Wo sind zusätzliche Klassenzimmer nötig?

von Redaktion

Waldkraiburg plant Grundschul-Ausbau trotz Zweifeln an den Geburtenzahlen

Waldkraiburg – Steigende Schülerzahlen, wachsender Bedarf bei der Ganztagsbetreuung und fehlende Räume: Was sich an der Graslitzer Grundschule bereits deutlich zeigt, betrifft auch andere Schulen. Deshalb hat sich nun auch der Finanzausschuss mit der Entwicklung an den Grundschulen beschäftigt.

Im Mittelpunkt stand eine Übersicht der prognostizierten Schülerzahlen, die als „Leuchtturm zur Orientierung“ dienen soll. Die Statistik zeigt die Entwicklung in den kommenden Jahren – und macht sichtbar, wo Handlungsbedarf besteht. Auf dieser Grundlage will die Stadt entscheiden, wo mehr Klassenzimmer nötig sind und an welchen Standorten der Ganztagsausbau Vorrang hat. Denn die Herausforderungen betreffen alle Grundschulen.

Rechtzeitig in
Planungen einsteigen

„Wir wollen wissen, auf welche Schule wir am ehesten schauen müssen, um rechtzeitig in die Planungen einzusteigen“, erklärte Stefan Süße, Abteilungsleiter Generationen und Kultur. Oberste Priorität hat die Graslitzer Schule, für die sich der Bauausschuss bereits für zusätzliche Klassenzimmer ausgesprochen hat. Mit durchschnittlich 286 Schülern bis 2032 ist dort ein Klassenzimmer zu wenig.

Ein Engpass zeichnet sich in den nächsten Jahren auch in der Goethe-Grundschule ab. Mit durchschnittlich 218 Schülern braucht es auch dort ein Klassenzimmer mehr. Puffer hingegen sehen die Prognosen an den beiden anderen Grundschulen: Die Beethoven-Grundschule hat erst einen Anbau bekommen, ein Anbau für die Ganztagsbetreuung deckt den Bedarf ab dem Schuljahr 2028/29 ab. Die Diesel-Grundschule wurde erst vor einigen Jahren erweitert, hier müsse man nur den Bedarf an Ganztagsbetreuung im Blick behalten. Doch wie belastbar sind die Prognosen? Ulli Maier (UWG) stellte die Datengrundlage infrage. Würde man die Schulen insgesamt betrachten, „reichen die Klassenzimmer aus“, argumentierte er – auch vor dem Hintergrund stagnierender Geburtenzahlen. „Für mich passt das nicht zusammen“, stellte Maier klar. Er sah die Gefahr möglicher Fehlplanungen. Aus Sorge vor möglichen Klagen wegen fehlender Betreuungsplätze könnte die Stadt zu großzügig planen und somit Überkapazitäten schaffen. „Das ist ein Schwebezustand, wie wir ihn bei Kindergarten und Krippe auch hatten.“ Aus seiner Sicht wurde hier ebenfalls mit zu hoch ausgefallenen Prognosen gearbeitet. Die Geburtenzahlen allein sind aber laut Süße nicht maßgeblich, Zu- und Wegzüge hätten ebenfalls einen erheblichen Einfluss. „Wir müssen schätzen und eine gewisse Unschärfe bleibt“, sagte Süße. Der Bedarf an der Graslitzer Schule sei aber unstrittig.

Auch Bauamtsleiter Carsten Schwunck dämpfte die Erwartungen an exakte Vorhersagen: „Unterschiedliche Prognosen liefern unterschiedliche Zahlen. Es bleibt eine Glaskugel-Leserei.“ Für eine bessere Einschätzung der zukünftigen Schülerzahlen hätte sich Tatjana Zapp (AfD) die Zahlen aus Kindergarten und Krippe gewünscht. Daraus ließen sich aber nur begrenzt Rückschlüsse ziehen, entgegnete Süße. Denn: „Manche Kinder werden einfach länger daheim betreut“, erklärte Süße. Im Gegensatz dazu sei die Nachfrage nach Hortplätzen nicht rückläufig.

Weitere Daten sollen
noch erhoben werden

Karin Bressel (UWG) und Charlotte Konrad (CSU) verwiesen auf die Elternabfrage. „Hier sollten die Kosten für die Betreuung angegeben werden“, schlug Charlotte Konrad vor. Denn die tatsächliche Nachfrage hänge von den Gebühren ab. Auch bei der Krippe könnten die Kosten entscheidend für den Rückgang sein.

Am Ende stimmte der Finanzausschuss einstimmig für die Schulentwicklungsprognose – unter der Voraussetzung, dass noch weitere Zahlen erhoben werden sollen. Auf dieser Grundlage soll die Verwaltung konkrete Handlungsempfehlungen für die zukünftige Entwicklung der Grundschulen erarbeiten.

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