erklärt sie. Bisher war die Waldkraiburgerin, die als Industriekauffrau bei einer Firma in Haag arbeitet, auf einen Fahrdienst angewiesen. Mal länger bleiben oder eher aufhören, sei so nicht möglich gewesen. Mit eigenem Auto ist Aylin Akbulut flexibler. Die Waldkraiburgerin besucht zudem die Abendschule in Mühldorf, um dort ihren Fachwirt zu absolvieren. Auch hierbei ist sie mit einem Auto viel mobiler. „Eine junge Frau möchte auch einfach mal ohne ihre Eltern wohin fahren können“, betont Dagmar Greck. Sie begleitete die Familie Akbulut über viele Jahre und half bei der Anschaffung des Autos. „Ohne sie hätten wir das nicht so geschafft“, sagt Silvia Akbulut. Auch Greck freut sich, Aylin Akbulut nun endlich alleine Autofahren zu sehen, und durfte selbst auch schon mitfahren. „Ich habe mich sehr sicher gefühlt“, sagt sie.

Erste Fahrt in die Arbeit,
dann nach München

Die erste Fahrt ging für Aylin Akbulut in die Arbeit, sagt sie lachend. Am darauffolgenden Wochenende dann mit den Eltern nach München. Denn auch die Fahrt in die Landeshauptstadt war bisher schwierig, da die Züge oft nicht barrierefrei sind. Sie freue sich nun auf weitere Städetrips oder auch mal eine Fahrt in den Urlaub, sagt die 22-Jährige.

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